Ohne Internet: Champions of Norrath


Wer den Klassiker EverQuest kennt, dem wird die Welt Norrath nicht unbekannt sein. In den Spielen Champions of Norrath und Champions – Return to Arms können Spieler diese Welt offline mit Freunden genießen. Ob es genauso viel Spaß macht wie sein MMO-Pendant? Lest selbst!

Unter der Reihe “Ohne Internet” möchten wir euch Spiele mit Multiplayermöglichkeiten vorstellen, welche keinen Internetzugang benötigen. Der Fokus liegt hier auf kooperativen Konsolenspielen, die ihr zusammen auf dem Sofa bestreitet (“Couch-Koop”). Jedoch wird auch das eine oder andere PC-Spiel mit lokalem Multiplayermodus  seinen Weg in diese Reihe finden.

Ausgeschlossen wurden Spiele wie Beat’em ups und Autorennen. Ihr sollt nämlich im Optimalfall eine Story zusammen genießen können.

Den Anfang macht einer meiner Lieblinge: Champions of Norrath.

Ich erwarb das bereits 2004 erschienene Spiel damals für die PS2 bei einem Ausverkauf der örtlichen Videothek. Mehrmals hatte ich es bereits ausgeliehen und zusammen mit meinem älteren Bruder gespielt. Nun im eigenen Besitz befindend landete es aber erst mal im Schrank, bevor ich es nach einem längeren Zeitraum für einen Freund wieder hervorholte. (Der 2. Teil Champions – Return to Arms befand sich zu diesem Zeitpunkt noch ungespielt ebenfalls in meinem Schränkchen). Eines Abends starteten wir dann unser Abenteuer. Es begann ganz klassisch mit der Wahl des Charakters…

Die Charakterwahl

Champions of Norrath bietet bis zu vier Spielern die Möglichkeit am Geschehen teilzunehmen. Damit auch jeder Spieler etwas für sich findet, werden insgesamt fünf Kombinationen aus Rasse und Klasse angeboten. Meine Wahl war schnell getroffen. Ich klickte mich zügig zur fünften Rassen-Klassen-Kombination Dunkelelf/Schattenritter, wählte das weibliche Geschlecht, passte Frisur und Tattoos an, gab meinen Standartnamen ein und voilà.

Mein Kumpel sah sich die weiteren Kombinationen an. Das Gleiche wollte er natürlich nicht spielen. Nachdem der Barbar/Krieger und der Erudite/Magier recht schnell ausgeschlossen wurden, schwankte er länger zwischen Waldelf/Waldläufer und Hochelf/Kleriker. Er entschied sich für eine Hochelfendame aufgrund ihrer “Mördermöpse”.

Nach einigen Anpassungen konnte die Reise auch schon beginnen.

Die Reise

Champions_of_Norrath_Coverart

Diese hübsche Dame erregte damals meine Aufmerksamkeit.

Der Waldelfenkönig bittet unsere Abenteuer- gruppe darum, seinem Volk zu helfen. Der Auftrag: die Horden der Orks und Goblins bezwingen.

Dieser eigentlich recht simple Auftrag führte uns durch Wälder, Katakomben, Wüsten, Unterwelten, übers und unters Meer und so weiter. Jedes Gebiet bot unterhaltsame Stunden zu zweit und interessante NPCs (darunter recht viele freizügige Damen).

Lediglich die Unterwasserwelt bereitete uns so gar keine Freude. Zwar brauchten wir dank eines Zaubers keine Luft holen, aber wir bewegten uns so elendig langsam auf dem Meeresgrund, dass jede mögliche Abzweigung tunlichst vermieden wurde. Weiterhin bot jedes Gebiet eine länger Questreihe – quasi eine Hauptquest in der Hauptquest.

Keine Ahnung, wie viele Stunden wir letztendlich investierten, bevor der finale Bosskampf vor uns lag. Es wurden die unterschiedlichsten Gegner getötet, sich um Beute bzw. Loot gestritten und über hässliche Helme aufgeregt. Nebenbei ergriffen auch unsere Charaktere zuweilen das Wort. Der eine liebte Katakomben und der andere hasste diese. Obwohl das Spiel eigentlich eine recht simple Philosophie verfolgte (Töten oder Getötet werden), bot es insbesondere im Multiplayer viel Spaß.

Mir gefiel insbesondere die Vorstellung von einer Hochelfe und einer Dunkelelfe, die zusammenarbeiten müssen. Während die Klerikerin mit heiliger Magie agierte, die sogar heilen konnte, spuckte mein Schattenritter Seuchenbälle, entzog den Toten die Seelen oder ließ untote Wesen aus ihren Gräbern auferstehen. Ein Duo, welches auf Außenstehende recht absurd wirken musste und die Streitgespräche über begehrte Gegenstände hätten unsere Charakter so wohl wirklich selber führen können.

Gut, ich gebe zu: Wir haben später ein wenig getrickst, damit wir beide die beste Rüstung haben konnten. Und das ist wohl auch das Problem: Nicht nur der enge Bildschirm wird sich geteilt, sondern auch der komplette Loot. Bei einer Quest gab es am Ende als Belohnung recht viel Gold. Bekommen hat es aber nur derjenige, der den Auftraggeber zuerst angequatscht hat. Dadurch ist irgendwann ein gewisser Klickmarathon entstanden, der eben manchmal auch dazu führte, dass wir das eigentliche Kampfgeschehen nicht mehr ganz so aufmerksam verfolgten. Glücklicherweise konnten wir uns stets bei den Waffen einig werden. Die Hochelfe war auf stumpfe Waffen beschränkt und so zerschmetterte sie die Gegner mit riesigen Hämmern, während mein Charakter beim klassischen Schwert und Schild blieb.

Erfahrungspunkte gab es auch nur für denjenigen, der einen Kampf überlebte. Da während eines Bossfights keine Wiederbelebung möglich war, waren wir genötigt, öfter neu zu laden. Je weiter wir aber im Spielverlauf vorankamen, desto seltener starben wir. Doch beim großen Endkampf biss meine mies gelaunte Dunkelelfe aus Übermut ins Gras und blieb meinem Willen nach auch tot, zumindest bis zum zweiten Teil. Es ist nämlich möglich seinen Charakter, sofern der Speicherstand noch vorhanden ist, zu importieren.

Wir sind die Bösen

Wir blieben bei unseren Figuren und ignorierten die neu hinzugekommenen Kombinationen Var Shir/Berserker und Iksar/Schamanen, die beide nur in einer männlichen Form spielbar sind. Obwohl ich glaube, dass mein Kumpel es gerne gesehen hätte, wenn ich mein Klasse nochmal geändert hätte.

Denn all zu oft kam es vor, dass er auf meinen liebevoll beschworenen Untoten einschlug, da dieser sich in einigen Gebieten einfach nicht von den tatsächlichen Gegnern unterscheiden ließ. Auch ich dreschte manchmal auf meinen armen Diener ein und wunderte mich darüber, dass er einfach nicht umfallen wollte. Zudem hatte er auch noch die dumme Angewohnheit, zuweilen einfach aus dem Blickfeld zu verschwinden und aus irgendeiner Ecke wieder ins Bild zu laufen.

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Der Kampf zwischen Gut und Böse spitzt sich zu! Es liegt bei uns, wen wir zum Sieg führen.

Doch zurück zu Champions – Return to Arms: Das Setting ist von Beginn an etwas düsterer. Besonderheit des Spiels ist, dass man ungefähr nach einer halben Stunden Spielzeit von den Bösen angeboten bekommt, vielleicht doch die Seiten zu wechseln. Dieser Vorschlag wurde uns von einer sehr liebreizenden freizügigen Dame unterbreitet. Wir nahmen das offenkundig freundliche Angebot an. Hin und wieder mal die Bösen zu spielen, kann ja doch ganz unterhaltsam sein.

Obwohl ein Bekannter aus meiner Schulzeit an dieser Stelle keine Sekunde zögerte und unbedingt die rechtschaffende Seite spielen wollte, wenn nicht sogar musste. Der Gedanke, die Bösen zu spielen, passte anscheinend nicht in sein Weltbild und bei meiner Frage, ob er sich denn auch wirklich sicher sei, wurde mit einem bösen Blick und mit weniger netten Worten gestraft.

Zum Glück war es meinem Kumpel eigentlich ziemlich egal, welche Seite wir spielten. Bei einem zweiten Durchlauf konnte man sich ja immerhin anders entscheiden. Unser Ziel: Scherben zu sammeln, um den Oberbösewicht wieder zu beleben. Der wird sich sicherlich über uns freuen …

Bis auf ein paar mehr Talenten bietet das zweite Spiel auch nicht viel mehr: Wir teilten uns noch immer den engen Bildschirm und die Belohnungen etc. Es wurde jedoch ein Arenamodus hinzugefügt, der sich hervorragend dafür eignet, Fähigkeiten auszutesten.

Fazit

Champions of Norrath ist, wie bereits geschrieben, eines meiner Lieblinge. Es ist im Solomodus schon recht unterhaltsam, aber insbesondere mit Freunden und Bekannten macht es richtig Spaß. Auf den 4-Player-Modus würde ich aufgrund des engen Bildschirms zwar lieber verzichten, aber es gibt sicher Gruppe, die sich daran wenig stören. Wichtig ist, dass man mit Leuten spielt, die auch teilen können. Am Anfang kann ein Zweierteam zweifelsohne auch davon profitieren, sich einander auch ausrüstungstechnisch ergänzenden Kombinationen auszusuchen, aber im Prinzip ist jede Gruppenkonstellation spielbar. Der zweite Teil bietet zwar nicht allzu viel Neues, aber er ist solide und damit genauso gut wie sein Vorgänger. Was einige eventuell stören mag, ist, dass man im ersten Spieldurchlauf seinen Skillbaum nicht vollkommen ausreizen wird, da es ähnlich wie in Diablo unterschiedliche Schwierigkeitsstufen gibt. Dennoch ist die Champions-Reihe der perfekte Couch-Koop und damit ein Pflichtkauf.

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 

Champions of Norrath
Plattform: PS2
Genre: Action-Rollenspiel, Hack’n Slay
 

Champions of Norrath

Price: EUR 81,40

4.3 von 5 Sternen (48 customer reviews)

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Champions Return to Arms
Plattform: PS2
Genre: Action-Rollenspiel, Hack’n Slay
 

Champions: Return to Arms

Price: EUR 47,99

4.5 von 5 Sternen (32 customer reviews)

26 used & new available from EUR 10,90

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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