Beispielgegner: Der Schwarze Herold


Er ist nicht derjenige, der im Hintergrund das Sagen hat, doch ist es jener, den alle kennen. Ohne Skrupel führt er die Befehle seines Meisters aus, verbreitet Angst und Schrecken, und ohne ihn hätten die Helden das Böse unlängst besiegt.

Wer hier nach Beispielen sucht, kann sich den Hexenkönig von Angmar, Darth Vader und derzeitig augenscheinlich auch Kylo Ren anschauen. Doch auch der klassische schwarze Ritter (z.B. der Guinea Lord aus Ritter des Verlorenen Landes) mag die eine oder andere Orientierung bieten.

Ausrüstung

Auffällig ist ein meist sehr einprägsames Aussehen durch eine entsprechende Rüstung bzw. Kleidung. Hier sind die Beispiele passend zum Namen sogar alle schwarz gekleidet, doch ist dies kein notwendiges Merkmal. Das Gesicht ist in der Regel unter einer Maske oder einem Helm verborgen, um möglichst unmenschlich zu wirken.

Waffentechnisch bewegt sich der Schwarze Herold in der Regel im Nahkampf und beherrscht den einen oder anderen magischen Trick. Nicht selten ist er in Begleitung von niederen Schergen oder tierischen Gefährten wie Hunden anzutreffen.

Im Kampf geht er gerne mit rasanten kräftigen Schlägen vor. Erst, wenn er den Gegner am Boden weiß, lässt er sich zu Spott hinreißen. Orientiert euch im Optimalfall bezüglich der richtigen Punktevergabe an Gegnern aus Kaufabenteuern. Gibt es so etwas nicht oder liegt keines auf der entsprechenden Schwierigkeit vor, legt den Schwarzen Herold lieber etwas schwerer an. Im Notfall könnt ihr hier noch immer während des Kampfes herunterregeln.

In Bezug auf seine Bewaffnung würde sich hier die Möglichkeit anbieten, etwas Besonderes zu entwerfen. So könnte es sich beispielsweise um eine Waffe handeln, die neben verlockenden Werten noch eine außergewöhnliche Eigenschaft besitzt und der Heldengruppe als mögliche Belohnung winkt.

Achtung: Außergewöhnliche Ausrüstungsgegenstände können schnell dazu führen, dass sich 1) die Gruppe unter Umständen streitet und 2) künftige Abenteuer zu leicht ausfallen könnten. Daher sollte die Belohnung nur für das derzeitige Abenteuer eine Vereinfachung darstellen oder einen entsprechenden Malus mit sich bringen.

Zum Beispiel könnte die Waffe beim Schlagen Lebensenergie zurückgeben, aber nach einer bestimmten Rundenzahl oder nach dem Kampf mit dem doppelten Schaden auf den Schwertnutzer zurückfallen.

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Der Schwarze Herold sollte seine Menschlichkeit ähnlich wie Kylo Ren unter einer Maske oder einem Helm verbergen. (Kylo Ren in Jedi Training: Trials of the Temple von Quarax CC BY-SA 4.0)

Motivation und Hintergrundgeschichte

Ein Gegenspieler sollte genau wie die Helden eine Motivation haben. Eventuell ist er wirklich davon überzeugt, das Richtige zu tun. Somit wären für ihn die Helden diejenigen, deren Handeln es um jeden Preis zu unterbinden gilt. Vielleicht ist ihm das Leben der anderen aber auch einfach egal, da er längst seinem Wahn verfallen ist und nur die Worte des Meisters allein noch irgendwie von Bedeutung sind.

Ebenso könnte eine tiefere Beziehung zwischen Meister und Schwarzer Herold bestehen, die von einem verwandtschaftlichen bis zu einem romantischen Verhältnis alles abdecken kann. Auch der Schutz der eigenen Familie oder der Geliebten kann im Vordergrund stehen und ihn dazu veranlassen, für seinen Meister zu arbeiten.

Inwiefern die Gruppe schlussendlich die Motivation des Schwarzen Herolds bis ins letzte Detail aufdeckt, spielt eine untergeordnete Rolle. Sie soll vor allem dem Speilleiter helfen, sich in die Figur hineinzuversetzen und deren Handlungen nachvollziehbar und konsequent zu gestalten.

Neben der Motivation sollte eine interessante und fast mythologische Geschichte um den Schwarzen Herold gewoben werden, die keinesfalls vollständig der Wahrheit entsprechen muss. Der Schwarze Herold ist in der entsprechenden Welt bekannt und selbst wenn es nur Gerüchte sind, die sich die Menschen abends am Wirtstisch zuraunen.

Spielt der Heldengruppe früh Informationen über den Schwarzen Herold zu. Einige können stimmen, andere nicht. Lasst euch jedoch Zeit, bis sie ihm wirklich gegenüberstehen. Das Mysterium um diese Figur macht einen Großteil seiner Wirkung aus. Daher macht sich ein Titel, wie bereits vorangegangene Charaktere sie tragen, deutlich besser als ein richtiger Name.

Vor- und Nachteile

Der Schwarze Herold ist insbesondere für längere Kampagnen geeignet und bietet der Heldengruppe ein klares Feindbild, ohne dass der Hauptgegner all zu früh offenbart werden müsste. Das erste Aufeinandertreffen lehrt die Helden, dass sie nicht übermächtig sind.

Ein Nachteil hierbei ist natürlich, dass sich übermütige Helden schnell in den Tod stürzen könnten. Sollten Heldengruppe und Herold häufiger aufeinandertreffen, muss der Spielleiter ein wenig Kreativität beweisen. Wenn er der Gruppe zu dem Zeitpunkt noch deutlich überlegen ist, warum tötet er sie nicht? Es macht keinen Sinn, dass er sich grundlos zurückzieht. Botschafter, die dem Herold wichtige Nachrichten überbringen, die ihn zu einer zügigen Abreise bewegen oder auch Naturgewalten können hier Abhilfe schaffen.

 

Anmerkung: Das Titelbild Carn Dûm stammt von Matěj Čadil

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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  • John Doe

    Interessante Zusammenfassung einer wichtigen Antagonistenfigur. Und du hast einen wichtigen Punkt angesprochen, bei dem es mir auch schwerfällt, den umzusetzen: Wie kann ich es zu einer Konfrontation kommen lassen, bei der aber weder der “Schwarze Herold” noch die Helden sterben sollen, sondern nur die zeitweilige Überlegenheit des Gegners demonstriert wird?
    In Bücher, Comics, Filmen und auch Computerspielen ist das nicht das Problem, weil es keine starke Trennung zwischen Figuren gibt, wie das mit SC und NSC der Fall ist. Da schießt dann halt mal jemand auf ein Steuerrungpad, die Branschutztür schnappt zu, dem Bösewicht ist der Weg versperrt und die Helden können fliehen. Eine übeliche und legitime Lösung, die aber im Rollenspiel niicht bis mäßig funktioniert: Wenn man das einen NSC machen lässt, dann hat das einen faden Beigeschmack, weil den SC die Initiative weggenommen wird. Und ob die Spieler selbst auf die entsprechende Idee kommen ist nie sicher.
    Die Möglichkeiten die FATE den Spieler und damit auch ihren SC bietet sind ideal dazu so eine Situation aufzulösen, die entsprechende Kreativität vorausgesetzt, aber in anderen Systemen nutzt einem das herzlich wenig.

    • Felix Mohring

      Eine wahrlich berechtigte Frage. Ich habe nun zwar den Artikel nicht geschrieben, möchte aber eine Gegenfrage stellen: Warum sollten sich Spieler nicht auch auf eine Flucht verlassen können? Ich finde, in jedem Kampf sollte den Spielern bewusst sein, dass sie den Kampf auch meiden oder abrechen können. Dann könnte dein Beispiel oben passen. Der Herold ist vielleicht anfangs langsamer als die SCs und ermöglicht so erst die Flucht. Um die Bedrohung und Lösungsfindung aber zu erhöhen bzw. zu beschleunigen sollte er recht schnell wieder aufholen. Also müssen die SCs etwas finden, wie sie ihn aufhalten können, um ihm dann zu entkommen. Dann könnte wieder deine Feuertür zum Einsatz kommen oder der Einsatz eines Zaubers, um über eine Klippe zu kommen… Die Kreativität der Spieler sollte nicht unterschätzt, aber gleichzeitig auch gefördert werden. Wenn die Spieler sich rein auf ihr Würfelglück verlassen und sich jedem Kampf aufgrund von Erfahrungspunkten und “Der Spielleiter wird uns ja wohl kaum jemanden vorsetzen, den wir nicht besiegen können” stellen, muss man seine Spieler eventuell auch etwas erziehen.
      Und ganz wichtig: der Herold sollte nicht unbesiegbar sein, aber den Helden aufgrund von Fähigkeiten und eventuell auch Truppen haushoch überlegen. Mit viel Würfelglück und einer sehr guten Strategie sollte auch er besiegbar sein, nur sollte das nur mit großen Verlusten geschehen und mit viel Glück zusammenhängen.