Halloween: Die Nacht der “sexy Kostüme”?


An unserer Themenwoche lässt sich erkennen, dass nach einem Jahr völlig überraschend wieder Halloween ist. Damit einher gehen auch die Pre-Halloween-Partys, eigentliche Halloween-Partys und After-Halloween-Partys sowie natürlich zahllose Kostüme.

Als ob das Oktoberfest nicht genügend Entschuldigung für die Meute gewesen wäre, sich zu verkleiden und Unmengen von Alkohol zu sich zu nehmen… Wie dem auch sei: Im Gegensatz zum Oktoberfest ist Halloween allerdings nicht zu diesem Zweck entstanden. Es war eine Nacht im Jahr, in der die Leute nicht feierten, sondern sich angsterfüllt in ihren Häusern verbarrikadierten, Glücksbringer und Abwehrrituale durchführten. Denn in dieser Nacht kamen die Toten in das Reich der Lebenden. Dämonen, Hexen und böse Geister wanderten durch die Straßen und die Menschen glaubten, dass ihnen nur dann Böses widerfährt, wenn ihr Gesicht erkannt werden kann. So zumindest geht eine der Geschichten rund um Halloween und seiner Herkunft.

Verruchtes Halloween von früher

Sogennante Slick chicks bei einem Kostümwettbewerb 1947. Schon ziemlich aufreizend. (Foto aus der L.A. Daily News 1947)

Sogenannte Slick chicks bei einem Kostümwettbewerb 1947. Schon ziemlich aufreizend. (Foto aus der L.A. Daily News 1947)

Fakt ist, dass das Fest in die USA importiert wurde – und zwar , wie so vieles dort, von den Iren. Ähnlich wie St. Patricks-Day ist auch Halloween ein ursprünglich sehr katholisch geprägter Feiertag und die irische Version des Allerheiligen, in welche verschiedene Bräuche eingebracht wurden. Das Verkleiden ist dabei eine von vielen. In seiner Geschichte auf den britischen Inseln verhielt sich dieses Fest übrigens wie heute. In manchen Teilen wurden harmlose Streiche gespielt und Süßes verteilt, in anderen Gegenden wiederum wurde ausgelassen gefeiert und manch wirklich fieser Schabernack getrieben. Dort artete es zum Teil so sehr aus, dass Chronisten und Kleriker sich über diese Art des Zelebrierens bitter beschwerten und, wie es alte Männer in hohen Positionen so gerne tun, den Niedergang der Gesellschaft daran festmachten.

vs. verruchtes Halloween von heute

Heute geht es aber schon eine Ecke betonter zur Sache. (By Stacymolugo (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons)

Heute geht es aber schon eine Ecke betonter zur Sache. (By Stacymolugo (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons)

Die moderne Art, Halloween zu feiern, ist also gar nicht so anders. Und da es die Iren waren, die es verbreiteten, kann auch der übermäßige Alkoholkonsum entschuldigt werden.

Für viele ist Halloween allerdings kein besonderer Feiertag, sondern einfach nur die beste Gelegenheit, sich noch vor Karneval/Fasching/Fasnacht… ein Kostüm überzuwerfen und mit Freunden zu feiern. Diejenigen, die an diesem Tag – oder eher Nacht –

etwas Spezielles sehen, stören sich natürlich daran.

Und damit komme ich nun zum eigentlichen Punkt: Kostüme. Es gibt jedes Jahr Bilder und Videos von unfassbar niedlichen, über verdammt lustigen bis hin zu wirklich guten und gruseligen Halloween-Kostümen – meistens aus den USA, aber auch immer mehr hier in Europa. Vor allem Spanien ist eine Hochburg der Halloween-Kostüm-Partys. Diese werden oft sehr bewundert und gefeiert.

Aber es gibt noch eine Kategorie von Kostümen: Die „sexy Kostüme“. Diese zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie entweder sehr klischeehaft sind (sexy Krankenschwester, sexy Polizist…) oder auch bekannte popkulturelle Referenzen aufgreifen und solange Stoff entfernen, bis es gerade so noch an die Vorlage erinnert. Diese Kostüme treiben jedes Jahr von neuem eine Debatte um Sexismus an.

Sexy Sexismus-Kostüme

Und dieses Jahr werfe ich meinen Hut mit in den Ring. Und ziehe ihn auch sofort wieder zurück. Denn auf die Frage, ob diese Kostüme sexistisch sind, kommt von mir ein klares Jain. Die Kostüme selber sind es nicht. Wenn jemand so etwas tragen will und sich darin wohlfühlt, ist das deren eigene Sache. Wenn mich der Anblick stört, muss ich halt Scheuklappen aufsetzen.

Denn meine Freiheit geht nur soweit, dass ich es als eklige Zurschaustellung betiteln darf, aber es auch niemandem verbieten kann. Dafür habe ich auch die Freiheit, es zu ignorieren. Und wenn ich mal so richtig ehrlich sein soll, ich würde gerne ein Sexy-Kostüm tragen können, ohne mich lächerlich zu fühlen. Ich bin neidisch auf Männer, die das können, die in solcher Art gebaut sind, dass ihnen kein Bauch voraus läuft, ihr Gesicht eine Augenweide ist, ihr Bizeps traumhafte Rundungen vorweist und deren Hintern in einer engen Hose einfach so knackig aussieht, dass man ihn rot anmalen und reinbeißen möchte.

Wir alle, egal welchen Geschlechtes oder Orientierung, können uns solch einen Mann gerade vorstellen. Ob aus Neid oder aus Lust ist dabei unerheblich. In unserem stillen Kämmerlein sind wir ehrlich und finden dieses Bild toll. Aber da draußen ist es inakzeptable Zurschaustellung?

Bei Männern ist das übrigens interessanterweise eher in Ordnung, als beim weiblichen Geschlecht. Frauen, die ein ähnliches Glück bei der genetischen Lotterie vorweisen können, werden sehr viel eher für dieses „Schaulaufen“ angefeindet und negativ bewertet. Sowohl von Frauen als auch von Männern. Sie werden als Flittchen, Schlampe oder Schlimmeres tituliert. Vielleicht will sie aber doch nur diese Freiheit genießen, das gute Gefühl, wenn man blendend aussieht und der Welt das auch zeigen kann.

Was jemand mit seinem Körper tun kann, liegt in seinem eigenen Ermessen. Und wenn mich das stört, kann meine Antwort darauf nicht Sexismus sein. Denn jemanden in einem sexy Kostüm abwertig zu behandeln, weil dieser ein eben solches trägt ist oberflächlich – und sexistisch. Mal ganz von den Beleidigungen abgesehen.

Sexy Werbung

Worüber man sich allerdings aufregen darf, ist die überbordende Werbung mit sexuellen Reizen! Wie zum Beispiel Internet-Shops, die einem Besucher diese Kostüme hinklatschen und Werbung damit machen.

Oder auch nicht…

Man muss schon bewusst danach suchen, um diese Kostüme zu finden. Die meisten Seiten haben sowas in einer Unterkategorie und präsentieren sich vor allem familienfreundlich.  

Was allerdings auffällt, ist der Mangel an entsprechender Verkleidung für Männer. Nur eine Website meiner Recherche hatte eine solche Kategorie und diese ging in dem Haufen an Kostümen für Frauen unter. Und hier sehe ich das eigentliche Problem: Frauen wird in unserer Gesellschaft ohne Pause eingetrichtert, dass sie gut auszusehen haben. Wie oft wurde zum Beispiel Angela Merkels Frisur oder ihre Kleiderwahl diskutiert und wie oft die von Sigmar Gabriel? Wie oft wurden Schauspieler gefragt, wie sie sich auf eine Rolle vorbereitet haben, und Schauspielerinnen, welche Diät sie für die Rolle durchstanden?

Da ist er, der Sexismus. Frauen werden über ihr Äußeres definiert und zwar nur über ihr Äußeres. Dieses Problem wird nicht behandelt. Sicher, in Texten muss man jetzt darauf achten, dass man ein hübsches “-innen” oder ähnliches einführt. Wie sehr das nun einer echten Gleichberechtigung hilft, ist mehr als fraglich. Als Bewunderer von Sprache sorgt es bei mir eher für ein nervöses Augenzucken als das anerkennende Nicken. 

Da wären gleiche Bezahlung, faires Behandeln von Gewaltopfern, Stalking und Sexismus in den Medien auf meiner Prioritätenliste höher gewesen. Die politische und rechtliche Gleichberechtigung konnte erkämpft werden. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche muss erarbeitet werden. Wir alle können dazu beitragen, indem wir sensibler dafür werden. Nicht in dem Sinne, dass wir jeden gleich zum Schafott schleifen, der unsere Sicht nicht teilt, sondern indem wir mit gutem Beispiel vorangehen. Und so kann man bei diesen Kostümen anfangen.

Fällt nicht sofort ein Urteil über die Träger solcher Kostüme! Beschwert euch, dass Männer kaum Auswahl an sexy Kostümen haben! Und genügend Auswahl plus Accessoires zum erweitern! Denn die Welt kann mehr hübsche Männer vertragen und weniger Druck, der auf den Frauen lastet.

Fazit

Und somit habe ich meinen Teil zu der alljährlichen Diskussion beigetragen. Wer anderer Meinung ist, darf natürlich gerne die Kommentarfunktion nutzen. Ansonsten wünsche ich allen ein gruseliges Halloween und hoffe, dass ihr euch nicht über sexy Kostüme aufregt, sondern sie vielleicht sogar ein klein wenig genießt und gleichzeitig an die Gesellschaft und ihre Probleme denkt.

Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

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