Beispielcharaktere: (B)Romance


Passend zu unserer kleinen Valentinstagswoche präsentieren wir euch heute ein Doppelkonzept für zwei Beispielcharaktere, die sich ideal ergänzen. Und was eignet sich da besser als Inspiration als die bekannteste Bromance der Fantasy: Legolas und Gimli.

Wir wollen diese beiden Figuren aus dem Herr der Ringe-Universum aber nur als Inspirationsquelle und Ansatz nutzen. Ihr bekommt im Folgenden mehrere Konzepte etwas detaillierter beschrieben, die zumindest auf den Beiden aufbauen.

Legolas

Legolas zeichnet sich ganz klar durch seine Treffsicherheit mit dem Bogen aus. (©Warner Bros.)

Grundlegend sind Legolas und Gimli eigentlich “Rassenfeinde”. Ihr kennt das: Elfen finden Zwerge zu plump, grob und destruktiv mit Blick auf die Natur. In den Augen unserer kleinen und bärtigen Freunde sind die Spitzohren “Baumknutscher”, überheblich und viel zu verweichlicht. Dennoch kommt man für gewöhnlich nicht umhin, zu erkennen, dass sich diese beiden Fantasy-Völker in ihrer Unterschiedlichkeit eigentlich optimal ergänzen. So auch bei Legolas und Gimli. Die Beiden werden im Laufe ihrer gemeinsamen Abenteuer zu richtig guten Freunden. Vor allem abseits der Filme entwickelt sich so eine Freundschaft zwischen zwei Männern, die man heutzutage wohl als Bromance bezeichnen würde.

Zusammen sind die beiden unschlagbar: Legolas, der flinke und elegante Bogenschütze, hält Gimli, dem kraftvollen und furchteinflössenden Krieger, den Rücken frei. Zusammen mähen sie geradezu durch die Gegnermassen. Aber auch ein Blick auf ihre anderen Eigenschaften zeigt, dass sie sich gegenseitig unterstützen können. Legolas kennt sich perfekt in der belebten Natur aus, Gimli ist hingegen ein Experte in Höhlen – beides nun stark veeinfacht.

Mein Feind ist mein Feind und wird mein Freund?

In der Schlacht ist Gimli mittendrin und dominiert seine Feinde mit seiner Axt.

In der Schlacht ist Gimli mittendrin und dominiert seine Feinde mit seiner Axt. (©Warner Bros.)

Greifen wir also die beiden wichtigsten Aspekte von Legolas und Gimli auf und münzen sie in ein neues Konzept; egal welches Setting ihr spielt: Sobald es mehrere Rassen gibt, haben die Designer in der Regel auch mindestens eine Feindschaft zwischen zwei Völkern eingebaut – sei es aufgrund von Vorurteilen, sei es aufgrund eines (vergangenen) Krieges oder aufgrund anderer Tatsachen. Sollte dies nicht zutreffen, könnt ihr auch selbst eine persönliche Abneigung für eure Charaktere mit einfließen lassen. 

Nun müsst ihr euch entscheiden, ob ihr diese Antipathie ausspielen wollt oder bereits als Freunde beginnt. Das Ausspielen hat natürlich so seine Stärken und Schwächen. Die Stärke ist klar die, dass alle anderen Spieler mit Fortschreiten des gemeinsamen Abendteuers auch verstehen, warum die beiden Figuren nun zusammengefunden haben. Außerdem kann es wahnsinnig viel Spaß machen. Der große Nachteil ist, dass ihr mit euren Streitereien den Rest der Gruppe nerven könnt. Außerdem müsst ihr dann immer im Hinterkopf behalten, dass ihr eigentlich irgendwann den Streit überwinden müsst und als eingespieltes Team funktioniert.

Daher rate ich dazu, dass ihr in der Regel schon gemeinsam ein paar Abenteuer erlebt habt und dabei mindestens euren gegenseitigen Hass überwunden habt. Wenn ihr das aber unbedingt ausspielen wollt, dann bittet euren Spielleiter doch, ein paar Einzelabenteuer für euch zu machen, bei denen ihr vielleicht den Rest der Gruppe immer mal wieder “streift”. Das kann sehr herausfordernd für den Spielleiter und die Spieler gleichermaßen sein. Vor allem eine Frage wird euch immer umtreiben: Warum zum Geier arbeiten wir überhaupt zusammen, wenn wir uns eigentlich nicht ausstehen können?

Ich kann etwas, was du nicht kannst

Der zweite wichtige Aspekt sind die ergänzenden Eigenschaften und Fähigkeiten, ohne dass jeder für sich komplett aufgeschmissen wäre. Das beginnt im Kampf mit dem “Bodyblocker”-Nahkämpfer und dem Fernkämpfer, geht über zu den Eigenschaften bis hin zu charakterspezifischem Wissen und besonderen Fähigkeiten.

Ab hier ist es wohl einfacher, wenn ich ein paar konkretere Beispiele forme. Allerdings müsst ihr immer eine Sache bedenken: In grundlegenden Fähigkeiten wie beispielsweise Schwimmen oder Klettern sollten beide in etwa das gleiche Niveau haben oder zumindest passable Werte besitzen. Ansonsten ist einer immer dem anderen ein Klotz am Bein. Das ist keine perfekte Ergänzung. Das ist lästig. Prüft also für euer System, welche Eigenschaften und Talente immer wichtig sind und bei dem ihr in der Regel auch die Probe schaffen sollten.

Gimli und Legolas habe ich oben bereits zur Genüge beschrieben, weshalb ich hier nun noch ein paar andere mögliche Kombinationen anbieten möchte.

Die Magierin und ihr Leibwächter

Djerůn und Andôkai die Stürmische aus Die Zwerge von Markus Heitz. Zwar sind die Menschen und Acronta per se keine Feinde, aber eigentlich sind in den Augen der mächtigen Kreaturen alle anderen Wesen einfach nur Opfer. Insofern kann man dieses Gespann durchaus ursprünglich als nicht befreundet ansehen.

Djerun ist mehr also nur eine furchterregende Erscheinung. (©KingArt Games)

Djerůn ist mehr also nur eine furchterregende Erscheinung. (©KingArt Games)

Dennoch ist der beeindruckende Krieger Djerůn der Magierin treu ergeben. Er ist ein Krieger durch und durch, baut auf seine Kraft und Stärke, ist aber sowohl in der Wildnis als auch in Siedlungen nicht vollständig aufgeschmissen. Allerdings solltet ihr euch dafür einen Aspekt von Djerůn nicht aneignen: Er spricht die allgemeine Sprache nicht und kann sich so nicht verständigen. 

Andôkai ist eine Magierin durch und durch, aber keine der bücherwälzenden Stubenhocker. Sie ist ebenso gut körperlich trainiert wie mächtig mit ihren Zaubern. Im Gegensatz zu ihrem Leibwächter besticht sie aber durch einen offensichtlichen hohen Intellekt und ein großes Wissen über das Land, Mystik und die Menschen. Sie ist daneben auch eine charismatische Erscheinung und gleichzeitig meinungsstark.

Ob ihr dieses Gespann nun als reine Freundschaft oder sogar als interaktive  Beziehung entwickelt, bleibt euch überlassen. Eine ähnliche Möglichkeit wäre hier auch abseits von Magie mit einer gelehrten Erkunderin und einem Kämpfer zu arbeiten. Grundsätzlich ist diese Kombination gut, zwei scheinbar gegensätzliche Prinzipien perfekt zueinander zu bringen.

Die Schöne und das Biest

Jeder kennt das Disney-Märchen, und das nicht erst seit der Neuverfilmung mit Emma Watson. Auch wenn es sich hierbei eigentlich um eine Liebesgeschichte handelt, könnt ihr das Grundprinzip auch gut für das Pen&Paper nutzen. Hier ergeben sich zwei natürliche Gegensätze, die nicht unbedingt von der Herkunft ausgehen müssen, aber sehr gut können.

Die Schöne überzeugt durch ihre… nunja… Schönheit. Auf diese Weise kann sie Andere in ihren Bann ziehen. Sie ist charismatisch, freundlich und elegant, was auch das Biest bezaubert. Dieses ist im Gegensatz dazu eher hässlich, furchteinflößend und kommt gegebenenfalls auch etwas plump daher. Eleganz sucht man vergebens. Dennoch sieht die Schöne etwas in ihrem Biest, was die beiden eng miteinander verbindet, ob nun in Liebe oder Freundschaft.

Dieses Konzept hat Jasmin bereits ausführlich ausgearbeitet, weshalb ich an dieser Stelle auf ihren Beitrag Die Schöne und das Biest verweisen möchte. Dennoch weist auch dieses Prinzip in gewisser Weise Ähnlichkeiten mit dem von Legolas (“der Schöne”) und Gimli (“das Biest”) auf, oder?

Spezialisieren oder was?

In gewisser Weise müsst ihr also eure Charaktere spezialisieren, sodass ihr idealerweise erst im Zusammenspiel Hindernisse überwinden könnt. Das bedeutet aber nicht, dass ihr alleine aufgeschmissen seid. Achtet also darauf, dass ihr beide Charaktere nicht zu sehr spezialisiert, sondern jeweils als etwas spezialisierteren Allrounder aufbaut. Das heißt: Ihr müsst euch nun nicht beide in der Stadt oder am Hof perfekt auskennen und vielleicht müssen auch nicht beide charismatisch oder besonders klug sein, aber grundlegende körperliche Fähigkeiten brauchen beide. Erst dann geht das Konzept voll auf und ihr könnt euch in den Bereichen Wissen, Charisma und Kampf wirklich einander ergänzen.

Weitere Beispielcharaktere

Femme Fatale
Kopfgeldjäger
Diebische Finger
Concierge des Verbrechens
Geheimnisvoller Waldläufer

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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