Ein gelungener Spieleabend: musikalische Untermalung


Filmemacher tun es, Gamedesigner tun es auch und in Hörspielen ist es sowieso üblich: hintergründige Musik, um Atmosphäre aufzubauen. Warum also nicht auch am Spieltisch? Doch woher nehmen? Hier kommen ein paar Tipps, wo ihr kostengünstig oder gratis an Musik rankommt – natürlich alles legal!

Verbessert Musik immer die Atmosphäre?

Tatsächlich ist die Nutzung von Musik am Rollenspieltisch auch kritisch zu sehen. Klar ist, dass Filme und Videospiele ohne Musik teilweise sehr fad rüberkommen, auch wenn es sogar einige recht gute cineastische Versuche ohne zusätzliche Soundtracks gibt. Nichtsdestotrotz gibt es diverse “Probleme” mit der Musik am Rollenspieltisch. Aber auch am Brettspieltisch kann Musik abseits des Hintergrund-“Gedudels” störend werden. Einen ausführlicheren Text zur Nutzung von Musik habe ich bereits als Inspiration für Spielleiter geschrieben. Nun aber hin zu möglichen Diensten für eure musikalische Untermalung.

Die eigene Sammlung

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe mir in den letzten Jahren eine passable Musiksammlung angelegt. Zumindest so passabel, dass ich für so ziemlich alle Genres etwas habe. Gerade im Bereich der Soundtracks habe ich einige Sachen angehäuft. Der Vorteil bei einer eigenen Sammlung: Ihr könnt sie immer mitnehmen, sofern ihr sie auch digitalisiert habt. Vom Handy, Tablet, PC oder sogar über die Anlage abgespielt und schon habt ihr eure Musik parat.

Aber ihr kennt das: Egal wie groß die eigene Sammlung ist, ihr findet trotzdem häufig nicht das Richtige. Also greifen wir auf die Weiten des Internets zurück.

Streaming, aber mit Werbung

Ihr alle kennt sicherlich Streamingdienste wie Spotify oder Deezer. Hierüber könnt ihr Millionen an Liedern streamen und findet auf jeden Fall immer etwas Passendes. Von der Disco-House-Musik für einen actiongeladenen Kampf bei Shadowrun über Countryklänge für euer Westernsetting bis hin zu epischen Soundtracks für den Hintergrund. Der Nachteil an Spotify ist ganz klar: Entweder ihr bezahlt Geld oder müsst mit Werbung leben. Außerdem braucht ihr immer eine zuverlässige Internetverbindung – oder ihr zahlt Geld.

Großer Vorteil bei Spotify: Es gibt zahlreiche vorgefertigte Listen, die teilweise sogar nach Stimmung eingeteilt sind. Ihr müsst also nur eine Liste anklicken und schon kommt (hoffentlich) die richtige Musik. Wir haben übrigens auch einen Spotify-Account, mit dem wir immer mal wieder entsprechende Listen anlegen, wie beispielsweise für eure Gruselrunde. Die dürft ihr natürlich gerne nutzen.

Streaming inklusive

Wenn ihr wie ich Amazon Prime Kunde seid, könnt ihr auf ein passables Angebot von Titeln bei Amazon Prime Music zurückgreifen. Hier findet ihr vor allem einige Soundtracks von Warner Bros. und auch zahlreiche Soundtracks von Videospielen. Ich höre hier beispielsweise sehr gerne Soundtracks der Batman Arkham-Reihe oder aus der Batman Animated Series. Aber ich denke, ihr findet selbst noch einiges mehr.

Der Vorteil von Amazon gegenüber Spotify und Co. liegt auf der Hand: Da ihr ohnehin schon für Amazon Prime bezahlt, ist das Angebot mit im Paket enthalten und ihr werdet nicht immer wieder von Werbung drangsaliert. Außerdem wird eure gekaufte Musik ebenfalls hier “gelagert”, sodass ihr schnell darauf zugreifen und sie sogar herunterladen könnt. Nachteilig ist, dass es keine Downloadfunktion gegen Monatsgebühr gibt. Dafür müsst ihr auf den neuen Dienst Amazon Music Unlimited zurückgreifen, der aber wiederum eine zusätzliche monatliche Gebühr kostet und deshalb hier eigentlich keine Erwähnung finden sollte (deshalb auch kein Link).

Streaming kostenlos und ohne Account

Wenn ihr nun keine Werbung, keine Kosten und keinen neuen Account erstellen wollt, kann ich euch Jamendo sehr ans Herz legen. Für den privaten Gebrauch könnt ihr hier Musik gratis streamen, ohne dass ihr einen Account erstellen müsst. Wollt ihr die Musik ebenfalls gratis herunterladen, führt allerdings nichts an einem Benutzerkonto vorbei. Ihr könnt auf Jamendo sehr gezielt nach Musik suchen: Sortiert nach Instrumenten, Genre und Stimmung. Ihr findet also eigentlich immer etwas, das ihr nutzen könnt.

Und besonders schön an Jamendo ist, dass ihr unbekannte Künstler damit unterstützen könnt, die ihre Musik unter der Creative Commons Lizenz zur Verfügung stellen.

Musik über die Videoplattform

Dass YouTube längst nicht mehr nur für Videos genutzt wird, ist uns wohl allen klar. Es gibt sogar zahlreiche Künstler, die ihre Musik gezielt über YouTube vertreiben beziehungsweise bewerben. Einige Musiker sind sogar erst dank der Videoplattform bekannt geworden. Besonders empfehlen möchte ich hier zwei Gruppen. Die Piano Guys überzeugen mit Cover-Versionen und Neuinterpretationen von Pop- und Classic-Hits mit Klavier und Cello. Manchmal holen sie sich anderen “YouTube-Musiker” wie beispielsweise Lindsey Stirling dazu. Aus Deutschland mag ich Fewjar sehr gerne, die ihre eigene Musik über YouTube bewerben. Sie ordnen sich im selbsterfundenen Polygenre ein, mischen also verschiedene Genres, um etwas komplett neues zu erschaffen. Ihre Musikvideos erzählen sogar ziemlich gute Geschichten, die ihr am Rollenspieltisch nutzen könntet. Nur so als kleiner Hinweis.

Vollständig? Niemals!

Es gibt im Internet noch zahlreiche weitere Tools, mit denen ihr musikalische Untermalung für euren Spieleabend finden könnt. Gerade für Pen&Paper finden sich noch viele Programme und Apps, mit denen ihr auch Geräuschuntermalung wie Stimmengemurmel oder Waldgeräusche unterbringen könnt. Das ist aber ein anderes Thema. Anders gesagt: Dieser Text ist auf keinen Fall vollständig und soll euch auch nur ein paar Anreize geben, wo ihr Musik finden könnt.

Und noch etwas: Die Erwähnung bestimmter Seiten und Dienste wurde nicht bezahlt. Sie kommen nur deshalb hier vor, weil ich sie selbst gerne nutze.

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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  • Balduin

    Es ist übrigens nicht leicht, in der Desktop-App von Spotify einem User zu folgen. So geht es: In der Suche “spotify:user:nonplayablecharacters” eingeben, folgen, fertig.

    • Felix Mohring

      Danke für die hervorragende Anleitung 😉