Geburt des Rollenspiels Sarôsta – Teil 4: Die Helden


Diesmal geht es um die Vertretung des Spielers in der Spielwelt, also den Helden. Diese sollen möglichst interessant und lebendig sein, sodass der Spieler lange Zeit Spaß mit ihnen hat. Dabei kann er erleben, wie sein Held neues lernt und sich weiterentwickelt.

Neue Wege gehen

Wie auch schon in anderen Bereichen wollte ich auch bei der Charaktererstellung neue Wege gehen. Ich will den Spielern die Möglichkeit bieten, ihre Helden möglichst individuell zu erstellen. Denn schließlich werden sie mit diesen ihre Abenteuer erleben – da sollten Spieler und Charakter auch gut zusammen passen. Mir war es auch wichtig, dass sehr unterschiedliche Helden erstellt werden können, um abwechslungsreiche Gruppen zu ermöglichen. Schließlich führen Helden mit unterschiedlichen Eigenschaften, Talenten und Ansichten erst zu einem richtig spannenden Rollenspiel.

Ich habe mich recht schnell dazu entschlossen, dass ich keine vorgegeben Klassen haben will. Der Spieler entscheidet also selbst, mit welchem Beruf der Held im Moment sein Geld verdient oder verdienen will. Natürlich sollten die Talentwerte zu dem Beruf passen, doch es gibt hier keine Vorgaben. Ausnahmen bilden Ärzte, Geweihte, Magier und Krieger, denn diese erfordern eine Ausbildung und bekommen eine Bescheinigung über ihre Fähigkeiten.

Die Charaktereigenschaften

Ich wollte einen Weg finden, den Charaktereigenschaften des Helden mehr Bedeutung zu geben. Vor allem sollten diese greifbarer sein und Auswirkung auf das Spiel haben. Damit das möglich ist, mussten die Charaktereigenschaften ihren Weg auf den Heldenbogen finden. Dabei fielen mir die guten und schlechten Eigenschaften ein, die es zum Beispiel bei DSA gibt. Doch diese wollte ich nicht einfach übernehmen, da mir die Einteilung in gut und schlecht nicht zusagt. Denn teilweise kommt es auf die Situation an, ob sie sich positiv oder negativ auswirken. Also habe ich mir überlegt, wie ich das anders machen kann.

Wer jemanden Fesseln will, sollte auch das nötige Geschick mitbringen. (© Nicole Pustelny)

Wer jemanden fesseln will, sollte auch das nötige Geschick mitbringen. (© Nicole Pustelny)

Schließlich hatte ich acht Stärken und Schwächen ausgewählt, die sich aber je nach Situation unterschiedlich auswirken. Das macht für mich einen großen Unterschied zu klassischen Eigenschaften, deren Wirkung in allen Situationen gleich ist. Mit einem Beispiel will ich euch verdeutlichen was ich meine. Jemand mit der Schwäche „Geizig“, wird darauf achten, nur das Nötigste zu kaufen und das zu einem günstigen Preis. Er wird sicherlich feilschen und die Kosten drücken wollen. Außerdem wird er darauf bestehen, dass ein Auftrag gut entlohnt wird und ihm Unkosten erstattet werden.

Eine Schwäche kann also in gewissen Situationen auch etwas Gutes bewirken. Umgekehrt können gute Eigenschaft auch hinderlich sein. Jemand der sehr ehrlich ist, wird als Lügner nicht besonders überzeugend  und leichter zu durchschauen sein als unehrlichere Charaktere.

Damit kann es für den Spieler sogar ein Vorteil sein, seine Schwächen auszuspielen. Außerdem sollte es dem Spielleiter so etwas leichter fallen, die Stärken und Schwächen der Spieler im Auge zu haben und ob diese eingesetzt werden. Für ihn ist damit auch der Charakter des Helden etwas klarer, im Gegensatz zu einer reinen Hintergrundgeschichte oder klassische Vor- und Nachteile. Natürlich soll das nicht heißen, dass der Held nur diese Charaktereigenschaften hat oder haben darf. Das sind nur diejenigen, die sich eben so wie „Vor- und Nachteile“ auch regeltechnisch auswirken.

Von Jungspunden und alten Hasen

Daneben ist mir etwas weiteres wichtig: Das Alter der Helden soll ebenfalls Einfluss auf die Charaktererstellung und das Spiel haben. Denn schließlich macht es einen großen Unterschied, ob der Held ein Neuling unter den Abenteurern oder schon seit Jahre unterwegs ist.

Ich hatte mich schon darüber gewundert, dass diesem Umstand in anderen Rollenspielen oft keine große Bedeutung beigemessen wurde. Nachdem ich angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, bemerkte ich die Schwierigkeit in der Umsetzung. Denn die Berücksichtigung des Alters sollte nicht dazu führen, dass die Helden alle möglichst erfahren und damit alt sind. Deshalb musste ich abwägen, welche Vor- und Nachteile welches Alter mit sich bringt.

Jungen Helden fehlt zum Beispiel die Erfahrung und sie können noch keine langfristige Ausbildung abgeschlossen haben, doch es fällt ihnen leichter, Neues zu lernen, und sie sind gesundheitlich noch sehr belastbar. Erfahrene Helden hingegen haben schon mehr Erfahrung in ihrem Beruf gemacht, bekommen also am Anfang einen Bonus. Je nach Alter wirkt sich dies aber darauf aus, wie schnell sie sich weiterentwickeln, wie gut ihre Konstitution und Ausdauer ist.

Alt, erfahren und mit grimmigem Blick: Euer möglicher Held in Sarôsta. (© Sissy Falkenthal)

Alt, erfahren und mit grimmigem Blick: Euer möglicher Feras-Held in Sarôsta. (© Sissy Falkenthal)

Die Schwierigkeit hier war, wirklich drauf zu achten, dass sich die Vor- und Nachteile die Waage halten und auch die einzelnen Altersstufen ausgewogen sind. Jede Altersstufe sollte also etwas Besonderes haben, die sie für Spieler interessant macht. Meiner Meinung nach kann es auch einen großen Einfluss auf das Rollenspiel innerhalb der Gruppe haben, wenn dem Alter der Helden etwas mehr Beachtung schenkt wird. In meiner Gruppe ist dies manchmal untergegangen, dass ein Held wesentlich jünger oder älter ist als der Spieler.

Dies wird entsprechend weniger vorkommen, wenn das Alter einen größeren Einfluss im Spiel hat. Vor allem wird in einigen Kulturen älteren Personen aufgrund deren Lebenserfahrung großer Respekt entgegen gebracht und diese werden bei Schwierigkeiten eher um Hilfe gefragt. Das sollte auch den Helden bewusst sein, wie dies in ihrer Kultur gehandhabt wird. Innerhalb der Gruppe könnte das dann bedeuten, dass einem älteren und erfahrenem Helden eher Glauben geschenkt und mehr Respekt entgegen gebracht wird als einem jungen Abenteurer.

Alles in allem bin ich mittlerweile mit der Charaktererstellung sehr zufrieden und habe die einzelnen Punkte so gut wie möglich umgesetzt.

Das war es dann auch schon wieder zum Thema „Helden und Charaktererstellung“. Es folgen noch wie bei den letzten Artikeln auch, ein paar Tipps.

  • Sucht euch Bilder, die zum Aussehen und Alter des Helden passen. Legt diese dann so hin, dass alle sie sehen können. Das kann sehr hilfreich sein, damit die anderen im Blick haben, mit wem sie es zu tun haben. Vor allem wenn der Held:
    • wesentlich jünger/älter ist
    • dem anderen Geschlecht angehört (als der Spieler)
    • eine andere Hautfarbe hat
    • sehr auffällige Kleidung hat
    • ein Feras ist
  • Macht euch Gedanken zu eurem Helden, am besten schon bevor ihr mit der Erstellung beginnt. Es kann sehr hilfreich sein, sich eine Hintergrundgeschichte zu überlegen und diese wie eine Art Lebenslauf aufzubauen. Ihr müsst nachher bei der Erstellung wissen, was eurem Helden wichtig ist. Damit könnt ihr deutlich gezielter vorgehen.

Den Abschluss dieser Artikelreihe wird der nächste Artikel zum Thema „Die Welt“ sein. Dort werde ich euch auf einen Rundgang über Marsola mitnehmen, den Kontinent in Sarôsta. Die Religionen und Götter werde ich dort ebenfalls kurz beschreiben.

Von Clarissa Lerch

Sârosta ist nun auch als Crowdfunding auf Startnext verfügbar.

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