Abgedrehtes Sci-Fi-Fantasy-Spektakel im Baldur’s Gate Style


Torment! Bei diesem Namen schlug mein Herz doch glatt beim ersten Lesen des Namens höher. Kann es sein? Endlich ein Nachfolger meines absolut liebsten PC Spiels “Planescape Torment”? So viel vorweg: JA, ein würdiger Nachfolger scheint auf dem Weg zu sein!

before_the_fall_1920x1080Bei Techland wurden wir von Colin McComb höchstpersönlich empfangen und kurze Zeit später durften wir in die genial verdrehte Welt von Torment: Tides of Numenera eintauchen. Colin erzählte zunächst von seiner langen Rollenspiel-lastigen Entwicklergeschichte. Ich staunte nicht schlecht, als ich erfuhr, dass er bereits 1996 am Planescape-Setting bei TSR mitgearbeitet hatte und auch bei Planescape Torment mit von der Partie war. 2013 wurde dann tatsächlich beschlossen, einen Nachfolger von Planescape Torment zu erschaffen – insbesondere aufgrund der großen Beliebtheit des Settings bei den Fans! Im Team des Spiels sind zahlreiche bekannte Namen zu finden: Brian Fargo, Monte Cook, Mash Morgan, Geaore Ziets, Chris Avellone sowie Colin McComb. Wow, was für ein Zusammentreffen wichtiger Menschen der Rollenspiel-Szene!

Das Spiel selber wurde, wie so viele in der aktuellen Zeit, als Kickstarterprojekt finanziert und brachte so ein Budget von 4,5 Millionen US-Dollar ein. Torment: Tides of Numenera ist ein klassisches “Storydriven RPG” und reiht sich damit unter namenhaften Titeln wie “Baldurs Gate” oder “Neverwinter Nights” ein. Neu an Torment ist das schräge, aber doch komplett neuartige Setting, welches primär Fantasy- und  Sci-Fi-Elemente mit anderen Genres (z.B. Steampunk) kombiniert. Jedoch so geschickt, dass alles wie eine große und verrückte Realität wirkt!

Die Geschichte des Spiels ist eigentlich nicht wirklich episch, sondern sehr persönlich. So beschreibt es McColin zumindest sehr treffend, denn es geht um keinen besonderen Helden oder übermenschlichen Charakter. Es geht um einen einfachen, menschlichen Abenteurer, der durch seine Entscheidungen den Lauf der Dinge beeinflusst und genau dieser Aspekt steht bei diesem Spiel im Vordergrund: Die Spielerentscheidungen. Entscheidungen und deren Konsequenzen sind elementar und wirken sich auf alle Bereiche des Spiels aus – egal wie lange diese Entscheidung zurückliegt, kann sie im späteren Verlauf des Spiels gravierende Einflüsse haben. Es gibt auch kein klassisches “Gut” und “Böse”, sondern eher eine art flexibles Karmasystem, “Tides” genannt.

ValleyOfDeadHeroes_dialogue

Dass Torment seinem Vorgänger in Sachen Story in nichts nachstehen dürfte, zeigen die unzähligen Dialoge: McComb erwähnte, dass für die Dialoge über eine Million Worte geschrieben wurden – und auch die individuellen Geschichten der Begleiter beinhalten eigene Geschichten.

Ein weiterer, oft unumgänglicher Aspekt, von Spielen bekommt in Torment ebenfalls eine andere Bedeutung: das Sterben. Ist es in vielen  Video-Spielen eher ein lästiger “Nebenaspekt”, kann man bei Torment manche Erfahrungen nur dann machen, wenn man in die Welt nach dem Tod übergeht. Sterben ist bei Tides of Numenera tatsächlich ein wichtiger Spielaspekt, durch den mache Erfahrungen im Spiel erst freigeschaltet werden können. Kurz gesagt: Ihr MÜSST manchmal sterben, um weiterzukommen. Gerade dieses Spiel mit Leben und Tod finde ich unheimlich spannend und gebührend umgesetzt!

Die Grafik ist klassisch in der “Overlord-Perspektive” gehalten, besticht aber durch wunderschöne gemalte Szenen und Detailreichtum. Ich fühlte mich direkt in der Zeit in meine Jugend zurückversetzt, als Planescape Torment nächtelang über meinen Bildschirm flimmerte, und ich kann es nach den ersten paar Eindrücken kaum erwarten, meine eigene Reise in die verrückte Welt von Torment anzutreten. Die Quests sind stellenweise aberwitzig und schräg: Sie handeln zum Beispiel von lebenden Städten mit riesigen, zahnbewehrten Mäulern, in denen sich Portale zu anderen Ebenen bilden.Ascension-Cavern-Interior

Wichtig ist an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass Torment: Tides of Numenera anders als Planescape Torment NICHT in den klassischen Planes aus Planescape spielt, sondern dem Titel entsprechend in das neue Setting Numenera umgezogen ist. Da ich Numenera bisher nicht wirklich kenne, bin ich sehr gespannt daraf, was dieses Setting an Neuerungen und vielleicht Altbekanntem zu bieten hat.

Auf Steam brodelt das Spiel jedenfalls schon jetzt und die Community lobt es in den höchsten Tönen! Die angestrebte Spielzeit soll rund 30 Stunden betragen, wobei McComb andeutete, dass man deutlich länger mit dem Spiel zu tun haben wird. Natürlich nur, sofern ihr nicht nur durch die die Story hastet und auch an Nebenschauplätzen Zeit verbringt (dann werden aus 30 schnell 80 Stunden Spielzeit)!

Das Spiel ist 2017 für PC, X-Box, PS4 und MAC angekündigt. Mehr Infos gibts hier bei Techland.

Nora Linse

Nora Linse

Früher nur am Tisch nun in LIVE und BUNT...Larperin durch und durch...und noch mehr Bastlerin und Tüftlerin.
Hauptthemen: Basteln, LARP

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