Inspiration für Spielleiter: Im Dorf beginnt das Abenteuer


Städte mögen für kaufwütige Spieler besonders interessant sein, wirklich gute Geschichten können Spielleiter aber meiner Erfahrung nach schon in Dörfern erstehen lassen. Deshalb hier als Inspirationsquelle für kommende Abenteuer ein ausgearbeitetes Dorf, das ihr relativ leicht an euer eigenes Setting anpassen könnt.

Willkommen in Jahdal!

Das runde Dorf wirkt wie eine kleine Trutzburg inmitten einer idyllischen Landschaft. Die Holzpalisaden sehen sehr stabil aus und an mehreren Stellen überwachen Krieger auf kleinen Plattformen hinter der Verteidigungsanlage die Umgebung.

Wenn die Spielercharaktere das Dorf an einem der vier Eingänge betreten wollen, müssen sie ihre Waffen abgeben. Das offene Tragen bzw. zur Schau stellen von Kriegsgerät ist nämlich keineswegs gestattet. Sollten sie sich weigern, dürfen sie das Dorf nicht betreten. Allerdings bauen die Wächter sehr auf die Ehrlichkeit ihrer künftigen Besucher und durchsuchen daher nicht sehr gründlich. Gerade kleine oder unauffällige Waffen können – gut versteckt – leicht hineingeschmuggelt werden. Selbst mit entsprechender Überzeugungskraft könnten einige Ausrüstungsgegenstände vielleicht sogar als Werkzeuge durchgehen.

Egal durch welchen Eingang die Spieler das Dorf betreten, sie gelangen relativ bald zur zentralen Straßenkreuzung. Dieser wird von der beeindruckenden Reiterstatue eines muskulösen und edel aussehenden Mannes dominiert, der sich mit mehreren Waffen schmückt. Es handelt sich um Aron Hunsk, den Gründer und verehrten Beschützer der Siedlung. Er könnte sogar ein den Spielern bekannter Held sein, dessen Taten in zahlreichen Geschichten und Liedern erzählt werden. Aron Hunsk könnte auch ein Grund sein, weshalb die Spieler überhaupt erst anreisen.

Vom Dorfplatz ausgehend erstrecken sich vier Straßen in alle vier Himmelsrichtungen bis zu jeweils einem der vier Eingangstore. Die Straßen werden von zwei weiteren Straßenringen geschnitten: einer auf halbem Weg, ein anderer direkt an den Palisaden. Zwischen den Ringen und zum Platz hin sind in der Regel jeweils zwei Häuserreihen, die immer wieder von kleineren Gassen durchbrochen werden.

Das Zentrum von Jahdal

Ein Dorfplan. Draufklicken und Abspeichern auf jeden Fall erlaubt!

Dorfplan von Jahdahl. Draufklicken und Abspeichern auf jeden Fall erlaubt!

Der Platz ist in vielerlei Hinsicht das Zentrum von Jahdal. Er fungiert als kleiner Versammlungsort, wo sich Jung und Alt gleichermaßen austauschen. Außerdem befindet sich hier das größte Gebäude der Ansiedlung: die große Versammlungshalle, die als Treffpunkt, Rathaus und für Feste gleichermaßen fungiert.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die kleine Schule, in der die Dorfkinder Lesen und Schreiben lernen. Zum Teil werden sogar Naturwissenschaften, Religionskunde, Geschichte und Mathematik unterrichtet. Außerdem werden im Lebensmittelhandel nebenan Nahrungsmittel verkauft.

Zudem hat ein Krämer allerlei Krimskrams Bedarfsgüter für Wildnis und Reisen sowie manchmal sogar das eine oder andere Artefakt im Angebot.

Ebenfalls am zentralen Platz ist  der Gasthof zu finden, wo Schlafplätze für bis zu sechs Durchreisende in Doppelzimmern angeboten werden. Abends trifft sich im Schankraum auch ein Teil der Einwohner. Daneben ist ein kleiner Teich, der für das Wasser in Jahdal sorgt und mit einer kleinen Bank zum gemütlichen Verweilen einlädt.

Ab und zu steht hier auch der Wagen eines jungen Schausteller-Paares, dass dann regelmäßig ihrer Künste zum Besten gibt.

Die Ringe von Jahdahl

An den inneren Straßenring grenzen mehrheitlich Wohnhäuser, ein Gemüsebauer und zwei Viehzüchter mit Schafen, Schweinen und Hühnern, die übrigens im ganzen Dorf frei umherlaufen. Daneben sind hier auch ein Schreiner, der Dorfschmied und andere Handwerker zu finden.

Am Außenring hat sich vor allem die kampferprobte Einwohnerschaft, die sogenannten Verteidiger von Jahdahl, niedergelassen. An den Toren sind jeweils Wachstuben mit einem kleineren Übungsplatz angeschlossen. Hier werden auch die Waffen aufbewahrt, die bei Betreten des Dorfes abgenommen werden. Auf ein Gefängnis hat man in Jahdahl verzichtet. Verbrecher werden einfach aus dem Dorf verbannt.

Bewohner des Dorfes

Erste Geschichten lassen sich schon mit den Bewohnern und ihren Hintergründen erzählen. Deshalb stelle ich hier nun einen  großen Teil der Anwohnerschaft vor, mit denen die Spieler am ehesten zu tun haben werden.

Aron Hunsk

Mit seinem edlen Ross: Die Aron Hunsk Statue könnte so aussehen.

Mit seinem edlen Ross: Die Aron Hunsk Statue könnte so aussehen. (© Amy Meredit / Flickr.com)

Der Gründervater und Held des Dorfs ist leider nicht vor Ort anzutreffen. Vor rund einer Woche hat er eines Abends voll ausgerüstet stumm und mit ernster Miene das Dorf verlassen. Wohin er ging, weiß niemand. Bis dahin hat er die Geschäfte von Jahdahl geleitet. Ihm zur Seite standen der Hauptmann der Krieger und der Dorfälteste, die den Patron in seiner Abwesenheit gebührend vertreten.

Hauptmann Gan
Der alte Soldat ist durch und durch ein Mann des Militärs, musste jedoch aufgrund einer Beinverletzung seinen Dienst quittieren. Trotzdem ist er noch immer voller Raffinesse und daher ein  cleverer Stratege. Er führt die Wache an und bildet fast alle Dörfler am Bogen und im Nahkampf aus. Er ist es gewohnt, Befehle zu erteilen. Gegenüber seinen Mitmenschen zeichnet er sich durch seine sture Natur aus. Zwar hört er auf den Rat von Leuten, denen er seinen Respekt schenkt, doch diesen muss man sich eben erst verdienen.

Reymar Jer
Der Dorfälteste ist so etwas wie der Bürgermeister des Dorfes. Er ist ein freundlicher, alter Mann, der jedoch Fremden gegenüber verschlossener auftritt. Er spricht ungern mit Außenstehenden über Dorfangelegenheiten und es fällt ihm entsprechend schwer, Hilfe von Außen anzunehmen. Er ist davon überzeugt, dass er mit dem Hauptmann zusammen alles geregelt bekommt, bis Aron Hunsk zurückkehrt.

Gejske Feox
Die älteste Frau des Dorfes ist wohl als recht rüstig zu bezeichnen. Sie missbilligt den Weg, den Reymar eingeschlagen hat und glaubt nicht, dass das Dorf ohne Hunsk genau so weiter machen sollte wie bisher. Sie eckt vielleicht schnell durch ihre direkte Art an, allerdings kann es auch sehr erfrischend sein, da sie nicht um den heißen Brei herumredet. Sie sucht eher die Hilfe der Spieler und wenn nötig, wird sie diese auch direkt beauftragen, sich einiger Probleme von Jahdahl anzunehmen.

Sif Haner
Der Krämer ist ein freundlicher und sehr charismatischer Mann, erzählt jedoch nichts über sich und seine Vergangenheit oder gar die Herkunft seiner Ware. Obwohl er schon lange in Jahdahl wohnt, weiß niemand, woher er kommt und was er zuvor gemacht hat.

Heidyr Jorik
Der wenig auffällige und etwas dickliche Lebensmittelhändler ist ein schüchterner Mann mittleren Alters. Er liegt seit vielen Jahren im Streit mit dem Schmied, der ihm in jungen Jahren die Verlobte ausgespannt hat.

Stan Frakat

Leider ohne Schnurrbart, aber stellt ihn euch einfach vor. (© Hans Splinter, https://www.flickr.com/photos/archeon/4885276155)

Leider ohne Schnurrbart, aber stellt ihn euch einfach vor. (© Hans Splinter / Flickr.com)

Der Dorfschmied ist ein kräftiger und muskulöser Mann mit einem imposanten Schnurrbart. Er erledigt kleinere Schmiedearbeiten und stellt die Bewaffnung der Krieger her. Man munkelt sogar, dass er unter der Hand unauffällige und gut versteckbare Waffen für teures Geld verkauft. Er liegt seit Jahren im Streit mit Heidyr Jorik, da er glaubt, dass seine Verlobte wegen Joriks ständiger Annäherungsversuche das Dorf verlassen hat. Wenige Wochen vor der Hochzeit ging sie mit einem fahrenden Händler mit.

Schwester Jolanda
Die Lehrerin und Ordensschwester ist sehr gebildet und sehr attraktiv. Durch ihre freundliche Art ist sie beliebt bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen. Für eine Ordensschwester ist sie ungewöhnlich offen für Wissenschaft, lebt allerdings nach einem strengen religiösen Kodex. Schwester Jolanda umgibt neben der freundlichen Art eine geheimnisvolle Aura, überspielt dies jedoch mit Humor, Freundlichkeit und einem ansteckenden Lachen.

Notrapa Zerlac
Die Besitzerin des Gasthofs kann man nur als einen wahren Schatz bezeichnen. Sie ist herzlich, selbst gegenüber Fremden und sieht in jedem das Gute. Sie hat ein offenes Wesen und ist die beste Quelle für Gerüchte im Dorf. Bei ihr erfahren die Spieler am schnellsten alles wissenswerte über Jahdahl. Ob alles stimmt, ist jedoch eine andere Sache.

Helga Hadrinus

Bogil Hadrinus zeigt gleich seine beeindruckenden Feuerkünste.

Bogil Hadrinus zeigt gleich seine beeindruckenden Feuerkünste.

Die junge fahrende Schaustellerin ist in unregelmäßigen Abständen mit ihrem Gatten in Jahdahl. Sie ist eine begnadete Geschichtenerzählerin mit einer sehr schönen Singstimme. Daneben zeigt sie kleinere akrobatische Kunststücke. Sie hat ein freundliches Gemüt und ist sehr extrovertiert. Manchmal verfällt sie in eine Art Trance und hat Visionen aus der Zukunft oder von fernen Orten.

Bogil Hadrinus
Der talentierte Musiker tritt in unregelmäßigen Abständen mit seiner Frau in Jahdahl auf. Er unterhält vor allem die Kinder mit kleinen Jonglagen, bespielt zahlreiche Instrumente und präsentiert nach Sonnenuntergang eine beeindruckende Feuershow. Es sieht manchmal sogar so aus, als ob er die Flammen mit übernatürlichen Kräften lenkt. Er scheint sehr extrovertiert, versteckt sein wahres Wesen allerdings hinter dieser Fassade. Dennoch ist er sehr charismatisch und macht großen Eindruck auf die meisten Leute. Da Bogil sehr weit in der Welt herumgekommen ist, kann er sehr gut andere Menschen einschätzen und durchschauen.

Ansatzpunkte für ein Abenteuer

Anhand der verschiedenen Charaktere und Begebenheiten in Jahdahl ergeben sich schon zahlreiche Möglichkeiten, eine oder mehrere Geschichte(n) für die Spieler zu erzählen. Ich hoffe, dass euch schon beim Durchlesen einige Ideen gekommen sind. Hier ein paar Vorschläge, falls ihr noch nicht selbst am Schreiben und Tüfteln seid.

Der verlorene Held
Aron Hunsk ist verschwunden und die Gemeinde macht sich Sorgen. Allerdings würden weder der Dorfälteste noch der Hauptmann Außenstehende um Hilfe bitten – Gejske Feox dagegen schon. Was ist also mit dem Helden passiert? Musste er sich zum Wohl seiner Schützlinge opfern? Wollte er eine Gefahr abwenden und ist in Gefangenschaft geraten oder gar tot? Ist er vielleicht einfach abgehauen?

Unsichtbare Gefahr
Das Dorf gleicht einer kleinen Festung, den Spielern ist aber in der Umgebung nichts Gefährliches aufgefallen – es war geradezu idyllisch. Was lauert also außerhalb des Dorfes? Oder soll gar etwas im Dorf gehalten werden? Während die Spieler nach und nach hinter das Geheimnis kommen, sollte sich die Situation zuspitzen und vielleicht sogar in einer Begegnung mit der Gefahr selbst gipfeln.

Streit um die Frau
Jemand im Dorf könnte die Spieler darum bitten, den Streit zwischen Schmied und Lebensmittelhändler zu schlichten. Vielleicht finden die Spieler die ehemalige Verlobte der beiden, die eine Spur aus zurückgelassenen, sich nach ihr verzehrenden oder gar ins Unglück stürzenden Männern hinterlässt. Sie könnte eine Art Sukkubus sein, die sich von frischer Liebe ernährt und deshalb die Männer nach kurzer Zeit verlässt.

Von der Vergangenheit eingeholt
Die Vergangenheit des Krämers holt ihn ein und bringt ihn sowie das ganze Dorf in Gefahr. Er hat zum Beispiel einen gefährlichen Verbrecher betrogen oder hat selbst viele Menschen auf dem Gewissen. Was auch immer sein Geheimnis ist, es bringt große Gefahr mit sich, selbst für das gut geschützte Jahdahl.

Die Wissenschaft der Schwester
Ganz so harmlos wie sie scheint, ist Schwester Jolanda wohl doch nicht. Sie macht gefährliche Experimente im Keller der Schule, beeinflusst die Kinder mit Drogen oder flickt eine Art “Frankensteins Monster” zusammen. Vielleicht versteckt sie auch unter ihrer Ordenskleidung etwas nicht Menschliches , das sie mit ihrer Wissenschaft weiter fördert.

Wie ihr seht, gibt es viele Ansätze, in Jahdahl Abenteuer zu erleben. Zwar ist das Setting hier nun eher mittelalterlich gewählt, kann jedoch sehr schnell und einfach  an so ziemlich jede Umgebung, die ihr bespielen wollt, angepasst werden.

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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