I am Zo…Orkig!


Schreckliche Kreaturen, die sich klammheimlich zwischen die Fußballfans des HSV mischen (und darunter kaum auffallen)? Schießereien im alten Elbtunnel, seltsame Internetstörungen in Pinneberg, die Räumung von angeblich leeren Häusern überall in der Stadt,  Profihacker beim HVV und die Artikelüberschriften der Mopo?

All diese Geschichten sind wahr (jedenfalls an diesem Nachmittag) und nur die Spitze einer ziemlich grünen Verschwörung, deren apokalyptischen Boten ich in meinem Wohnzimmer begrüßen durfte, um das Rollenspielsystem I am Zombie auf Herz und Nieren zu testen.

Für den Tag der Testlaufes kündigte sich nämlich orkiger (und gut gelaunter) Besuch an und zwar Avola, bananepic und wtfimcool von Orkig im Geschmack. An dieser Stelle  ein großes DANKE an alle Mailanfragen für die Testrunde.

Cast of Characters

In I am Zombie wird das sogenannte Axiom-System benutzt. Charaktere werden erstellt, indem man sich fünf Karten aus den ID-Karten aussucht, die dem Spiel beiliegen. Die Bilder auf den ID-Karten stellen nicht zwingend den Charakter dar, aber jede einzelne Karte enthält Teile seines Charakters (Vor- und Nachteile, spezielle Fähigkeiten und Talente). Dabei gibt es sowohl Karten, die im Vordergrund liegen und besonders wichtig sind, sowie Karten, die darunter liegen und von denen nur wenige Teilbereiche verwendet werden. Die drei Stapel in den Bildern stellen von links nach rechts folgendes dar: Was Person zu sein scheint (die Außensicht), wie sie sich selbst sieht und zu guterletzt der Teil der Persönlichkeit, den sie zu verbergen versucht. Bereits bei der Charaktererstellung fiel auf, dass wichtige Regeln zum Teil schwer zu finden sind, da man beispielsweise bestimmte Details zur Charaktererstellung plötzlich erst sehr viel später unter einer ganz anderen Überschrift findet, welche aber bereits vorher wichtig gewesen wäre.

Mehr zum ersten Eindruck des Systems (ohne Testrunde) findet ihr übrigens in meinem letzten Artikel über I am Zombie.

Bat(d)rick Pateman aka Bananepic

 

"Ich knall ihn ab."

“Ich knall ihn ab.”

“Fire in the hole, bitch!”

 

Batrick Pateman (28) ist ein ganz großes Tier, zumindest wenn es nach ihm geht – und die Welt gibt ihm Recht. Er ist Anwalt und zwar einer der Besten, gemessen an seinem Einkommen. Es wäre beschönigend, seine Moral als ambivalent zu bezeichnen. Schöne Frauen, dicke Autos und regelmäßiger Drogenkonsum in den besten Clubs der Stadt sind das Öl im Getriebe dieses aufgehenden Sterns. Dass er ein soziopathischer Narzisst ist, fällt in seinen Kreisen kaum auf. Schließlich gibt es genug Kollegen, die alles dafür tun würden, um genauso zu glänzen.

Pateman bekommt, was er will, ohne fragen zu müssen. Mit Widerworten und Kritik kann er nicht umgehen und es braucht nur einen kleinen Stoß, um das Pulverfass seines Egos zum Explodieren zu bringen. Seit einer Weile muss er sich mit X herumschlagen, der sich auf Batricks Rechner einklinken konnte und nun höchst bristantes Material besitzt, welches der Karriere des Anwalts ein jehes Ende bereiten könnte.

X aka Avola

“Du Nub, you suck, wie dumm muss man sein um so eine Frage zu stellen? Fluttershy ownd Pinkie Pie! du Epic Fail!”

"i only farmed 12 month"

“I only farmed 12 month”

X  ist zwar erst 16, aber seine Meinung hat Gewicht (und nicht nur die) – jedenfalls in der Onlinewelt in der X’ Leben sich abspielt. Er erzeugt Klicks und beherrscht Foren. Er spielt Leute gegeneinander aus und trollt wie ein Weltmeister. Er führt seine Raids an die Spitze der Serverstatistiken und versaut denen das Leben, die keine Ahnung haben und es nicht verdienen online zu sein – und das sind viele. In letzter Zeit wird X immer öfter von Langeweile geplagt und darüber hilft ihm nicht einmal sein ganz spezieller Vorrat. Er könnte natürlich die Kellerwohnung verlassen und nach Draußen gehen, aber die Welt vor seiner Haustür liegt ihm nicht so zu Füßen, wie es seine Onlinekumpels tun.

X ist das Klischee eines Kellerkindes, welches den Platz von drei Jugendlichen seines Alters einnimmt. Aber das macht nichts, denn auf seinen diversen Profilen sieht er großartig aus. Hätte er doch nur nicht in einer schicksalhaften Nacht unter Einfluss einer ganz besonderen Mischung und dieser verdächtigen roten Pillen seiner Mama den HVV gehackt, um eine Buslinie nach Ricklingen umzuleiten. Wer hätte wissen können, dass dieser Betrieb schon lange ein paar ausgezeichnete Spezialisten beschäftigt, die X’ Spuren bis zu ihm nach Hause zurückverfolgen konnten. Und so hätte der Junge fast mit harten Strafen rechnen müssen. Aber X wäre nicht X, wenn er das nicht umgehen könnte. Seine Verbindung zu Batrick hat seinen dicken Hals gerade noch so aus der Schlinge gezogen.

John aka wtfimcool

"Die Stiefel gehen immer."

“Die Stiefel gehen immer.”

Robin: Really, red cowboy boots?
Ted: I pull those off.
Marshall: Hey, Lil, if I said, “Ted cannot pull these off” what would I be talking about?
Lily: His red cowboy boots.

Was gibt es über John zu sagen? Vielleicht ist er nicht der einzige Großstadtcowboy in Hamburg, aber mit Sicherheit ist er der einzige mit einem eigenen Dojo. Johns Markenzeichen sind seine Cowboystiefel, seine Lassos und der dazu passende Hut, den er niemals ablegt. Er ist die Ruhe selbst und verdient sich seine Brötchen damit, jedem der es wissen möchte (und auch allen die es nicht wissen wollen), die Technik für das richtige Leben beizubringen. Leben heißt atmen und richtig Atmen heißt dementsprechend richtig leben.

Aufgrund seines Erfolgs hat er eine Lizenz, Antiaggressionskurse mit verwöhnten Gören durchzuführen – und es war ein solcher Kurs, der ihn mit X bekannt gemacht hat.Dem kräftigen Kerl mit der ruhigen Art ist direkt das Herz aufgegangen. Tief in seinem inneren ist John davon überzeugt, endlich seinen persönlichen Mount Everest gefunden zu haben. Seither versucht er alles in seiner Macht Stehende zu tun, um X auf den richtigen Pfad zu bringen. Dass der Jugendliche daran gar kein großes Interesse hat, stellt für Johns enthusiastischen Bemühungen kein ernstzunehmendes Hindernis dar. Es gibt nicht viel, was John aus der Fassung bringen könnte, aber wenn es darauf ankommt, löst sein rechter Haken jedes Problem, das an die Grenzen seiner inneren Ruhe stößt. Etwas, das selten genug passiert.

Wie man Verschwundene mit Würfeln findet

Das Team steht in den Startlöchern und das Abenteuer beginnt mit X in seinem Zockerkeller, der mit wachsender Panik auf eine Antwort seines Lieblingstrollopfers wartet. Egal wie oft er F5 auf seiner schicken Tastatur drückt (eine Taste die große Abnutzungserscheinungen zeigt), die erhoffte Antwort bleibt aus. In einer Welt in der Twitternachrichten in der Geschwingkeit von Gewehrkugeln gepostet werden ist das inakzeptabel. X versucht kurzerhand herauszufinden, warum seine Nachrichten nicht mehr den Nachhall haben, den er nach einem langen, anstrengenden Tag erwartet und hackt die örtliche Polizei.

X in der orkigen Form

X in der orkigen Form

Dafür würfelt er in I am Zombie gegen die Schwierigkeit der Szene. Das sieht so aus: X bekommt einen Würfel für jeden passenden Trait (das ist die Hintergrundfarbe jeder ID-Karte). In diesem Fall sind das zwei Würfel. Außerdem bekommt er 3 Würfel für jeden Wurf (den bekommt jeder Char) und Rerolls für passende Skills (das ist das, was oben links und oben rechts auf den Karten steht). Außerdem setzt X seinen Computer ein, der ihm noch einmal 3 Würfel mehr gibt. Insgesamt hat er also 3+3 = 6 Würfel und seine Data Skills geben ihm 2 Rerolls.

X spielt gegen die Szene, deren Schwierigkeitsgrad vom SL festgelegt wird. In meinem Szenario stellt die Hamburger Polizei im Online-Department eine mittelmäßige Bedrohung dar, weswegen die Schwierigkeit (Rigor) der Szene bei 6 liegt und zwei Boosts erforderlich sind, um die Szene zu bestehen. Der Gefahrenwert liegt bei 1. Boosts sind die Erfolge; wobei man alle geworfenen Zahlen aufaddieren darf. Sechsen und Einsen werden gesondert gewertet und dürfen nicht addiert werden.

X würfelt: 2,4,3,2,1,1.

1 steht für Chaw – ein Misserfolg, der auch noch einen Boost klaut, außerdem liegt der Gefahrenwert auch bei 1, was für zusätzliche negative Effekte sorgt.

Mit der 2 und der 4 hat er bereits einen Boost, allerdings braucht er zwei Erfolge, um an Informationen zu gelangen. Er nutzt einen Reroll, um die beiden 1en nochmal zu werfen, und bekommt eine 4 und eine 3. Damit hat er die zwei benötigten Boosts und die Szene bestanden. Die beiden X bringen ihm aber vorher noch sogenannte Chaw-Token ein, die den Gefahrenwert der Szene im Verlauf dramatisch erhöhen können. Sechsen wiederum wären Brain-Tokens. Die will man haben, da sie Misserfolge ausgleichen können.

Der Gefahrenwert ist meiner Meinung nach, einer der interessantesten Aspekte von I am Zombie. Dieser kann zwischen 1 und 4 liegen und stellt die Bedrohung der Lage dar. Jedesmal wenn ein Würfel im Gefahrenbereich liegt, zählt er zwar zum Boost, führt aber gleichzeitig zu einer Verletzung oder einer anderen Art von dramatischen Wendung. So könnte X an die Informationen über die Vermissten kommen, aber gleichzeitig bei seiner Recherche entdeckt werden oder sich bei dem Vorgang des Hackens eine Verletzung zufügen. Der Fantasie sei da freien Lauf gelassen. Eine Verletzung wiederum sorgt dafür, dass eine Karte des Charakters umgedreht werden muss, von der warmen, auf die kalte Seite.

Allerdings gelingt es dem begabten Kellerkind an die gewünschten Informationen zu kommen, ohne zu viel Staub aufzuwirbeln. X sammelt genug Daten über eine Verschwörung, in der auch zwei Sonderermittler aus Pinneberg verstrickt sind. Wie die Geschichte weitergeht und ein paar mehr Szenen aus der zorkigen Zusammenarbeit gibt es beim nächsten Mal…

 

 

(Cliffhanger kann ich!)

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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