Über Metalgötter und plumpe Vorurteile


Wenigstens Joe lässt es ordentlich krachen, als er auf der Bühne steht. Aber Brian scheint mit den Gedanken ganz woanders zu sein, seit ihm im Streit die Sicherung durchgebrannt ist und mein schlechtes Würfelergebnis trägt auch nicht gerade zur Entspannung der Situation bei. Ich kann jetzt wählen. Wenn ich herausfinden will, was bei Brian abgeht, kann ich bei 375 weiter machen. Wenn ich wissen will ob meine Show erfolgreich war bei 210 und wenn ich nur Fragezeichen sehe bei 75.

75

Falls ihr euch wundert: ich bin gerade dabei Metal Heroes – The Fate of Rock zu spielen. Dabei handelt es sich um ein Abenteuerspielbuch. Ja, richtig, die Dinger die man irgendwann mal gespielt hat, bevor man zum richtigen Rollenspieler wurde und sich mit echten Menschen getroffen hat. Und bei dem der Held die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, während der Spieler selbst eine viel bessere Idee hätte, die Situation zu lösen. Der Klassiker bei mir war damals der “Hexenmeister vom flammenden Berg”, bei dem ich mich stundenlang durch ein Labyrinth gekämpft habe. Als Spieler beim “richtigen” Rollenspiel wäre der SL nach etwa 30 Minuten per Mehrheitsentscheidung abgewählt worden, aber im Spielbuch folge ich treu den kleinen Zahlen am Ende eines Abschnittes. Wenn ihr wissen wollt ob das bei Metal Heroes – The Fate of Rock anders ist, dann lest bei 222 weiter. Wenn ihr euch fragt ob sich die klassische Rollenverteilung mit der Zeit verändert hat bei 375, ansonsten könnt ihr noch einen Abstecher zu Abschnitt 210 machen.

222

chose your skill

chose your skill

Ja, bei Fate of Rock liegt die Sache ein bisschen anders. Normalerweise erstellt ihr in einem Abenteuerspielbuch einen Helden. Hier habt ihr gleich eine ganze Band, die nur darauf wartet, aufzutreten, und die dazu noch zwischen den Proben und Showeinlagen mit allerlei schwarzer Magie konfrontiert wird. Eure Aufgabe ist nichts geringeres als den Metal zu retten. Richtig gelesen: Denn wie wir alle wissen ist der Metal ja vom Aussterben bedroht. So das Szenario in Metal Heroes.

Ihr kommt per Zufall an fast göttliche Kräfte und müsst nun eine Bande halbstarker Jungs zum absoluten Durchbruch verhelfen. Wie das geschieht ist dann wiederum fast klassisch. Jedes Bandmitglied hat eigene Werte und besondere Gegenstände. Bei einem Auftritt der Band müsst ihr würfeln und könnt je nach Harmonie innerhalb der Bandauch Würfe wiederholen oder verbessern. Die Regeln dazu sind nicht besonders kompliziert, aber das Spiel lässt sich ohnehin definitiv nicht unterwegs in der Bahn oder im Bus zocken. Dafür ist das Buch einfach zu umfangreich und das ständige Umblättern, um wichtige Textpassagen zu finden, hilft auch nicht unbedingt. Von zu Hause aus, das richtige Maß an Langeweile und keine Freunde, sowie keinen PC vorausgesetzt, lässt sich aber gut durchstarten. 

Beim Anspielen des Buches von Sven Harder fielen für mich allerdings mehrere Punkte negativ ins Gewicht. Weiter bei 375, ansonsten 210

375

metal

Explosionen, Musik und so…

Brian hat ausschließlich Augen für die vollbusige Bitch in der zweiten Reihe, deren Höschen so kurz ist, dass es kaum noch in das Spektrum der Wahrnehmung fällt. Ein Anblick, der spontane Hintzewallungen bei ihm auslöst…  Jaa… genau… und so. Das ist das wohl größte Manko des Buches. Der Text hält sich die ganze Zeit ungefähr auf diesem Niveau auf – öfter auch Mal darunter. Das kann ganz nett sein, wenn man gerade elf Jahre alt ist oder sich für eine führende Position in den USA bewirbt, aber als Abenteuerspielbuch, welches sich an die Metalszene richtet, halte ich diese Gestaltung für absurd.

Das Buch suggeriert auf diese Weise, dass der typische Metalhead genau so denkt und redet. Selbst als Humor getarnt kommt der Witz da nicht bei mir an. Frauen nehmen in Metal Heroes eine belanglose Nebenrolle ein. Belanglos in dem Sinne, als dass sich alles auf ihre Körper beschränkt und sie zu den musikalischen Teilen des Buches keinen Beitrag leisten. Das Buch packt aber noch mehr Klischees aus. So sind Leute aus der Goth-Szene die natürlichen Widersacher der Band und versuchen, diese zu sabotieren. Aber das ist natürlich die Ordnung der Dinge, wissen wir ja alle.

Das erzeugt beim Lesen ein ziemlich eindimensionales Bild. Ich wage  zu behaupten, dass sich gerade in sozialen Berufen sehr viele Metalheads  tummeln und diesen tumben Klischees  so gar nicht entsprechen. Diese finden sich bei Metal Heroes leider nicht wieder. Es scheint mir eher die Vorstellung von jemandem zu sein, der mit der Szene nicht viel am Hut hat, die billigen Lacher aber auf seiner Seite wissen will. Bei mir stellt sich am Ende die Frage, an welches Zielpublikum sich das Buch eigentlich richten soll. Mich hat nach einem Drittel das interesse verlassen, da ein plumper Absatz dem nächsten folgte. Weiter bei 210

210 und Fazit

Am Ende addiere ich die Punkte des Auftritts zusammen und gleiche sie mit verschiedenen Tabellen ab. Wenn ich möchte kann ich auch noch die CD aus dem Buch einlegen. Ab und an gibt es kleine Songaufgaben, bei denen ich genau hinhören muss. Das kann ich mir aber auch sparen, da sie mit etwas Knobelei auch so zu lösen sind. Das Ergebnis ist dabei sehr durchwachsen. Metal Heroes – The Fate of Rock ist als Abenteuerspielbuch reine Geschmackssache. Mich hat es nicht vom Hocker gehauen und vor allem die billigen Klischees haben mir gründlich den Spaß verdorben.

Das Genre des Spielbuches ist nicht gerade spektakulär. Wer damit punkten will, muss mit einer frischen Idee ankommen und vielleicht mit dem ein oder anderen Klischee brechen, damit das Interesse wirklich geweckt wird. Bis das jemand geschafft hat, bleibe ich lieber bei meinen Tisch und TS-Runden.

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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  • Beim ersten Absatz dachte ich noch, dass das vielleicht ne ganz witzige Idee ist, aber offensichtlich ist dabei nur großer Käse herausgekommen. Schade drum.