Dem Wahnsinn so nahe


Mit Der Ruf des Cthulhu, geschrieben von H.P. Lovecraft, eröffnet der Titania Media Verlag sein Herbstprogramm und fügt dem Gruselkabinett die Folgen 114 und 115 hinzu.

Verworren bis in die Wurzeln

Der Ruf des Cthulhu besteht aus zwei Teilen, die in einem Schuber gekauft werden. Damit ist die Geschichte um Cthulu länger als die bisher vorgestellten Veröffentlichungen des Gruselkabinetts. Das bietet viel Raum für eine ausführliche und komplexe Geschichte, sorgt aber zuweilen auch für Verwirrung.

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Cthulhu, bedrohlich erhebt er sich aus dem Meer. Eine Vorausdeutung auf das Geschehen?

Schritte, das Kreischen der Möwen und eine ältere ängstliche Stimme. Im November des Jahres 1926 an den Docks von Providence, Rhode Island, kommt der Professor Angell  (Horst Naumann) zu Tode. Seine letzten Worte: “Cthulhu”. Eine Stimme erzählt etwas über Legenden und Mythen, die vielleicht einst Realität waren, dann springt die Geschichte nach Boston. Francis Wayland Thurston (Christian Stark) wird von Mr. Douglas (Sascha von Zambelly) vom Tod seines Großonkels unterrichtet. Er macht sich sofort auf den Weg nach Providence und quartiert sich vorerst im alten Anwesen seines Großonkels ein. Der Butler Carter (Axel Lutter) bemüht sich Francis beizustehen, weiß aber auch nicht wirklich, woran der Professor die letzten Jahre gearbeitet hat. Speziallisiert auf alte Inschriften scheint er womöglich etwas Unsäglichem auf der Spur gewesen zu sein, was ihm den Tod gebracht hat.

So beginnt Francis sich mit den Unterlagen seines Onkels zu beschäftigen. Bedrohliche Musik setzt ein, als der Protagonist in Gedanken versinkt: Die Unkenntnis ist manchmal vielleicht sogar besser, denn auch Wissen könne uns in den Wahnsinn abdriften lassen.

Zwischen den Hinterlassenschaften seines Onkels findet Francis ein Flachrelief mit Inschriften einer fremden Kultur und dem Bild eines Ungeheuers, welches ausfürhlich beschrieben wird. Die Geschichte springt zum März 1925 und kurz darauf wieder in die Gegenwart, um dann wieder zurück in das Jahr 1925 zu springen. Wir lernen den Künstler jenes Reliefs, Henry Anthony Wilcox (Roman Wolko), kennen und erfahren, wie Professor Angell auf die Spur des Cthulu-Kults gelangt. Professor Angell bleibt nun einige Zeit der Erzähler des Geschehens, bevor wir wieder zu Francis springen und dann noch weiter zurück in die Vergangenheit in das Jahr 1908 und dann… nun es gibt ziemlich viele Zeitsprünge in dieser Geschichte.

Wer hier nicht genau aufpasst, verliert sehr schnell den Faden. Erzähler, Zeit und Ort wechseln recht rasant, nur Cthulu bleibt eine Konstante innerhalb der Geschichte, an der man sich im Notfall festhalten kann, um sich am Geschehen entlang zu hangeln.

Ein dichtes Gedränge

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Hier schleicht sich der Wahnsinn langsam als Schatten in das Bewusstsein.

Ganze 18 Synchronsprechernamen finden sich auf der Innenseite der Schachtel des ersten Teils. Dies mag viel wirken, da sich im ersten Teil jedoch nur Männer zu Wort melden, sind die unterschiedlichen Stimmen sehr hilfreich, um die Übersicht zu behalten. Zumindest zum Teil. Dadurch, dass die Vergangenheitsbeschreibungen in anderen Vergangeheitbeschreibungen eingebettet sind, ist es stellenweise schwer zu sagen, wer denn nun eigentlich gerade sein Erlebnis schildert und wo man sich als Zuhörer gerade befindet. Zwar gibt es genaue Angaben zu Ort und Zeit, doch wer auch nur ein Wort verpasst, tappt plötzlich im Dunkeln. Andererseits möchte ich die Zeitsprünge nicht missen. Die Szenarien sind unglaublich gut beschrieben und malten erschaudernde Bilder in meinem Kopf.

Musik und Geräusche wechseln von ruhigen, beinah zarten Klängen zu rauhen, schrillen und bedrohlichen Tönen, die mehr ausdrücken können, als die Worte es bereits vermochten. 

Die Synchronsprecher sind wie immer sehr gut gewählt. Besonders angetan haben es mir diesmal Roman Wolko und der Sprecher eines Kultisten, der den Wahnsinn des Kultes durch eine panische Flüsterstimme nicht hätte besser darstellen können. Die vielen Erzähler haben alle eine angenehme Tonlage, die zum Lauschen anregt. Die philosophischen Texte hätte man sich zwar meiner Meinung nach sparen können, werden aber auch in einem angenehmen Rhytmus vorgetragen, so dass man sich bereits beim Hören Gedanken darüber machen kann.

Die zwei Cover des Hörspiels sind – wie zu erwarten – sehr schön und machen keine falschen Versprechungen. Glücklicherweise beinhalten diese für alljene, die nicht wissen, wie Cthulu eigentlich aussieht, eine hervorragende grafische Darstellung. Denn trotz ausführlicher Beschreibungen wäre das Bild in meinem Kopf niemals so entstanden, wie es hätte sein sollen, wenn mir nicht vorher schon klar gewesen wäre, wie der Große Alte tatsächlich aussieht.

Fazit

Nachdem ich mich auf den komplexen Handlungsstrang eingestellt hatte, fand ich sehr schnell Gefallen an dieser Erzählung. Die Stimmung des Geschehens überträgt sich sehr schnell auf das eigene Gemüt: Während ich nun im dunklen Zimmer saß und mich gänzlich auf die Welt einließ, fühlte ich mich teils beobachtet. Ein empfehlenswerter sanfter Schauer, der nicht nur Lovecraft-Fans gefallen wird.

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 
Der Ruf des Cthulu
Autor: Howard Phillips Lovecraft
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Verlag: Titania Medien

Der Ruf des Cthulhu

Price: EUR 14,95

3.9 von 5 Sternen (29 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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