Paul Dini und Batman: Eine wahre Geschichte


Im November 2016 erschien bei Panini der Comic The Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte. Die autobiografische Graphic Novel erzählt die Erlebnisse von Paul Dini und arbeitet diese auf.

Momente, die das Leben verändern

Paul Dini gehört zu den kreativen Köpfen, die mich bereits in jungen Jahren begleiteten. Damals zwar nur als Schatten, da ein Kind Medien konsumiert, ohne sich über dessen Erschaffer Gedanken zu machen. So arbeitete Paul Dini zum Beispiel mit an der Batman: The Animated Series und gehört zu den Männern, die sich Harley Quinn erdachten.

Zu dem Zeitpunkt als Paul Dini an der Serie und dem dazugehörigen Film Batman: Mask of the Phantasm: The Animated Movie arbeitete, wurde er nachts auf offener Straße von zwei Männern überfallen, bestohlen und übel zugerichtet.

Während seiner körperlichen und psychischen Genesung stehen ihm genau die Personen bei, denen er in den letzten Monaten Leben eingehaucht hat. Bereits als Kind hat Paul Dini eine lebhafte Fantasie und bereichert sein, wie er es nennt unsichtbares Dasein, mit Figuren, die er aus Cartoons und Comics kennt.

Im Krankenhaus und während seines Rückzugs in die eigenen vier Wände sind es Batman und Schurken wie Joker, Poison Ivy und der Pinguin, die an seiner Seite verweilen, ihn beraten, verspotten, ermahnen und langsam wieder aus der Ecke treiben.

Wenn die eigene Vorstellungskraft gemein ist

Der Comic hat mich bereits auf den  ersten Seiten berührt. Ich konnte Paul Dini verstehen, von der Zurückgezogenheit bis zu der lebhaften Fantasie, die insbesondere noch in Kinderköpfen steckt.

krankenhaus

Unliebsamer Besuch im Krankenhaus (© Panini/Vertigo)

Die späteren Szenen mit den Comichelden und -schurken sind eine Mischung aus amüsanter und bedrückender Atmosphäre. Denn obwohl die Figuren Paul Dini irgendwie helfen, bleiben sie ihren Charakteren treu. So ist Batmans Ton streng, ermahnend, ja fast schon herablassend, da es Paul Dini doch hätte besser wissen müssen.

Joker hingegen ist locker und hat den einen oder anderen böswilligen Spott auf den Lippen. Dabei drängt er Paul Dini mehr in die Vorstellung hinein, dass er auch einfach liegen bleiben könnte, dass er aufgeben darf. Mit anderen Worten: Er solle seinen negativen Gedanken Platz lassen.

Die anderen Schurken lassen sich immer in den Momenten blicken, in denen sie gebraucht werden oder eben auch nicht. Wer ängstlich im Krankenhausbett liegt, möchte wohl eher nicht Scarecrow um sich herum haben, der die genaue entzückende Phobie erklärt. Und wer über die Gemeinheiten der Frauen nachdenkt, braucht wohl nicht Poison Ivys Spott, dass man doch irgendwie selber daran schuld sei.

Doch vielleicht braucht man das gerade doch? Vielleicht braucht man manchmal eben jemanden, der dich zwingt, deinen Ängsten ins Gesicht zu sehen. Oder jemanden, der dich deine Fehler einsehen lässt, und jemanden, der dich antreibt, wieder aufzustehen. Dieser jemand war Paul Dini natürlich stets selbst, doch wer kennt das nicht, dass es manchmal Worte von jemand anderem bedarf.

Cartoon trifft auf Realität

Dark Night zeichnerisch einzuordnen fällt schwer. Der Comic hat keinen konstanten Stil. Wird Paul Dini als Kind farblos und teils wie ein Strichmännchen dargestellt, passt er sich im Erwachsenenalter dem Stil seiner Umgebung an und wird immer realistischer.

kindheit

Der Comic spielt mit unterschiedlcher Farbgestaltung. (© Panini/Vertigo)

Die eingebildeten Figuren bleiben dabei stets in ihrem Zeichenstil und durchbrechen damit die restliche Welt. Teils fallen die Cartoon- und Comicfiguren recht detaillos aus und wechseln ihr Erscheinungsbild hin und wieder. Das stört jedoch nicht, sind sie ja nur ein Produkt der Vorstellungskraft von Paul Dini.

Noch mal anders fällt der Stil aus, als Sandman einen Gastauftritt hat.

Farblich passt sich der Comic stets dem Geschehen an: Es finden sich farbenfrohe und düstere Passagen, manchmal ist die ganze Umgebung in schwarz-weiß gehalten, während Paul Dini und seine Besucher durch Farben hervorgehoben werden. Genauso gibt es Passagen in der Realität, welche in einem Farbton gehalten sind – zum Beispiel gelb – um die Stimmung hervorzuheben.

Damit unterstützen Zeichenstil und Farbgebung den Eindruck, dass der Leser stets die Wahrnehmung von Paul Dini übernimmt, quasi mit seinen Augen die Welt erleben.

Fazit

Es ist schwer The Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte eine schlichte Wertung wie unterhaltsam oder Plichtkauf aufzudrücken. Bei dem autobiografischen Comic handelt es sich nicht um ein schlichtes Unterhaltungsmedium. Es ist ein tiefer Einblick in Paul Dinis Wahrnehmung und Leben. Daher entzieht es sich mir jeglicher in Worte fassenden Wertung.

Wer hier eine normale Batman Geschichte erwartet, sollte die Finger davon lassen. Möchte jedoch jemand einen Comic lesen, der sich damit beschäftigt, wie fiktive Welten unser Leben beeinflussen und wie wir selbst das Leben anderer beeinflussen, ohne es zu wissen, der sollte bei diesem Werk nicht zurückschrecken.

 

The Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte
Verlag: Panini
Autor: Paul Dini
Illustrator: Eduardo Risso
Seiten: 128
 

Dark Night: Eine wahre Batman-Geschichte

Price: EUR 16,99

4.6 von 5 Sternen (5 customer reviews)

49 used & new available from EUR 12,99

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden