Geburt des Rollenspiels Sarôsta – Teil 1: Der Anfang


Clarissa Lerch stellt hier in einer kleinen Reihe ihr  Rollenspiel Sarôsta – Das dunkle Zeitalter vor und erläutert, wie es entstanden ist. Als erstes geht sie darauf ein, welche Überlegungen sie dazu gebracht haben, ein eigenes Rollenspiel zu schreiben.

Mein Weg zum Rollenspielen

Schon seit dem Grundschulalter hab ich mir gerne Geschichten überlegt, teilweise alleine aber auch sehr gerne zusammen mit Freundinnen. Bücher und Filme, die mich in fremde Welten mitnahmen, hatten schon damals eine sehr große Anziehungskraft auf mich. Diese haben mich immer wieder zu verschiedenen Geschichten inspiriert, die leider sehr oft nicht abgeschlossen wurden.

Die ersten Erfahrungen mit Rollenspielen hatte ich über das Internet. Forenrollenspiele zogen mich in ihren Bann und es dauerte nicht lange, bis ich selbst ein eigenes erstellte. Angefangen hat es mit verschiedenen mystischen Figuren wie Elfen, Zwergen, Greife und einigen selbst erfundenen Wesen, die diese Welt besiedelten. Eine Karte von einem fiktiven Kontinent hatte mir eine Bekannte gezeichnet – ich habe dann  in mühevoller Kleinarbeit jeden Wald, jede Stadt und jeden Fluss benannt. Doch das war mir nach kurzer Zeit nicht mehr außergewöhnlich und vor allem lebendig genug.

Ehrgeizige Ziele

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Eines der Völker von Sarôsta. (© Sissy Falkenthal)

Deshalb wollte ich eine komplett eigene Welt erschaffen, um diese dann für Forenrollenspiele und Romane zu nutzen. Vor allem die zeitweiligen Ausflüge nach Mittelerde haben mein Vorhaben sehr beflügelt und mich inspiriert. Ich beschloss, dass meine Welt genauso lebendig sein sollte und wollte eigene Sprachen erfinden. Dem Vergleich mit Tolkien stelle ich mich übrigens mittlerweile nicht mehr. Aber: Ich bin auch so sehr zufrieden mit meiner Welt und zumindest in einer erfundenen Sprache können schon einfache Sätze ausgetauscht werden.

Die Jahre vergingen und die Welt wuchs mal schenller, mal langsamer. Vor ungefähr zehn Jahren war es dann so weit: Über meinen damaligen Freund lernte ich Pen&Paper-Rollenspiele kennen und war total begeistert. Mit der Zeit lernte ich verschiedene Systeme kennen, vor allem deren Vor- und Nachteile. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, meine Welt für ein Rollenspiel zu nutzen.

Kurz hatte ich überlegt, dass ich eine Welt erschaffe, die dann frei für verschiedene Rollenspiele genutzt werden kann. In denen ich also „nur“ das Setting zur Verfügung stelle. Doch kannte ich mich mit solchen Universal-Spielen nicht gut genug aus. Außerdem stellte ich fest, dass mir meine Welt schon so ans Herz gewachsen war, dass ich sie nur sehr ungern weglegen wollte. Daher entschied ich mich dazu, dass ich lieber selbst ein passendes Regelwerk dafür schreibe. In diesem will ich die Vorteile der verschiedenen, mir bekannten Systeme vereinen.

Erste Schritte

Damit war also der erste kleine Grundstein für das Rollenspiel gelegt. Wie viel Arbeit mir dieses Vorhaben machen würde und wie viele Jahre es in Anspruch nehmen würde, es fertig zu stellen, ahnte ich zu dem Zeitpunkt nicht. Bis dahin hatte ich noch keinerlei Erfahrung mit einem so umfangreichen Projekt. Deshalb war es mehrmals so, dass ich meine eigenen Deadlines nicht einhalten konnte. Da ich zu dieser Zeit die Erstellung des Rollenspielss nur als Hobby betrieben habe, war dies allerdings nicht weiter schlimm.

Es kamen während der Erstellung und Beschreibung immer wieder neuen Themen auf, die dann ebenfalls noch behandelt werden mussten. Das führte dazu, dass statt weniger immer mehr Dinge auf der ToDo-Liste landeten. Selbst bereits ausgearbeitete Teile gefielen mir dann irgendwann nicht mehr, da sie doch nicht meine eigentliche Vorstellung trafen. Die Folge: Bei diesen Themen oder Teilen musste ich noch mal von vorne anfange. Das führte teilweise zu größeren Pausen, weil mir die Motivation fehlte und ich das Gefühl hatte, dass ich einfach nicht voran komme.

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Natürlich müssen auch in Sarôsta Löcher geflickt werden. (©Nicole Pustelny)

Das Projekt ließ mich aber nicht los und so fand ich immer wieder zurück, um doch weiter zu machen. Ich wollte einfach nicht, dass dieses Projekt wie viele andere endete: unfertig in irgendeiner Schublade. Eine große Herausforderung dabei war, die ganzen Informationen, die ich bis dahin gesammelt hatte, zu ordnen. Im Laufe der Zeit bildete sich ein regelrechtes Labyrinth von Ordnern, Unterordnern und Dokumenten, das mich jedes Mal beim Suchen und Finden der richtigen Informationen behinderte. Also war erst einmal Entwirren und eine neue Struktur angesagt. Danach machte das Schreiben wieder mehr Spaß, da ich nicht nur die benötigten Informationen schneller fand, sondern auch den Fortschritt besser wahrnahm.

Wenn ich jetzt zurück schauen, dann fällt mir auf, dass die Welt eine starke Veränderung durchgemacht hat. Sie ist von einer märchenhaften Welt mit bekannten Fabelwesen zu etwas viel düstererem geworden. Die Völker haben mit unterschiedlichen Bedrohungen zu kämpfen und die klassische Fantasy mit Gut gegen Böse ist kaum mehr direkt erkennbar. Doch das ist vollkommen in Ordnung, denn auch ich hab mich in den vielen Jahren verändert. Wir sind sozusagen gemeinsam (etwas) erwachsener geworden.

Da sich diese Artikelreihe unter anderem an andere Gamedesigner richtet, habe ich mir überlegt, am Ende ein paar Tipps zu geben. Diese Tipps sind natürlich nicht als ultimative Lösung zu sehen, sondern einfach Erfahrungen, die ich mit euch teilen will. Vielleicht helfen euch diese, etwas schneller voran zu kommen, als es bei mir der Fall war.

Tipps

  •  ToDo-Liste: Es ist sehr hilfreich, eine Liste mit noch zu erledigenden Aufgaben zu führen. Wie genau dabei die Themen beschrieben werden und in wieviele Unterpunkte ihr diese aufteilt, müsst ihr für euch selbst entscheiden. Diese Liste kann auch dabei helfen, den Fortschritt besser im Auge zu haben.
  • Übersicht behalten: Bei mehreren verwendeten Dokumenten kann es hilfreich sein, eine Übersicht anzulegen, wo welches Thema und Dokument zu finden sind. Je schneller ihr die benötigte Information findet, um so schneller könnt ihr weiterarbeiten. Langes Suchen finde ich ärgerlich und senkt die Motivation. Arbeiten mehrere Autoren zusammen, sollte klar sein, wer welche Aufgaben und Themen behandelt und wo die Dokumente dazu gespeichert sind.
  • Das richtige Maß der Dinge: Ich musste mich immer wieder bremsen, um bei den Beschreibungen nicht vom Hundertstel ins Tausendstel zu gehen. Der Platz im Grundregelwerk ist beschränkt, deshalb kann ich dort nur die wichtigsten Beschreibungen aufnehmen. Genauere Beschreibungen kommen dann später in die Regionalbände. Beachtet also, für was ihr die Beschreibungen braucht und wie detailliert sie sein dürfen/müssen.

Damit sind wir auch schon am Ende des Artikels angekommen. Ich hoffe ich habe euch neugierig gemacht und einen guten ersten Eindruck vermittelt. Das nächste Mal erfahrt ihr, welche Schwerpunkte mir bei meinem Regelwerk wichtig sind. Vor allem will euch mein Würfel- und Talentsystem näher bringen.

Von Clarissa Lerch

Sârosta ist nun auch als Crowdfunding auf Startnext verfügbar.

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