Hamburgs Play Festival – Nordisch anders


Wie ihr vielleicht schon in unserem Feed gesehen habt waren Felix und ich auf der Play 2016 in Hamburg. Da ich vor der Kamera immer noch nicht besonders wortgewandt bin, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um meine Eindrücke euch noch einmal in lesbarer Form zugänglich zu machen.

Spielende Kunst

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Das Plakat der Play16 mitsamt der beeindruckenden Sponsorliste.

Wie schon bei der RPC bewies die DB wieder ihre absolute Zuverlässigkeit im Zuspätkommen meines Zuges. Soweit alles wie geplant. Allerdings hieß das auch, dass Felix bei wunderschönem Hamburger Wetter auf mich warten durfte. Immer das Positive sehen. Öffentliche Verkehrsmittel sind ja sowieso meine liebste Methode, um mich durch das Land zu bewegen. Aber ich schweife ab.

Die Play16 also. Bereits zum dritten Mal fand nun dieses Festival in Hamburg statt – in diesem Jahr vom 2. bis zum 6. November.

Hier gab es kleine Ausstellungsbereiche mit konzeptioneller Kunst in Spielform und auch einfach interessante Spielkonzepte – gerne auch mit Überschneidungen. Aber das war nur ein Teil der Play. Eine Menge Workshops für Schaffende und Lernende in Kunst, Programmierung und Design, sowie Bühnenprogramme, Theaterstücke zum Zuschauen und auch eines zum spontanen Teilnehmen standen ebenfalls auf dem umfassenden Programm.

Zu viel, um alles an einem Samstagnachmittag mitzunehmen. Das wird besser, wenn Amazon endlich meine TARDIS liefert. Unser Fokus lag daher auch auf der Ausstellung im Kunsthaus Hamburg. Zugegeben, der Ausstellungsraum war nicht eine riesige Fläche vollgepackt mit Publishern und brandheißen, neuen Games, aber das wäre auch am Ziel der Play vorbei. Denn hier will man vor allem alternativen Konzepten und Indie-Entwicklern eine Plattform bieten.

Also reichte der – immer noch recht große aber übersichtliche – Ausstellungsraum. Ich habe noch nie so entspannt Spiele wahrnehmen können, nicht mal bei mir Zuhause. Es war wie eine Kunstausstellung zum Anfassen. Wir haben uns bei allem, was nach Spiel aussah, hingesetzt, ausprobiert und… naja, gespielt. In einem Zelt in einer Ecke am Eingang wurde sogar vor Ort ein Spiel entwickelt.

Künstlerisches Spielen

Und direkt daneben winkte uns auch schon jemand von dem sehr netten Team zu, um uns für ein Spiel zu begeistern. Voller Enthusiasmus startete sie Codex Bash von Alistair Aitcheson. Bevor wir unsere Kamera platzieren oder ich mich innerlich auf körperliche Tätigkeit einrichten konnte, waren wir auch schon mittendrin. Auf einem Bildschirm wurden Rätsel gestellt, bei deren Lösung Farben herauskamen. Diese entsprachen dann einem der vier Buzzer, die in einem recht großem Viereck davor aufgebaut waren: zu groß, um von der Mitte aus bequem alle Knöpfe drücken zu können. Und die Rätsel beschränkten sich auf einmal nicht mehr nur auf den Fernseher, plötzlich hatten wir Zettel in der Hand, die das aktuelle Rätsel auf die reale Welt erweiterten. Sehr spannend und auch spaßig. Und zu viert muss man nicht mal viel Zeit mit Rennen verschwenden.

Zu diesem Spiel gesellten sich dann noch einige weitere. Zum Beispiel Colorena, ein kooperatives Spiel bei der man Helme mit rotem oder blauem Visier auf dem Kopf hat, welche verhindern, dass man alle Balken announcement_mediumsehen kann. So wurden Felix und ich gezwungen, uns abzusprechen, um gemeinsam am Ziel anzukommen.

Einige interessante Ideen mit der Kinect und natürlich der Virtual Reality waren auch vertreten. Beeindruckt hat mich dabei vor allem der Streitwagen-Simulator. Einmal wie Ben-Hur Pferde antreiben und holprig im Kreis fahren. Das macht so schon Spaß, aber die Jungs von der HAW Hamburg, genauer vom Projekt “Sensoria”, hatten eine super Idee: Die VR-Brille bietet von sich aus schon eine gute Form der optischen Immersion. Mithilfe von Handgesten (Kinect) konnte man die Pferde antreiben, lenken und bremsen. Ein Gurt in der Hand sollte die Zügel darstellen. Tolle Idee! Aber das hat ihnen nichtgereicht und sie gingen noch einen Schritt weiter. Eine Rüttelplatte, gekoppelt an die Geschwindigkeit im Spiel simulierte die Fahrt mit dem Wagen.

Das Rütteln verstört den Gleichgewichtssinn und bringt das Gehirn dazu, Lage im Raum und andere wichtige (sehr wichtige!) Informationen, nur über die Augen zu verarbeiten. Das ist immersiv! In Sekunden. Die Holzplattform, auf der ich stand, hätte zwar ruhig ein wenig fester sein dürfen, aber um mal Sascha zu zitieren: “Irgendwas ist ja immer.” Mehr als einmal wollte ich mich mit Wucht in die Kurve legen oder nach hinten lehnen, um dem Gefälle zu entgehen. Ich musste mich konstant erinnern, dass ich nicht wirklich einen Streitwagen fahre. Und es lag nicht an der Grafik. Well done, Jungs.

Mir wird grad schon wieder schwindelig…

 

Ein nettes Gimmick war auch das Dark Room Sex Game. Hier hatten wir nicht mehr, als die PlayStation Waffelhörnchen und einen Lautsprecher. Durch rhythmische und harmonische Bewegung konnten wir so einem Paar zum akustischen Höhepunkt verhelfen – oder ihnen Schmerzen bereiten. Nachdem Felix und ich das Prinzip nach sehr langer Zeit verstanden und dem Pärchen wahrscheinlich ein paar blaue Flecken verpasst hatten, ging das auch ganz flott.

Man(n) kennts.

Spiele als Kunst

Einmal zusammengefasst: Ich hatte einen tollen Nachmittag auf der Play.

Spiele nicht als Hype, sondern als richtige Kunst mit Ausstellung wahrzunehmen, war eine tolle Erfahrung. Eine entspannte Atmosphäre in der wir Spiele ausprobieren, uns informieren und austauschen konnten.

Ich habe natürlich lange nicht von allen Spielen berichtet. Das würde diesen Rahmen sprengen. Aber ich habe den Wunsch, nächstes Jahr mehr von der Play zu sehen, mehr zu erleben und auch mitzumachen. Dann wird der Rahmen wahrscheinlich auch größer sein. Wenn es denn klappt. Ich mache da keine Versprechungen, nur Hoffnung. Denn noch ist die Play für nächstes Jahr nicht angekündigt.

Wer übrigens noch nicht überzeugt ist, dass sich ein Besuch lohnt, dem sei dies gesagt: Ich konnte Uke Bosse Hallo sagen. Oder besser: Moin. Das mögen einige vielleicht jetzt nicht so besonders finden, aber ich fand das ganz großes Kino.

Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

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