Inspiration für Spielleiter: Raumschiffgrundriss für Sci-Fi und Fantasy


Ein Raumschiff bietet zahlreiche Möglichkeiten für eine Geschichte – vom klassischen Spacefiction bis hin zu einem Fantasysetting kann der Grundriss eines Raumschiffs vielseitig genutzt werden. Erkunden wir also gemeinsam die Seldom, ein variables Weltraumgefährt.

Das mittlere Stockwerk des Raumschiffs Seldom mit dem Cockpit und dem Gefechtsstand. (Bild rechtefrei freien Verfügung)

Das mittlere Stockwerk des Raumschiffs Seldom mit dem Cockpit und dem Gefechtsstand. (Bild rechtefrei zur freien Verfügung)

Zunächst einmal eine kleine Beschreibung unseres Raumschiffs: Es handelt sich bei dem von mir angefertigten Grundriss um ein kleines bis mittelgroßes Frachtschiff mit zwei Geschütztürmen (5). Es erstreckt sich über drei Decks und besitzt einen größeren Frachtraum.

Das Haupttriebwerk (10) am Heck macht die Seldom zu einem wahren Sprinter, weshalb sie für schnelle Auslieferungen perfekt geeignet ist. Die beiden seitlich angebrachten Triebwerke (11) sorgen dafür, dass dieses Raumschiff wendig durch Asteroidenfelder hindurchschlüpfen kann und in Gefechten keineswegs eine leichte Zielscheibe abgibt. Mit stärkerer Bewaffnung wäre die Seldom wohl eine durchaus gefährliche Korvette.

Im mittleren Hauptdeck befindet sich das Cockpit (1) mit einer überragenden Rundumsicht dank mehrfach verstärkter Außenfenster. Zum Piloten gelangen wir durch den Computer- und Geschützraum (2). Hier befinden sich die Gefechtsstationen, zusammen mit den Navigatoren und wer sonst noch dem Piloten zuarbeitet ohne das Raumschiff selbst zu steuern.

Dahinter beginnt eine Balustrade, die zuerst nach unten hin abgeschlossen und dann mit Gitterboden über den Frachtraum (4) geht. Über eine Treppe gelangen wir nach unten zur Laderampe und zur Schleuse.

raumschiff-grundriss-seldom-3

Im oberen Stockwerk befinden sich die Mannschaftskabinen und der Maschinenraum. (Bild rechtefrei zur freien Verfügung)

Vom mittleren Deck ausgehend gelangen wir aber auch über zwei Leitern (3) auf das Oberdeck. Dort befindet sich neben den Mannschaftskabinen (7) der Maschinenraum (8). Über dem Gefechtsraum ist ein weiterer Bereich (6) angesiedelt, der als Kapitänskajüte, Observatorium, einem weiteren Gefechtsstand oder etwas völlig anderem dienen kann.

Zu was brauche ich jetzt ein Raumschiff?

Die offensichtliche Anwendung dieses Schiffs liegt auf der Hand:  Im Rahmen eines Spacefiction P&P kann es Spielern entweder als eigenes Raumschiff, zu kaperndes Feindschiff oder erkundbares Wrack dienen.

Und genau da eröffnen sich uns auch zahlreiche Möglichkeiten für andere Settings. Das Schiff könnte grundsätzlich überall abgestürzt sein. Euer System ist in einem mittelalterlichen Setting angesiedelt? Lasst es wie einen mysteriösen Dungeon wirken: Türen öffnen sich von selbst, magische Lichter erhellen die Räume und unbekannte Materialien zieren die Wände. Außerdem attackieren seltsame Metallgolems die Charaktere mit mächtigen Feuerstrahlen. Schon erscheint die Technologie aus einer anderen Welt wie reine Magie.

Und ich habe es bereits angesprochen: Ein Raumschiff eignet sich hervorragend als Dungeon – Räume, Gänge und (magische) Schätze. Nun braucht ihr nur noch etwas Spannung durch Kämpfe. Es könnten sich natürlich noch Teile der Crew an Bord befinden, die für Außenstehende wie Monster wirken könnten. Alternativ können Verteidigungsmaßnahmen wie zum Beispiel Selbstschussanlagen, Kampfroboter oder Laserschranken zum Schutz vor unerwünschten Eindringlinge noch intakt sein. Vielleicht treten in bestimmten Bereichen aber auch gefährliche Substanzen oder gar mutagene Strahlung aus oder es kommt zu unkontrollierten Entladungen. Eure Möglichkeiten sind da fast schon unerschöpflich. Euch fällt da sicherlich auch noch etwas anderes ein.

Die Perspektive ist entscheidend

Das unterste Stockwerk ist dem Lagerraum und der Laderampe/Schleuse vorbehalten. (Bild rechtefrei freien Verfügung)

Das unterste Stockwerk ist dem Lagerraum und der Laderampe/Schleuse vorbehalten. (Bild rechtefrei zur freien Verfügung)

Wichtig ist bei einem beschädigten Raumschiff als Dungeon, dass ihr das Schiff auch wirklich beschädigt. Die Spieler könnten über ein Sprengloch eindringen, statt den eigentlichen Eingang über die Laderampe zu nutzen. Das Schiff könnte auch auf dem Kopf stehen, sodass die Decke zum Boden wird und umgekehrt.

Gerade wenn ihr euch innerhalb eines Setting abseits von Science-Fiction bewegt, sollte die Seldom nicht sofort von euren Spielern als Raumschiff erkannt werden. Beschreibt also lieber das Aussehen, wie die Charaktere es sehen, und greift nicht auf heutige Terminologien zurück. Es hängen keine Kabel von der Decke, sondern seltsam anmutende Schnüre, die wie Adern oder Wurzeln aus der Decke quillen. Überlegt euch also unbedingt vorher, welche Formulierungen ihr nutzen mögt, sonst fehlen euch nachher die Worte.

Achja, und sollte euch die Seldom als Dungeon zu klein sein, verändert einfach den Maßstab. Dann noch schnell ein paar Gänge und Wände gezogen, schon habt ihr ein größeres Raumschiff als Vorlage. Alles also perfekt an eure Bedürfnisse anpassbar.

Dann auf zu neuen Welten, die finsteren Gänge eines mystischen Ortes erkunden oder ein Wrack geplündern.

Übrigens: Als Wrack könnt ihr die Seldom beispielsweise perfekt für Numenera nutzen, ohne euch großartige “Ausreden” zu überlegen. Dort treffen ja ohnehin verschiedene Technologien aufeinander.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden