Wie Marten zum Hobby kam


Ich bin nicht der erste Rollenspieler in meiner Familie und schon gar nicht der erste Gamer. Dennoch betrat ich mit meiner ersten DSA-Runde im Alter von etwa 13 Jahren Neuland, dessen Entdeckung mich noch heute beeinflusst. Aber wie genau bin ich eigentlich zu diesem Hobby gekommen? Ein kleiner Ausflug in eine Vergangenheit und meine persönliche Geschichte als Gamer und Rollenspieler.

Computerspiele haben wir bei uns zuhause gehabt, so lange ich denken kann. Mein Vater hatte immer irgendeine Form von PC herumstehen, mit dem er Dienstpläne für die Arbeit erstellt hat. Und vor meiner Geburt hat er mit seinen Kumpels und kassettenbetriebenen Systemen Dinge wie Pong gespielt. Auch Brettspiele waren in unserer Familie immer ein Faktor – ich war als Kind großer Fan vom Verrückten Labyrinth, mein Vater genoss Solo-Spiele wie Ökolopoly und meine Mutter war ein Fan von Klassikern wie Domino. Später erfuhr ich, dass mein Vater als junger Mann Eigenbau-Versionen von Monopoly mit seinen Freunden gehackt hat, die ganze Kellerräume mit verzweigten Wegen ausfüllten und Wochen zum Spielen benötigten – zu diesem Zeitpunkt habe ich aber bereits selbst Dinge designt.

Der Spieltrieb war mir also in die Wiege gelegt, das Rollenspiel nicht so sehr. Mein Großvater und sein bester Freund haben zu Kindertagen etwas Ähnliches betrieben, wie ich vor einigen Jahren beim Durchforsten alter Dokumente entdeckt habe. Aber das, was wir heute als Rollenspiel bezeichnen, war natürlich in den 1930ern noch nicht erfunden und sollte meine Familie erst durch mich erreichen: In der Schule formte sich unter der Gruppe von Nicht-Ganz-So-Coolen-Jungs in der sechsten oder siebten Klasse eine erste DSA-Runde. Gut war diese nicht – unser Spielleiter war der unkreativste Mensch von uns und unsere Rollen beschränkten sich auf Stereotype – aber in mir war die Grundfaszination für die Systeme und das Erschaffen eigener Welten gelegt.

Die meiste Zeit meiner Spielerkarriere war ich ein Erschaffer von Inhalten: Als Gamer habe ich auf unserem damaligen Windows 3.11-Rechner mit der Demoversion von Klick & Play Massen an kleinen Spielen erschaffen, die leider für immer verloren sind. In Sachen Rollenspiel entstanden in meinen Heften jede Menge kleiner Systeme und größerer Spielwelten, die niemals jemand außer mir selbst zu sehen bekam. Selbst Brettspielchen und ein seltsamer Hybride mit einem Loch in einer Pappscheibe und einem Charakterbogen drumherum, um selbstgemalte Labyrinthe mit kleiner Sichtweite zu erkunden, waren unter meinen frühen Schöpfungen.

Mein Schöpfungsprozess war abgesehen von meiner schnell wieder aufgegebenen DSA-Runde und einigen Diskussionen mit den zwei Leuten, die ich regelmäßig in Warhammer bekämpfen durfte, lange Zeit sehr insular. Ich erschuf kleine Spiele und würfelte sie in meinem Zimmer durch, teils sogar mit kleinen Taktik-Scharmützeln mit ausgeschnittenen Zeichnungen. Der Übergang zwischen Tabletop-Rollenspiel und Strategie war dabei meist fließend – Mechaniken dienten dem Kampf und sonst nicht viel.

Erwachsen sollte mein Rollenspiel erst viel später werden, nämlich an der Universität. Im dritten Semester ging ich mit einem Kommilitonen zum lokalen universitären Rollenspielverein, nach einer Lücke von locker acht Jahren im aktiven Spiel. Dort blieb ich dann aktiv und fand Leute, mit denen ich auch sonst spielen konnte. Da ich immer über schöpferische Energien verfügt habe, die ich an irgendetwas auslassen musste, wurde ich schnell zum regelmäßigen Spielleiter, der vor allem seine eigenen Kreationen auf die Gruppen losließ. Wenngleich meine spielerische Aktivität in den letzten zwei Jahren seit der Geburt meines Sohnes und steigender beruflicher Aufgaben zurückgegangen ist – ich habe nie aufgehört, Dinge zu entwickeln und zu erschaffen. Und das könnte ich vermutlich auch gar nicht, ohne daran zu zerbrechen.

Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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