Lukas, der Lokomotivführer gegen die Apokalypse


Lokomotivführer sind toll. Das weiß ich seit meiner frühesten Kindheit. Sie sind bärenstark, können ihre Lokomotive sogar zum Fliegen bringen und meistens sind sie in guter Begleitung unterwegs, während sie unglaubliche Abenteuer erleben. Was daran könnte nicht großartig sein und wer könnte besser geeignet sein, um die nahende Apokalypse zu verhindern? Denn genau diese Aufgabe muss ich im Titel The Final Station erfüllen muss.

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Wenn ich nicht aufpasse, verhungert noch jemand.

Ok, meine Kindheitsliteratur hat mich ja bereits genügend auf diesen Moment vorbereitet und jede Erfahrung mit echten Zügen, Verspätungen und Frust an der Bahnsteigkante habe ich vorsorglich ausgeblendet. Das ist schließlich ein Spiel und so schlimm wird es schon nicht werden. Schließlich geht es hier nur um den Weltuntergang (oder etwas in der Art) und nicht darum von Hannover nach Bielefeld zu kommen.

In The Final Station kümmere ich mich nicht nur darum, extrem wichtige Fracht von A nach B zu befördern, sondern gleichzeitig muss ich mich auch noch um das Wohl meiner Kunden sorgen. Ich bin der Mann für alles, ein echter Zugführer.

So eile ich durch die Waggons, um einen schwer verletzten Mechaniker zu versorgen, eine junge Frau vor dem Hungertod zu retten und ganz nebenbei dieses elende Lüftungsventil zu reparieren, bevor der Zug durch einen Kurzschluss auf halber Strecke stehenbleibt.

Währenddessen kabbeln sich die Leute im Abteil, was nun eigentlich passiert ist und ich würde sie gerne aufklären, aber ich habe keine Ahnung. Nein, wirklich! Die einzelnen Fakten sind überall verstreut und obwohl mir der Zugriff auf Terminals und ein Blick auf Notizen ein paar Dinge über die bristante Situation verraten haben, in der sich die Menschheit gerade befindet, will mir niemand wirklich erzählen, was eigentlich los ist. So fahre ich also von Station zu Station und behalte meine Fracht im Auge, die ich laut Militär unbedingt in die nächste große Stadt bringen soll. Doch ich habe keine Ahnung, was da eigentlich drin ist.

Die Sache ist dann auch nicht so einfach. Zum einen muss ich an jedem kleinen Kuhkaff halt machen und einen sogenannten Blockercode besorgen. Diese brauche ich, damit mein Zug weiterfahren kann. Zum anderen muss ich nach lebenswichtigen Rationen und Medpacks suchen, mit denen ich das Überleben der wenigen Zivilisten sicherere, die ich auf meinem Weg finde. Und dann wären da noch die Zombies….

Nein, absolut keine "Zombies" hier...

Nein, absolut keine “Zombies” hier… Kleiner Tipp: Versucht mal hier unten nach links zu kommen.

Nein, eigentlich gibt es in The Final Station keine Zombies. Aber die seltsamen Kreaturen, auf die ich allenthalben stoße und die aussehen wie lebendige Schatten, verhalten sich doch sehr wie die altbekannten, stöhnenden Angreifer Film, Comic und Spielen. Zwar besitze ich mittlerweile auch eine Schusswaffe, aber da Munition sehr selten ist, muss ich damit haushalten. Wenn es hart auf hart kommt, vertraue ich auf meine Bärenkräfte und schlage die seltsamen Angreifer einfach nieder. Ab und an finde ich auch Hinweise darauf, wie weit der sogenannte “zweite Besuch” schon vorangeschritten ist und auf welche Weise meine eigene Regierung in die Sache verwickelt ist.

Auf halber Strecke kommen mir schließlich Zweifel an meinem Auftrag und ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich das richtige tue oder ob ich damit nur jemand anderem in die Hände spiele. Wenn ich einen Blick nach Draußen werfe, erfüllt mich der Anblick mit Grauen. Obwohl ich keinen Einfluss darauf habe, welche Station ich als nächstes erreiche, beschleicht mich ab und an das Gefühl, falsch abgebogen zu sein.

Fazit

The Final Station ist für mich weniger ein Spiel, als eine interaktive Geschichte. Die Kämpfe und Begegnungen sind in der Regel nicht sehr schwierig und auch trotz Munitionsknappheit leicht zu bewältigen. In manchen Situationen habe ich zwar einige Versuche gebraucht, aber die automatischen Speicherpunkte sind fair gesetzt.

Die Welt ist schön gestaltet und es gibt viele Details, die mir beim ersten Durchspielen entgangen sind. Am Ende stand ich allerdings mit mehr Fragen als Antworten da und war etwas enttäuscht. Leider konnte ich nicht wirklich entschlüsseln, was letztendlich hinter meinem Abenteuer steckt und welche Bedeutung in der finalen Szene steckt.

Negativ empfinde ich die Fahrten mit dem Zug, da ich mich ständig um die Belange der Mitfahrer und um die Reperatur des Zuges kümmern muss – und mir so die interessanten Hintergrundtexte entgehen. Außerdem tauchen während der Fahrt immer wieder sehr interessante Szenen hinter den Zugfenstern auf, die ich kaum beachten kann, während ich hin und her flitze.

Da The Final Station nach etwa drei Stunden vorbei ist und keinen enorm großen Wiederspielwert besitzt, würde ich auf ein Angebot warten. Ansonsten ist es durchaus eine schön erzählte, unterhaltsame Geschichte. In diesen Zug dürft ihr also gerne einsteigen.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es hier nach.

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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