Beispielcharaktere: Der Giftmischer


Der Biss einer Schwarzen Wüstenkobra führt zu Schmerzen, Atembeschwerden und Tod. Warum dieses Gift nicht nutzen, um seine Gegner auszuschalten? Wer einen direkten Kampf scheut, wird seine Freude mit dem Giftmischer haben.

Als Vorlage für dieses Charakterkonzept diente mir dieses Mal Jonathan Crane alias The Scarecrow. Dieser schwächt seine Gegner mit seinem Angsttoxin und treibt seine Opfer damit ins Verderben. Unser Giftmischer sollte sich jedoch nicht alleine auf die Angstzustände seiner Zielpersonen verlassen, sondern ein möglichst großes Arsenal an unterschiedlichen Tinkturen parat haben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er kein Lieblingsgift hat.

Bevor wir zur detaillierten Beschreibung kommen, hier einige Voraussetzungen: Der Giftmischer ist weniger geeignet für Abenteuer, die sich schlicht aufs Kämpfen begrenzen. Er kann sich zwar wunderbar mit einem Assassinen zusammentun, jedoch würde sich der Spieler auf Dauer langweilen, wenn er zum Großteil warten muss. Insbesondere in Intrigenabenteuern oder anderen heimlichen Unternehmungen kann der Giftmischer punkten. Er kann auch als Gegner konzipiert werden, um den Spielern ein Detektivabenteuer zu bieten, in denen entweder einen Giftmord oder eine ganze Mordserie aufzugeklärt werden soll.

Eine weitere Vorausetzung ist natürlich, dass es überhaupt möglich ist, sich in dem Regelwerk auf Gifte zu spezialisieren.

Wissen ist Macht

Der Giftmischer gehört in erster Linie zu den gebildeten Charakteren. Er verfügt nicht nur über umfangreiche Kenntnisse in der Herstellung und Dosierung von toxischen Präparaten, sondern besitzt ebenfalls ein ausgeprägtes Verständnis für daran angrenzte Disziplinen der Naturwissenschaften. Religiöses Wissen oder Ähnliches darf hingegen gerne vernachlässigt werden. Ein guter Giftmischer vertraut in seinem Handeln jedoch nicht allein nur auf seine Toxine. Hier greift nämlich meine Vorlage: Scarecrow ist den meisten Darstellungen ein geschickter Redner und ein Fädenzieher, der durch Ängste Andere zu manipulieren und zu seinem Vorteil nutzen weiß oder mit simplen Worten ein Leben beenden kann.

Daher erachte ich die Investition einiger Punkte in soziale Kompetenzen keineswegs für unangemessen. Dies kann wiederum manchmal dazu führen, dass ihr unfreiwillige Verbündete für eure Zwecke gewinnen oder gar missbrauchen könnt. Zudem machen sich fremde Fingerabdrücke in der Nähe eures Opfers immer ganz gut, erspart euch unter Umständen sogar eine unliebsam hektische Flucht.

Außerdem ist Scarecrow ein sehr aufmerksamer Charakter, der andere genauestens analysiert. Dies hilft euch nicht nur beim Überzeugen anderer, sondern auch bei der richtigen Platzierung eurer Gifte. So nutzt es euch beispielsweise wenig, wenn ihr das Gift in einen Wein mischt und das potenzielle Opfer gar keinen Alkohol trinkt.

Wie bereits erwähnt ist der Charakter nicht unbedingt für eine direkte Konfrontation geeignet. Doch diese lässt sich nicht immer vermeiden. Verwendet daher so viele Punkte für ein Kampfgeschick eurer Wahl, so dass ihr nicht unbedingt gänzlich aufgeschmissen seid, sondern eurer Gruppe zumindest eine gute Unterstützung bietet! Ihr könnt entweder einen magischen Charakter spielen oder ihr sucht euch eine bestimmte Waffe aus. Dies kann von einer Stangenwaffe bis hin zu einer einfachen Pistole alles sein, was ihr für angebracht haltet. Oder ihr nutzt einen schlichten vergifteten Dolch.

Denkt an das Gegengift!

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Nutzt nicht nur künstliche Gifte. Greift auf die Natur zurück.

Ausrüstungstechnisch habt ihr einen recht großen Spielraum. Natürlich solltet ihr alles für die Gifte bei euch haben. Dazu gehören im Idealfall übrigens auch Gegengifte. Man weiß ja nie, ob nicht doch – aus Versehen – etwas im Essen eurer Mitstreiter landet. Sollte das Regelwerk es erlauben, wäre für euch selbst eine gewisse Giftresidenz ratsam.

Eure Kleidung kann relativ normal ausfallen. Solltet ihr euch für eine Nahkampfwaffe entscheiden, ist es sicherlich nicht verkehrt, die wichtigsten Stellen etwas zu schützen, jedoch braucht ihr keine wirkliche Rüstung. Handschuhe empfehlen sich, wenn ihr mit Giften hantiert, die durch die Haut dringen. In neueren Settings wäre auch ein Atemschutz oder eine Gasmaske nicht undenkbar. Letztere solltet ihr nur nicht unbedingt in der Öffentlichkeit tragen.

In eurer Reisetasche sollten sich aber nicht nur Zutaten für eure wichtigsten Toxine stapeln, sondern sich auch eine adäquate Anzahl transportabler Fläschchen für eure brisanten Mischungen befinden. Darüber hinaus benötigt ihr, gemessen am verwendeten Regelwerk, ein gewisses Sortiment an Utensilien zur Herstellung und Mischen jener Gifte. Des Weiteren solltet ihr so etwas wie Nadeln mitnehmen. Mit diesen lässt sich unauffällig Gift auf beziehungsweise in das Opfer transportieren. Es gibt natürlich noch viele andere kreative Möglichkeiten und vielleicht hat eurer Charakter eine bevorzugte Methode, um zu vergiften. Zum Beispiel könnt ihr giftige Tiere wie Spinnen bei euch haben, die ihr dann in der Kleidung des Gegners oder in seinem Schlafgemach platziert.

Ernst oder verspielt?

Charakterlich bietet sich euch auch wieder ein breites Spektrum. Ihr solltet natürlich kein Problem damit haben jemanden zu vergiften. Doch selbst wenn ihr euch an Scarecrows Charakter orientiert, bietet sich euch je nach medialer Vorlage und Zeit ein etwas anderes Konzept:

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Scarecrow bietet durch seine vielseitige Gestaltung in verschiedenen Medien Inspiration für unterschiedliche Charaktere (© Scarecrow by kjlbs)

In der animierten Batmanserie von 1992 erfreut sich Crane zwar am Leid seiner Opfer, doch im Gegensatz zu vielen anderen Darstellungen wirkt er durch seine ungeduldige und teilweise leicht aufbrausende Art nicht unbedingt einschüchternd oder beängstigend.

In Nolans Batmantrilogie wirkt Scarecrow sogar eher wie ein Geschäftsmann. Er ist ruhig und zeigt keine Skrupel, wenn es darum geht, „Probleme“ zu beseitigen. Eine gewisse Vorliebe für Geld lässt sich hier ebenfalls nicht bestreiten.

In der Arkham Reihe hat Jonathan Crane eher etwas von einem Amokläufer, der möglichst vielen schaden möchte. Dies wäre für ein Gruppenspiel meines Erachtens kaum von Vorteil. Jedoch könnt ihr euch die sehr entspannte Art von ihm als Vorlage nehmen. Wer weiß, welche Auswirkungen einige Dämpfe beim Mischen auf einem haben können.

Als letztes Beispiel noch die Comicversion von Tim Sale und Josh Loeb. Hier wirkt Scarecrow bereits gänzlich der realen Welt entrückt und sogar etwas verspielt. Er erfreut sich nicht nur daran andere zu ängstigen, sondern auch an Kinderreimen und an einem gewissen Humor. Wie gesagt sollte sich euer Charakter noch in einer Gruppe spielen lassen, doch muss er nicht unbedingt tot ernst sein. Solltet ihr den Giftmischer als Antagonisten gestalten, bieten sich charakterlich natürlich viel extremere Möglichkeiten.

Andere Beispielcharaktere

 

Das Titelbild “Does the Joker know about this? Harley Quinn and Scarecrow” ist ein Cosplayfoto von GabboT, welches am 27.10.2015 auf Flickr veröffentlicht wurde.

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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