Halloween: The Scarecrow


Im Jahr 1941 ließen Bob Kane und Bill Finger einen Gegner auf Batman treffen, der bis heute –  mit einer zwanzigjährigen Pause – zu einem stetigen Widersacher der Fledermaus und zu einem regelmäßigen Besucher Arkham Asylums zählt. Jonathan Crane alias Scarecrow, der Meister der Angst, hat seit seinem ersten Aufeinandertreffen mit Batman eine lange Reise hinter sich und gehört mit zu den Schurken, die des Öfteren ihr Äußeres gewandelt haben. Jetzt, passend zu Halloween, möchte ich euch mit nach Arkham Asylum nehmen und euch die Person vorstellen, die diesen Feiertag in Gotham zur Hölle auf Erden macht.

“Every scarecrow has a secret ambition to terrorize.” – Stanislaus Lec

Kurze Einblicke in die Vergangenheit

Tatsächlich gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie nun eigentlich Jonathan Cranes Vergangenheit aussah. Die wohl Bekannteste ist, dass er ein uneheliches Kind war und seine Mutter, Karen Keeny, ihn einfach bei seiner vernarrt religiösen Großmutter Marlon Keeny allein gelassen hat.

Bereits in jungen Jahren war er dem Spott und den Peinigungen anderer Menschen ausgesetzt. Gleichaltrige verhöhnten ihn aufgrund seiner schmalen Statur und verliehen ihm den Spitznamen “Scarecrow” oder benannten ihn nach der literarischen Figur aus Sleepy Hollow: Ichabod Crane.

Einer seiner Hauptpeiniger war Bo Griggs. Dieser nutzte seine Freundin, um Jonathan in eine Falle zu locken, was beide später noch bereuen sollten. Von seiner Großmutter brauchte Jonathan keinen Schutz zu erwarten, denn diese folterte ihn selbst. Mithilfe einer Chemikalie sorgte sie dafür, dass Krähenvögel ihn angriffen.

Einige behaupten sogar, dass Crane seitdem Angst vor Vögeln hätte, doch sollte beachtet werden, dass er öfter einen Raben als treuen Gefährten bei sich hat, was diesem Punkt widerlegen dürfte.

Jonathan Crane ließ sich die Peinigung nicht ewig gefallen. Im Kostüm einer Vogelscheuche jagte er Bo Griggs einen so großen Schrecken ein, dass dieser einen Autounfall verursachte, bei dem nicht nur seine Freundin starb, sondern auch er selbst körperliche und psychische Folgeschäden erlitt.

Mithilfe ihrer eigenen Chemikalien tötet Jonathan Crane seine Großmutter. Er ging nach Gotham, um an der Universität Psychologie und insbesondere die Ängste der Menschen zu studieren. An diesem Punkt hätte Jonathan Crane die Möglichkeit gehabt, sein Leben noch zu ändern, doch es kam anders: Er machte es sich zur Angewohnheit, Konkurrenten und unliebsame Personen zu beseitigen.

In anderen Erzählungen, genau genommen in den Neueren, wuchs Jonathan bei seinem Vater auf. Dieser führte  Experimente an ihm durch. Jonathans Vater erleidet während eines Versuchs einen Herzinfarkt. Zu diesem Zeitpunkt war Jonathan in einer Kammer eingesperrt und trug ein Trauma davon.

 

“We fear something befor we hate it; a child who fears noises becomes a man who hates noise.” – Cyril Connolly

Motivation, Fähigkeiten und Designs

Würde man Scarecrow nach seiner Motivation fragen, dann würde man vermutlich eine Antwort erhalten, die in die Richtung ginge, dass jede Handlung des Menschen auf Angst beruhe. Im Übrigen eine interessante Hypothese. Doch ist das wirklich Scarecrows eigentliche Motivation? Die reine wissenschaftliche Neigung? Das Bedürfnis, die Ängste gänzlich zu ergründen?

Bewegen wir uns in der Zeitlinie zurück, war Scarecrows Motivation eine andere – den simpelsten Beweggrund, den jeder Schurke hat: Geld! Von seinen Kollegen aufgrund seiner schäbigen Kleidung verachtet, da er sein ganzes Vermögen in Bücher investierte, gedieh in Jonathan der Gedanke, mit der entsprechenden Menge an Geld die nötige Anerkennung doch noch bekommen zu können.

Die dritte Motivation, die viele in ihm sehen, ist die Rache bzw. das Bedürfnis, all das vielfach zu vergelten, was ihm selbst angetan wurde. Vermutlich sind alle drei Aspekte Scarecrows Motivation. Oder wir gehen einfach von der simplen Annahme aus, die einige Autoren an den Tag legen: Er ist einfach böse.

Scarecrows Fähigkeiten sind vielfältig. Davon abgesehen, dass er ein Angstmittel in verschiedene Zustands- und Wirkungsformen erschaffen hat und dieses gezielt einsetzt, besitzt er ein Talent dafür, Menschen unbewusst zu manipulieren. Er pflanzt Gedanken in die Köpfer der Menschen, die so weit keimen können, dass diese bei einem schwachen Geist zum Tod führen.

Sein Angstmittel, welches er stetig weiterentwickelte, war sogar so stark, dass Superman dessen Wirkung zu spüren bekam. Interessanterweise nutzte Scarecrow dieses Angstmittel jedoch nicht von Anfang an. Seine ersten Schreckversuche, die er alle auf Wunsch von Geschäftsmännern machte, ereigneten sich mit einer simplen Schusswaffe.

Doch Scarecrow ist nicht nur gebildet, er beherrscht die Kampfart “Violent Dancing”, die er sich selbst in jungen Jahren beibrachte. Weiterhin kann Scarecrow, wie die meisten Bewohner Gothams, sicher mit unterschiedlichen Schusswaffen umgehen. In manchen Versionen nutzt er eine Sense zum Kämpfen und eine Zeit lang konnte er einen Ring des Sinestro Corp nutzen. Weiterhin vermochte er sich sogar für einen gewissen Zeitabschnitt eher unfreiwillig in ein Monster mit dem Namen “Scearbeast” verwandeln.

Von den ganzen weiblichen Figuren mal abgesehen, gehört Scarecrow wohl zu den Charakteren, der die meisten optischen Umgestaltungen erfahren hat.

Normalerweise ist er um die 1,84 Meter groß, hat eine schmale bis magere Statur, blaue Augen und dunkle Haare. Doch es finden sich auch Versionen, in denen er dunkle oder rote Augen oder rötliches Haar besitzt. Seine Kostümierung umfasst ebenfalls mehrere Versionen, von einfachen Jutesäcken, die über den Kopf gezogen werden, bis hin zu aufwendig gestalteten Outfits findet sich so einiges in Jonathan Cranes Schrank.

 

“For wordly success, we need virtues that make us loved an faults that make us feared.” – Joseph Jouber

Freunde, Frauen und Feinde

Inwieweit die Beziehung innerhalb Arkhams mit dem vergleichbar ist, was andere Menschen als Freundschaft bezeichnen, ist fraglich. Doch es gibt auch unter Schurken Personen, die einem sympathischer sind.

Scarecrow führte für den Pinguin, Black Mask und manchmal auch für den Joker Aufträge aus, sofern er sich davon einen Vorteil versprach.

Er arbeitete mit Bane, Hush, Mad Hatter und dem Riddler zusammen. Diese Zusammenarbeit beruhte jedoch ebenfalls auf der Annahme, von einander zu profitieren. Doch genauso schnell konnte Scarecrow diese Personen als Feinde ansehen.

Im Gegensatz zum Joker hat Scarecrow keine Frau, die stetig an seiner Seite ist. Zwar pflegte er eine gute und beinah freundschaftliche Beziehung zu Dr. Linda Friitawa, die ihn jedoch hintergang.

Für Lindsay nahm Scarecrow eine Mentoren-Funktion ein, doch auch hier hatte dies Nichts mit Liebe zu tun.

Zuneigung empfand Jonathan Crane in jungen Jahren für Bo Griggs Freundin und später für Becky Albright, eine junge Studentin, deren Ängste ihn dazu bewegte, so etwas wie Sympathie für sie zu fühlen. Doch bereits die geringste Gegenwehr von ihr führte dazu, dass diese Sympathie sich in puren Hass wandelte.

Scarecrows Hauptfeind ist natürlich Batman und dies aus gutem Grund. Crane setzte sich so oft seinem eigenen Angstmittel aus, sodass er in einigen Comics fast immun gegen Angst ist. Batman ist der bzw. das Letzte, was ihm noch dieses Gefühl verschaffen kann.

 

“Fear… is power” – The Scarecrow

Scarecrow in Film und Fernsehen

Mein erstes Treffen mit Scarecrow, wenn man es so nennen mag, fand durch Batman The Animated Series statt. Insbesondere bei seinen ersten Auftritten war er weniger unheimlich gestaltet, sondern fast schon humorvoll.

Durch verschieden Arten seines Angstmittels versuchte er, an Geld zu kommen und hatte die eine oder andere Folge, in der er der Hauptantagonist von Batman und Robin war. In seinem dritten Design trat er nur zweimal in der letzten Staffel auf und sorgte vermutlich bei dem einen oder anderen jüngeren Zuschauer für Gänsehaut. Doch seht besser selbst:

Nichtsdestotrotz hatte Scarecrow schon vorher einige Auftritte in animierten DC-Serien; unter anderem in The Batman/Superman Hour und Challenge of Superfriends.

In den späteren animierten Serien, die sich eher an ein jüngeres Publikum richteten, trat Scarecrow eher selten auf. Wenn er vorkam, hatte er meist nur eine Gastrolle wie zum Beispiel in Batman: The Brave and the Bold.

Auch in einigen animierten Filmen durfte das Publikum etwas von Scarecrow hören oder sehen. So zum Beispiel im Film Assault on Arkham, in dem er zumindest ein paar Leute in Angst und Schrecken versetzt. In Batman Unlimited: Monster Mayhem tritt eine monströse muskulöse Versions Scarecrows auf, die für einige etwas gewöhnungsbedürftig sein mag:

Eine größere Rolle spielte er in dem animierten Film Batman: Gotham Knight, der aufgrund seines eher asiatischen Zeichenstils nochmals ein gänzlich anderes Design erhielt und zumindest bei mir auf starke Ablehnung trifft. Freunden von Animes bietet der Film jedoch vermutlich einen guten Einstieg in das DC Universum.

Doch wirklich bekannt wurde Scarecrow für Nicht-Comic-Leser durch die Batman-Filme von Nolan. In diesem wurde der Meister der Angst in allen drei Teilen von Cillian Murphy gespielt, was wiederum  verschiedentlich aufgenommen wurde. Durch das attraktive Äußere von Cillian Murphy konnte Scarecrow einige Fangirls abgreifen. Ich muss nicht erwähnen, dass sich wiederum einige Comicfans gerade daran störten.

Zwar war Cillian Murphys schauspielerisches Talent durchaus für die Rolle geeignet, doch leider trug er recht selten seine Maske. Ein wichtiges Accessoire, welches für viele Fans eignfach dazugehört. Seine Motivation ist in den Filmen immerhin recht deutlich – und zwar Geld.

Im Übrigen sollte Scarecrow schon viel früher zusammen mit Harley Quinn einen Filmauftritt haben. Dieser wurde nur durch den Film Batman und Robin verhindert. Ein Glück möchte ich sagen, denn die Vorstellung, dass Harley die Tochter des Jokers sein sollte und Scarecrow von Nicolaus Cage gespielt wird, lässt mir noch heute einen angewiderten Schauer über den Rücken laufen.

Eine jüngere Version von Jonathan Crane findet sich in der Serie Gotham, in der bis jetzt jedoch nicht viel über seine Rolle als (künftiger) Scarecrow gesagt werden kann.

 

“And at the end of fear, oblivion!” – The Scarecrow

Videospiele mit dem Meister der Angst

Es gibt mittlerweile recht viele Batman-Spiele und daher auch recht viele Spiele, in denen Scarecrow auftritt. Diese orientieren sich zum Großteil an den Filmen und Serien und behalten daher das eigentliche Konzept Scarecrows bei. Zu den Ausnahmen gehört auf jeden Fall das Lego-Spiel, welches einen recht putzigen Scarecrow offeriert, der stets mit zu den Hauptgegnern gehört und auch selbst von den Spielern genutzt werden kann.

Eine größere Rolle erhält er in den Arkham-Spielen. Zumindest in Arkham Asylum, in welchem er Batman gehörig zusetzt und wohl auch den einen oder anderen Spieler überrascht bzw. erschrocken hat.

In Arkham City besteht die Möglichkeit, Hinweise bezüglich Scarecrow zu finden. Unter anderem seine Maske aus Arkham Asylum und seinen Unterschlupf, in dem sowohl eines seiner Opfer als auch eine Einkaufsliste gefunden werden können. Fleißige Spieler können sogar noch mehr finden und damit einen Hinweis auf Arkham Knight erhalten.

In Arkham Origins findet man jeglich Scarecrows beziehungsweise Dr. Cranes Telefonnummer auf einem Probandensuchzettel. Seinen großen Auftritt hat er dann in Arkham Knight. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten, die das Spiel mit sich bringt, lohnt es sich für Scarecrow-Fans, einen Blick hineinzuwerfen, denn in Arkham Knight bekommt man erstmals Scarecrows ganze Grausamkeit zu spüren. 

Die Designs im Arkham-Universum unterscheiden sich noch mal von den anderen Versionen: Im ersten Teil ist Scarecrows Kostüm eher provisorisch zusammengestellt. Er trägt keine Schuhe und kein Oberteil, sondern nur eine Maske und eine Hose. Das Ganze erinnert nur entfernt an eine Vogelscheuche. Zusätzlich erhält er Handschuhe mit befestigten Spritzen, die es ihm ermöglichen, seinen Gegner das Angstmittel direkt in die Blutbahn zu spritzen.

Dieses Design wurde in Injustice League wieder aufgegriffen. Hier ist er zwar kein spielbarer Charakter, aber er kann genutzt werden, um seinem Gegner zusätzlichen Schaden zuzufügen. In Arkham Knight bekommt Scarecrow noch mal ein neues Design, welches mir persönlich sehr zusagt. Durch die Erlebnisse aus Arkham Asylum ist Scarecrows Bein verletzt, wodurch er eine Schiene tragen muss. Weiterhin wirkt der ganze Look etwas moderner und leicht militärisch.

Das Design aus Arkham Asylum wurde später wieder in Arkham Underwolrd aufgegriffen. Doch neben den ganzen Designs gibt es natürlich noch etwas Wichtiges: seine Stimme.

Mittlerweile hat Scarecrow so einige Synchronsprecher gehabt, die unterschiedlicher nicht sein könnten – von ruhig und tief zu eher hektisch und hoch. Hat Joker insbesondere im englischen mittlerweile seine feste Stimme, kommt mit jedem neuen Design Scarecrows auch ein neuer Sprecher dazu, der die Rolle zum Teil neu interpretieren muss. Wie das Ganze aussieht bzw. sich anhört, wenn ein Sprecher versucht, sich der Rolle anzunähern, könnt ihr hier verfolgen:

 

Do not fear your fear. Embrace it.

Fazit

Scarecrow ist ein vielfältiger Charakter mit einer bewegten Vergangenheit, die mich persönlich immer sehr begeistert und berührt hat. Wer sich näher mit Scarecrow beschäftigen möchte, der kann neben den Filmen und Videospielen, folgende Comics lesen:

 

Batman Arkham: Scarecrow: Vereint zwölf Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten mit Scarecrows Hintergundgeschichten und ein paar anderen Storys, die alle mehr als unterhaltsam sind.

Batman Arkham: Scarecrow

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Batman: Two Face/ Scarecrow Year One: Auch dieser Comic widmet sich der Hintergundgeschichte Scarecrows.

Batman: Two-Face/Scarecrow Year One

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Scarecrow Tales: Vereint viele interessante und spannende Geschichten über Scarecrow, unter anderem mit Mistress of Fear, eine kleine “Liebesgeschichte”. Achtung: In Batman Arkham: Scarecrow und Scarecrow Tales gibt es von den Storys her einige Übereinstimmungen.

Batman: Scarecrow Tales (Batman Beyond (DC Comics))

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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