Inspiration für Spielleiter: Symbiose und Parasiten


Wir kennen sie alle mittlerweile: Außerirdische, fremde Wesen, nicht-menschliche Kreaturen. Irgendwie sind sie doch alle immer gleich oder zumindest in sich sehr ähnlich. Verlassen wir einmal ausgetretene Pfade und schauen uns bei anderen Konzepten um.

Ich werde hier drei symbiotische und parasitäre Rassen kurz vorstellen, die sicherlich auch in euer Setting als fremde Rasse passen können beziehungsweise euch zu neuen Ideen anspornen soll. Alle drei Konzepte werde ich aber nicht bis ins kleinste Detail erörtern und sicherlich wird auch hier und da meine eigene Fantasie das ursprüngliche Konzept verändern oder überlagern. Seht es mir also nach, denn auch ich nehme mir diese Konzepte nur als Ideenvorlage.

Der kluge Pilz und die Bestie

Dieses Wesen habe ich bei dem Rollenspiel Numenera entdeckt und war sehr angetan von der Idee. Hierbei sind zwei sehr verschiedene Wesen eine Symbiose eingegangen, die letztlich beiden nützt. Es handelt sich dabei um eine Art intelligenten Pilz, der den kräftigen Körper eines anderen Wesens nutzt. Gemeinsam vereinen die beiden Intelligenz und körperliche Fitness, die sie einzeln nie erreichen könnten.

Es sollte sich im besten Fall bei dem Wirt um ein eigentlich tierähnliches Wesen handeln, das eher raubtierhafte und zerstörerische Züge hat. Der Pilz selber ist sehr intelligent, hat aber keinen eigenen Körper und kann auch nur schwer mit anderen Wesen kommunizieren. Erst gemeinsam mit dem Wirt kann es handlungsfähig werden und seinen Intellekt effektiver umsetzen, wie beispielsweise durch die Herstellung von Werkzeugen, Speichern von Wissen und all die anderen Aspekte, die eine intelligente Rasse ausmachen.

Zwar leben die beiden Wesen in einer Symbiose, aber dennoch sollte die beiden Kreaturen – ob beabsichtigt oder nicht – zwischen ihren unterschiedlichen Charakteristika hin- und herschwanken. Mal übernimmt die Bestie, mal der berechnende Denker. Dadurch mag das Biest eventuell ab und an unvorhersehbar ausbrechen, die beiden Kreaturen könnten dies aber auch bewusst im Kampf einsetzen.

Die parasitäre Maske

Seht ihr die Maske im Hintergrund? Das könnte der "maskenhafte" Parasit sein. (© Rick Future)

Seht ihr die Maske im Hintergrund? Das könnte der “maskenhafte” Parasit sein. (© Rick Future)

ACHTUNG! SPOILER für die Space Opera Hörspielreihe Rick Future – die ich euch hiermit sehr ans Herz legen möchte. Hier gibt es ein Volk, das wie eine Kampfmaske aussieht. Dieser Parasit nistet sich auf dem Gesicht und im Gehirn des Wirts ein, um diesen vollständig zu kontrollieren. Wird die Maske gewaltsam abgenommen, stirbt auch der Wirt.

Auf diese Weise erhalten diese Kreaturen einen mysteriösen Flair und Unwissenden erscheint es so, dass die Wesen hinter der Maske eigentlich die Taten begehen. Dies kann sogar soweit gehen, dass ein ehemaliger Gefährte sich nun scheinbar gegen die Spieler wendet und sich einer Art Kult angeschlossen hat.

Die parasitäre Lebensform selber ist dabei äußerst zäh und widerstandsfähig. Sollte sie für lange Zeit keinen Wirt finden, verfällt sie in eine Art starre, um so viele Jahre zu überleben. Die Gemeinschaft dieser Wesen sucht ständig nach neuen Wirtskörpern, um ihren Brüdern und Schwestern das Überleben zu garantieren und ihnen die Kontrolle über einen Körper zu verleihen.

Die kleinen Maschinen im Blut

Die Comicfigur Bloodshot aus dem Valiant Universe ist ein Supersoldat, dessen Körper von Nanorobotern durchdrungen ist. Die kleinen Roboter verleihen ihm übermenschliche Kräfte, eine stark verbesserte Heilung und die Fähigkeit, Maschinen mit seinem Blut zu manipulieren.

Bloodshot, wie er lebt und tötet. (© Valiant Entertainment)

Bloodshot, wie er lebt und tötet. (© Valiant Entertainment)

Bloodshoot erreicht mithilfe der kleinen Roboter scheinbar unmögliche Ziele und zeichnet sich als ideale Ein-Mann-Armee aus. Seine schnellen Reflexe und kräftigen Muskeln lassen ihn sowohl im Nah- als auch Fernkampf übermächtig erscheinen. Hinzukommt die Heilfähigkeit, die der von Wolverine in ziemlich Nichts nachsteht – außer dass Bloodshot Kohlenhydrate für seine Nanobots als Energie braucht.

Auch hier: ACHTUNG, SPOILER!

Allerdings wenden sich die Nanobots irgendwann gegen Bloodshot, dringen in andere Menschen ein und kontrollieren sie. Die Roboter haben eine klare Programmierung und versuchen diese auch durchzusetzen: Wenn sie einen Auftrag haben, dann muss der Auftrag erfüllt werden. So kann es sein, dass bei Sichtung eines bestimmten Ziels der Kampfmodus sofort aktiviert wird, ohne dass der Träger etwas dafür oder dagegen kann. Er wird in eine Art Rausch versetzt.

Im Verlauf der Reihe lernt Bloodshot seine Nanobots zu kontrollieren. Daher ist es hier nicht ganz klar, ob man es als Symbiose oder Parasiten bezeichnen kann. Immerhin beeinflussen die Bots den Wirt positiv, können ihn aber auch manipulieren.

Vieles mehr

Es gibt noch so viele andere parasitäre und symbiotische Lebensformen in den Medien, aber auch in der wirklichen Welt. Befragt einfach mal Google nach entsprechenden Lebensformen und ihr werdet sehen, dass es erstaunliche Wesen gibt. Gerade besonders kleine Parasiten, die eine große Wirkung haben, finde ich immer sehr beeindruckend. Im vergleich zu großen und mächtigen Kreaturen erzeugen diese auf ganz andere Art und Weise einen gewissen Respekt bei mir. Denn was macht man gegen winzig kleine Wesen, die in einen Körper eindringen und das Wesen komplett kontrollieren?

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden