Wenn Superhelden Twitter und Co. nutzen würden


Babs als Batgirl ist eine der beliebtesten Superheldinnen aus dem DC Universum. Mit dem New 52 Universum erhält sie nun ihre eigene Comicreihe. Batgirl Die Neuen Abenteuer – Willkommen in Burnside erschien bei Panini und fasst die ersten sechs Hefte dieser Reihe zusammen.

Identitätsdiebstahl

Batgirl

Selfie Time – Im neuen Batgirl Abenteuer ist das Verhalten im Internet ein wichtiges Thema. (© Panini/DC)

Der Autor Cameron Stewart, Koautor Brenden Fletcher und Zeichnerin Babs Tarr verändern etwas ganz Entscheidendes an Batgirl: Sie verlässt Gotham City und agiert von nun an im Außenbezirk Burnside.

So finden wir uns auf der ersten Seite bei den letzten Zügen von Barbaras Umzug. Auf der nächsten Seite sind wir bereits in Miss Gordons neuem Leben angekommen. Geweckt von einer Handynachricht, kämpft sie zunächst mit einem Kater und stolpert dann in Unterwäsche in den unordentlichen Wohnungsbereich. Dort wartet bereits ihre Mitbewohnerin Frankie. Mit dabei ist ein Typ, dem Barbara am Abend zuvor nähergekommen ist. Peinlicherweise weiß sie nicht mal mehr seinen Namen.

Während Babs zum nächsten Bäcker schlendert, um sich einen Kaffee zu holen, spielt sie mit ihrem Smartphone. Über eingeschobene Textboxen werden uns ihre privaten E-Mails präsentiert. Diese zeigen nur all zu deutlich: Es besteht ein gewisser Geldmangel bei Babara.

Wenig später wieder in ihrer Wohnung angekommen, muss Babs feststellen, dass ihr Laptop mit ihrer Studienarbeit gestohlen wurde. Nun dürfen wir in ihren Kopf hineinschauen und dank ihres fotografischen Gedächtnisses denjenigen heraussuchen, der nicht auf die Party passt. Um den vermeintlichen Täter zu schnappen, lässt sie sich von ihrer Mitbewohnerin ein Profil bei HOOQ anlegen. Die Falle schnappt zu und so findet sich Batgirl mit neuem Kostüm bald auf der Fährte eines etwas anderen Schurken: Riot Black, der Informationen über eine Art Chip im Gehirn verarbeiten kann, nutzt private Daten, um Leute auf seiner Website Black Book zu erniedrigen.

Der Gegner ist schnell gestellt und eigentlich könnte Batgirl zufrieden mit sich sein. Leider bekommt sie wenig später eine Nachricht von jemanden, der sich selber als Batgirl ausgibt. Während ihrer Sucher nach dem Identitätsdieb trifft Barbara immer wieder auf außergewöhnliche Schurken, die gezielt auf sie angesetzt wurden.

Ein fesches Kostüm und andere sprachliche Besonderheiten

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Batgirls Vergangenheit wurde nicht vergessen. (© Panini/DC)

Der Zeichenstil von Babs Tarr war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Ich fühlte mich immer wieder an Mädchenserien wie Winx Club oder Monster High erinnert. So sind Gliedmaßen in der Regel recht dünn gehalten, wodurch der Kopf etwas größer wirkt. Die Betonung liegt auf den Augen und den detaillierten Haaren. Besonders auffällig sind die langen dunklen Wimpern von Batgirl, die anscheinend zum Kostüm dazugehören. Sie unterstreichen die so schon sehr starke Mimik der Superheldin und ihre Weiblichkeit.

Denn im Gegensatz zu manch anderer Heldin erscheint  Barbaras Oberweite doch recht zierlich. Insbesondere in einer Szene, in der ein anderes Batgirl im goldenen Glitzerkostüm auf der Bildfläche erscheint, fällt dieses optische Design bei Babs auf.

Farblich ist der Comic sehr frisch gehalten und bildet einen starken Kontrast zu den sonst recht düsteren Batman Comics. Allgemein hat Batgirl nur noch sehr wenig mit der Gotham City Welt zu tun. Zwar wird ihr Vorfall mit dem Joker erwähnt und wie sie im neuen New 52 Universum von ihrer Lähmung geheilt wurde, doch ansonsten scheint ihre Zeit in der beklemmenden Innenstadt so gut wie vergessen.

Eigentlich kaum zu glauben, dass Gotham City gar nicht so weit von Burnside entfernt sein soll. Tatsächlich wünschte ich mir manchmal, dass einer der Schurken doch bitte durchs Bild rennen möge, um den einen oder anderen hier zu erschießen.

Die Schurken in Burnside sind nämliche alle sehr gewöhnungsbedürftig. Ich fand die Idee ganz cool, dass sich ein Geschwisterpaar als ihre liebsten Animefiguren verkleidet, um für Chaos zu sorgen. Doch der hysterische Künstler, dessen Motiv mir noch immer nicht wirklich einleuchten mag, war mir in seinem androgynen Outfit doch etwas zu viel.

Durch die eher harmlosen Gegner drängte sich mir die Frage auf, ob hier wirklich eine Superheldin notwendig ist.

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Die neuen Kommunikationsmedien sind allgegenwärtig (© Panini/DC)

Die Darstellung von Babs Gedanken beziehungsweise die Anwendung ihres fotografischen Gedächtnis gefiel mir dagegen sehr, weil sie unter anderem eine sehr herzerwärmende Szene aus ihrer Kindheit enthält. Des Weiteren führen sie zu einem ruhigeren Erzählstil. Insgesamt schafft es der Comic einen guten Ausgleich zwischen Aktionszenen und Alltagsstress zu schaffen. Leider sind mir die Übergänge manchmal etwas zu abrupt. Am Anfang hatte ich sogar fast das Gefühl, dass auf jeder Seite die Handlung an einem neuen Ort oder zu einer anderen Zeit fortgeführt wird.

Die zusätzliche mediale Ebene, in der immer wieder Chatnachrichten oder E-Mails in das Geschehen geschoben werden, überforderte zuweilen meine Aufmerksamkeitsspanne. Teilweise huschten meine Augen dann nur noch von Bildfeld zu Bildfeld ohne dessen Inhalt wirklich aufzunehmen. Allgemein steht Social Media in diesem Comic ganz oben im Kurs. Neben erwähnten Textnachrichten wird viel mit Hashtags, Profilen und Statusmeldungen gearbeitet.

Am Anfang noch von anderen Leuten fotografiert und online gestellt, beginnt Batgirl irgendwann selber Fotos von sich und ihren Taten hochzuladen. Dabei geht es ihr vornehmlich nicht um das Sammeln von Likes, wie ihr von Black Canary vorgeworfen wird, sondern um die Mitgestaltung ihrer medialen Wahrnehmung .

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“Fesch” ist das sicher nicht (© Panini/DC)

Neben dem Drang, möglichst alle technisch sozialen Errungenschaften der letzten Jahre in den Comic zu pressen, fällt eines sehr präsent auf: Der Sprachstil ist sehr jugendhaft. Damit meine ich nicht diese Ausdrücke, die alle paar Jahre aufgelistet in der Zeitung erscheinen, bei denen ich mich schon in meiner Jugend gefragt habe, ob die wirklich von Leuten genutzt werden. Es geht hier eher um sehr einfache Floskeln: “Echt jetzt“, “Bist du High Babe“, “Sie ist so krass“, “Wow, das ist echt so cool“, “Ey, Mann! Die Jacke ist ganz neu!“oder “Kawai! Das solltest du echt posten!

Vermutlich soll das Ganze dem Comic etwas Modernes verleihen, um jüngere Leser und insbesondere Mädchen ansprechen. Leider wird dadurch vieles ins Lächerliche gezogen, da auch älteren Personen diese Aussprüche in den Mund gelegt werden.

Ich hatte mich auf so einiges eingestellt, als Batgirl Die Neuen Abenteuer – Willkommen in Burnside damit beworben wurde, dass Batgirl jetzt ein neues fesches Kostüm trägt. Doch mit so viel aufgesetzter Jugendlichkeit habe ich nicht gerechnet. 21 soll Babara zum Zeitpunkt der Handlung sein. Mir kam sie eher vor wie vierzehn. Auch das ganze Partygedöns vom Anfang mag irgendwie nicht so recht zu Babara passen. Von der einst zähen jungen Heldin bleibt schließlich nur ein Gör übrig, welches sich mehr aus Langeweile als aus Moralansprüchen dem Superheldenleben verschreibt.

Fazit

Batgirl Die Neuen Abenteuer – Willkommen in Burnside punktet mit einem guten Zeichenstil und einer kreativen Einbindung von Social Media. Im sprachlichen Gebrauch und der neuerlichen Charakterisierung Barbaras hinkt es jedoch bei mir. Traurigerweise fühle ich mich sogar recht alt, wenn ich den Comic lese. Dabei bin ich gar nicht so weit von Batgirls angeblichem Alter entfernt. Ich denke, dass der Comic insbesondere im Teenagerbereich punkten kann, da es sicherlich kein schlechtes Gesamtwerk ist. Leider merkt man dem Heft deutlich an, dass es vermehrt junge Frauen ansprechen soll, gerade weil es eine typische Konstruktionsweise aufweist, der ich noch nie viel abgewinnen konnte. Daher die Wertung Geschmackssache.

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 

Batgirl Die Neuen Abenteuer – Willkommen in Burnside
Autor: Cameron Stewart, Brenden Fletcher
Zeichner: Babs Tarr
Verlag: Panini
Broschiert: 148 Seiten

 

Batgirl – Die neuen Abenteuer: Bd. 1: Willkommen in Burnside

Price: EUR 16,99

4.6 von 5 Sternen (7 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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