Der Kristall der Blauelfen


Im bereits 2014 beim Splitter Verlag erschienen Auftakt der Comic-Reihe Elfen erwecken die Macher um Jean-Luc Istin (Autor) die fantastische Welt von Arran zum Leben, in der zunächst die verschiedenen Elfenvölker thematisiert werden.

Schon in ihrem ersten Band Der Kristall der Blauelfen geht es ans Eingemachte: Dem spirituell eng mit der See verbundenem Volk der Blauelfen droht nämlich abermals die völlige Vernichtung durch einen seit langem besiegt geglaubten Feind, der auf Rache sinnt.

Schreckliche Vorzeichen

Als die Blauelfe Lanawyn mit ihrem menschlichen Freund und Begleiter Turin nach langer Reise die Hafenstadt Ennlya erreicht, offenbart sich ihnen ein entsetzlicher Anblick: Alle blauhäutigen Einwohner wurden erbarmungslos niedergemetzelt. Erste Anzeichen deuten auf einen Überfall der Yrlaner, einem Stamm Elfen-hassender Nordmenschen, hin. Nach eingehenderen Untersuchungen müssen beide jedoch feststellen, dass weitaus mehr hinter dem zweifelhaften Massaker steckt.

Währenddessen ist es für die junge Blauelfe Vaalann an der Zeit, im Ritus der Wasser der Sinne ihr künftiges Schicksal ergründen zu lassen. Entgegen aller Erwartungen sieht die Mutter-Prophetin in ihrer Vorhersage den blauen Kristall, mit dem die tosenden Gezeiten beherrscht werden können. Vielleicht ist Vaalann sogar die lang ersehnte Auserwählte, die ihr Volk mit Hilfe dieses mächtigen Artefakts in bessere Zeiten zu führen vermag?

Doch es muss sich erst noch zeigen, ob es Lanawyn und Turin noch rechtzeitig gelingt, den unheilvollen Angreifer zu enttarnen, während sich Vaalann auf die Suche nach dem Kristall begibt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Obwohl die beiden Handlungsstränge unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie beispielsweise durch gemeinsame oder sich (optisch) ähnelnde Handlungsorte geschickt miteinander verflochten. Zumal den auf diese Weise sanft durch die Erzählung geleiteten Leser trotz des knappen Umfangs die ein oder andere Überraschung erwartet.

So stört es mich dann auch nicht, dass ich mich durch einige kleinere Story-Elemente an andere Erfolgsgeschichten der jüngeren Vergangenheit erinnert fühlte.

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Die Vogelschar über der Zuflucht von Ennya im verschneiten Archipel von Polanis verheißt nichts Gutes. (© Splitter)

Zwei ungleiche Teams

Lanawyn ist eine kluge und kampferprobte Frau, die sich dem Wohlergehen ihres Volkes verschrieben hat. Unter ihresgleichen wird sie respektiert. Sogar der blauelfische Anführer vertraut ihrem Urteilsvermögen uneingeschränkt. Ihr Weggefährte Turin, ein offenbar bei den Yrlanern und einigen Orks gleichermaßen geschätzter Zeitgenosse, steht ihr mit Rat und Tat hilfreich zur Seite. Beide verbindet eine innige Freundschaft.

Vaalann wirkt im Vergleich zu Lanawyn noch deutlich jugendhafter und etwas unsicher. Ihr Handeln wird nicht selten von ihrer jeweiligen Gefühlslage bestimmt, wenngleich ihr eine vermeintlich schwere Bürde auferlegt wird. Begleitet wird sie vom etwa gleichaltrigen Lyann. Der unauffällige Bursche greift seine Freundin bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Arme und scheint ihr recht zugetan zu sein.

Wenngleich bei der charakterlichen Komposition der Hauptfiguren das Rad keineswegs neu erfunden wird, sind sie doch alle in ihrer jeweiligen Rolle für die Rahmenhandlung vortrefflich gewählt und angemessen umgesetzt.

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Als sich der Nebel in den Straßen von Ennya lichtet, erkennen Lanawyn und Turin das ganze Ausmaß der Katastrophe. (© Splitter)

Mäßig strukturiert, opulent inszeniert

Die Geschehnisse um Lanawyn und Vaalann werden überwiegend in schwarz konturierten Bildfeldern erzählt, die entweder auf weißem Grund platziert sind oder Teile größerer Panoramen überlagern.

Die Sprechblasen der handelnden Figuren brechen dabei zuweilen aus der Rechtecksrahmung aus: Sie überdecken entweder die Randzone oder verschmelzen mit dem grell weißen Hintergrund, sodass die vordefinierte Rechtecksform aufgelöst wird. Gerade letzteres ist mir persönlich zwar ein Dorn im Auge, fällt aber nicht weiter ins Gewicht.

Regelrecht verstörend empfinde ich hingegen den qualitativen Kontrast, sobald auf selbiger Seite ein abrupter Wechsel von halbseitigen  Panoramalandschaften zu jenem weißen Grund erfolgt. Eine weniger Zesur-lastige Lösung wäre wünschenswert gewesen.  

Davon abgesehen bin ich von der geradezu malerischen Ausgestaltung des Comics wirklich beeindruckt. Wenngleich mich bereits das spektakuläre Cover in seinen Bann gezogen hat, glänzt die gesamte Erzählung durch eine schmuckvolle Inszenierung. Insbesondere  Landschaftskulissen, große Innenräume und Portraits sind zumeist bis ins kleinste Detail ausformuliert und passend koloriert. Die meist weichen Schattierungen verleihen den Darstellungen eine stimmige Atmosphäre.

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Die Mutter-Prophetin versucht vergebens, Vaalanns künftiges Schicksal im Wasser der Sinne zu sehen. Man beachte die gefühlvolle Mimik der beiden Figuren. (© Splitter)

Die Welt der Elfen

Elfen ist die erste Konzeptserie des französischen Comic-Verlags Soleil Productions, welche Splitter für den deutschen Markt adaptiert. Die beiden Szenaristen Jean-Luc Istin und Nicolas Jarry setzen in jedem Band eines der fünf Elfenvölker von Arran mit einer in sich geschlossenen Geschichte in Szene.

Jedes Abenteuer wird dabei in einem klar definierten Bereich dieser Welt erlebt, in die ein jeder zusätzliche Comic einen weiteren Einblick gewährt. Auf diese Weise erschaffen die Szenaristen Stück für Stück ihr eigenes Fantasy-Universum.

Ein jeder Zyklus umfasst fünf Bände, die alle zwei Monate erscheinen. Bisher wurden elf Episoden veröffentlicht, weitere sind schon in Planung oder bereits im Druck.

Fazit

Insgesamt zeichnet sich der Comic Elfen Bd. 1 – Der Kristall der Blauelfen durch eine solide Story aus, die von authentischen Charakteren getragen wird. Trotz seiner ambivalenten Strukturierung punktet er insbesondere durch seine bildgewaltige Aufmachung. Wer sich also für imposante und detailverliebte Inszenierungen begeistert, dem kann ich dieses Meisterwerk als Empfehlung bedenkenlos ans Herz legen.  

Eine ausgiebige Leseprobe findet ihr übrigens im Online-Shop des Splitter Verlags. Ein Blick lohnt sich definitiv.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

 

Der Kristall der Blauelfen
Autor: Jean-Luc Istin
Zeichner: Kyko Duarte
Verlag: Splitter
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten
 

Elfen: Band 1. Der Kristall der Blauelfen

Price: EUR 14,80

4.6 von 5 Sternen (9 customer reviews)

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Marco Schugk

Marco Schugk

Tauscht gern Schwert und Rüstung gegen Federkiel und Tinte, um den Geschichten und Erzählungen seiner Kameraden gelehrsam Ausdruck zu verleihen.
Hauptthemen: Lektor, Games, Brettspiele.

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