…den Kessel-Run in weniger als 12 Parsecs – Starfire Cantina 3


Am 28.01. 2017 fand das Star Wars Live Rollenspiel im Universum von Knights of the Old Republic statt: die Star Fire Cantina in Führt bei Nürnberg . Wir waren recht neugierig, was uns dort erwarten würde. Daher haben wir uns als Zabrak und Jawa einmal umgesehen. Das KotOR-Universum existiert circa 4000 Jahre vor der Handlung des ersten Filmes “A New Hope “. Die meisten von euch werden es wohl aus den beiden Rollenspiel-Titeln für den PC und dem gleichnamigen MMO kennen.

Im Vergleich zu den LARP-Tavernen, die ich bereits besucht hatte, waren die Preise hier wirklich absolut fair. Die Drinks liebevoll in Star Wars-Manier gestaltet; wie zum Beispiel die gute Blaue Milch, die ich persönlich sehr gefeiert habe. Es gab eine Tänzerin, die ihre Kunst verstand, mandalorianische Söldner, aneinandergeratene Sith und Jedi, die sich durch den vor Ort herrschenden Vertrag irgendwie vertragen mussten. Orkenspalter war an diesem Abend ebenso anwesend und haben einen eigenen Beitrag gedreht.

Cantina Treiben -Foto :Andreas Brönner

Cantina Treiben (© Andreas Brönner)

Ich habe mir nach dem OT Julian von der Spielleitung geschnappt und ihm ein paar Fragen gestellt:

Jey: Erst einmal meine Frage zu den vergangenen Cantinas und das, was sich im Laufe der Zeit verbessert und verändert hat.

Julian: Ok, als das ganze Projekt anfing, ging es erst einmal darum, irgendeine Form von Star Wars Larp zu machen. Es war bei der ersten Cantina in einer Waldhütte und war vom Gewandungsniveau etwas niedriger angesetzt. Man hat gemerkt, dass das ganze Konzept noch nicht ganz ausgereift war. Wir haben das Konzept jedoch von Cantina zu Cantina weiterentwickelt und haben uns als Ziel gesetzt, das nun nicht einfach irgendwie zu machen, sondern wirklich gut.

Was wir vor allem auch auf das Ambiente der Lokation und seine Dekoration beziehen. Wo wir auch versuchen, von mal zu mal etwas draufzulegen. Im Endeffekt machen wir momentan von Cantina zu Cantina Sprünge. Die werden wir später dann irgendwann nicht mehr machen können, da irgendwann so eine Art Obergrenze erreicht sein wird. Aber wir versuchen, unsere Spieler jedesmal mit etwas Neuem zu überraschen, was sie dann entdecken können! Bei dieser Cantina waren es zum Beispiel die neuen 3D-LED-Leuchten. Aber auch sonst können es zum Beispiel ganz unterschwellige Dinge wie z.B. ein witziges Poster sein. Worauf wir Wert legen, ist ein Allround-Ambiente. Es soll eben nicht nur eine hübsche Lokation sein und es hängt irgendwo ein Schild an der Wand oder Ähnliches. Uns ist wichtig, dass es sich nach Star Wars anfühlt, dass diese einzigartige Atmosphäre wiedergespiegelt wird. Das sieht man zum Beispiel an unserem Geschirr: die Becher mit dem Cantina-Aufdruck, Edelstahl statt Porzellangeschirr. Alles soll eben intime sein!.

Fast hätte unser Jawa den Helm gemopst ^^ - Foto: Andreas Brönner

Fast hätte unser Jawa den Helm gemopst. (© Andreas Brönner)

Jey: Dann die Frage, warum KotOR und nicht die New-Hope-Zeitlinie ?

Julian: Das war zu Beginn ein langes Diskussionsthema bei uns. Denn, wenn man es einmal angefangen hat, kann man das Setting nicht mehr einfach so wechseln.

Wir hatten im Endeffekt drei Möglichkeiten. Zuerst ist gleich die Möglichkeit “vier” ausgeschieden, und zwar in der Zeit der Prequels zu spielen. Diese Zeit war für uns nicht interessant, weil sie durch bereits bestehende Settings und den Serien zu vorbelastet war. Vor allem aber auch, weil sie rein optisch von allen Epochen, die man im Star Wars Universum hat, am aufwendigsten zu gestalten wäre.

Wir haben dann weiter überlegt. Wir könnten das Ganze nach der Alten Trilogie spielen lassen. Mit der mit der Ankündigung der neuen Filme wurde uns dann aber ein Strich durch die Rechnung gemacht, weil ja keiner wusste, was mit dem Universum passieren würde. Eine weitere Idee war, es während des Galaktischen Bürgerkriegs zu spielen, also zwischen Episode vier und Sechs.

Da wir ein stark fraktionsbasiertes Konzept für unsere Larps wollten, mussten wir ein Setting finden, in dem Rebellen und Imperiale in einer Cantina zusammen sitzen können, ohne dass es albern wird oder am Ende die Hälfte der Chars das Zeitliche segnet.

Daher haben wir uns schließlich entschieden, das Ganze in der Alten Republik anzusiedeln. Zum Einen gibt es da diesen Kalten Krieg, der sich super im Larp umsetzen lässt, einfach weil Republikaner und Imperiale zusammen in einem Gebäude sein können ohne sich nun gleich über den Haufen schießen zu müssen. Allerdings ist es dennoch möglich, unterschwellige Konflikte auszuspielen, die auch eskalieren können und so für Action sorgen.

Dazu kommt, dass man in der Alten Republik viel mehr gestalterische Freiheiten hat und dass der Hintergrund dieser alten Zeit zwar detailliert genug ist, um danach zu spielen, jedoch nicht derart kanonisch wie beispielsweise der des Galaktischen Bürgerkriegs durch die Comics und Bücher ist, auch wenn sie mittlerweile nicht mehr Kanon sind, sehr geprägt und die Vorstellungen der Larper von dieser Welt sind sehr Starr.

In der Alten Republik haben wir das nicht. Zumal wir mehr Optionen in Bezug auf Hintergründe und Geschehnisse haben. Dennoch können Aspekte aus den Spielen und den wenigen Comics und Büchern dieser Epoche in unsere Plots und Hintergründe einfließen.

Diese verdammte Kiste ^^  - Foto:Andreas Brönner

Diese verdammte Kiste! (© Andreas Brönner)

Jey: Was denkst du über den heutigen Abend?

Julian: Die Eskalation am Schluss war sehr angenehm. Ich bin mit unserer Orga-Leistung zufrieden. Solange man da unten ist und merkt “Ok. Die Leute sitzen nicht einfach so herum und langweilen sich.” und du dann durch diese Räume gehst  und dir denkst “Hey, ich bin wirklich in einer Cantina. Man hat wirklich dieses Star Wars Feeling.”, dann war es für uns eine gute Veranstaltung!

Jey: Zu dem Nicht-herum-sitzen-und-sich-langweilen kann ich nur sagen: Da ich bereits einige Larp-Tavernen oder Kneipen kenne, sei es nun Fantasy, Sci-Fi oder Endzeit, muss ich sagen, dass mir euer Konzept sehr gefallen hat, den einzelnen Spielern bei der Anmeldung einen eigenen Plot zuzuschicken und eigene Informationen um IT-Gespräche zu ermöglichen. Woher stammt diese Idee ?

Julian: Diese Idee haben wir ganz dreist kopiert. Da sind wir auch ganz ehrlich . Wir haben das das erste Mal selber auf einem Game of Thrones Larp erlebt, wo das im Endeffekt ähnlich gehandhabt wurde. Dennoch haben wir das Konzept schon etwas modifiziert, um es dem STAR WARS Setting anzupassen. Das heißt: Wir bieten nicht nur Verknüpfungen von einzelnen Figuren an, sondern geben ihnen auch Motivationen und persönliche Ziele vor. Wenn man sich nun zum Beispiel als Kopfgeldjäger anmeldet, dann können wir ihm sagen: “Hey, dieser und jener Spieler, der sich ebenfalls angemeldet hat, ist z.B. ein Freibeuter und wird gesucht.” – Folglich ist ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. So geben wir dem Kopfgeldjäger diesen Auftrag, den er erfüllen kann, wenn er denn möchte. Dazu gehören aber auch Kleinigkeiten wie Gerüchte über Geschehnisse in der Stadt, was wiederum Anspielungen auf andere Plots sein können, mit denen man selber erstmal (noch) Nichts zutun hat, aber so trotzdem mit bespielen kann. Es sind eben nicht nur einfach ein paar belanglose Infos. Vielmehr ist alles miteinander verwoben und jede Info hat eine solide Basis.

Jey: Jetzt zur Zukunft. Plant ihr weitere Cantinas?

Julian: Die nächste Cantina findet am 4. März 2017 statt und weitere Cantinas, die noch nicht fest sind; möglicherweise noch eine im Herbst und natürlich im nächsten Jahr auch wieder. Wir arbeiten gerade an mehreren Arten von Droiden und auch Dekoration, die der ganzen Cantina noch mehr Star Wars Feeling verleihen. Worauf wir sehr viel Wert legen, ist dieses Sandbox-Prinzip, weshalb wir auch diesen eigenen Planeten erfunden haben. Damit Sachen, die auf der Cantina passieren, Einfluss auf die Geschichte dieses Planeten haben können. Zwei Beispiele: Wenn ein Söldner einen Mann des Huttenkartells erschossen hat, dann kann es sein, dass eben dieser Söldner beim nächsten Mal wirklich harte Probleme mit dem Huttenkartell bekommt. Oder wenn es dazu kommt, dass die Jedi es nicht schaffen, dem Sith-Imperium ein Artefakt zu entreißen, könnte dies zu Veränderungen im politischen Machtgefüge des Planeten führen. Wir wollen da sehr stark auf die Spieler eingehen. Letztlich ist es auch das, was die Spieler dann auf der nächsten Cantina erwarten wird.

Gute Preise und Blaue Milch - Foto :Andreas Brönner

Gute Preise und Blaue Milch. (© Andreas Brönner)

Jey: Die letzte Frage: Wie stehst du zum Schritt von der Cantina hin zur längeren Larp-Veranstaltung?

Julian: Dem stehen wir relativ positiv gegenüber. Wir hatten so etwas auch schon für den Sommer angekündigt, was wir allerdings leider absagen mussten, weil wir von der Arbeitskapazität her, die wir in unserem “realen Leben” haben (bedingt durch Studium und Arbeit), nicht die Qualität garantieren können, die wir voraussetzen, damit wir guten Gewissens sagen können: Das ist eine Star Wars Con, die wir gemacht haben! Was allerdings schon in Stein gemeißelt steht, ist, dass es irgendwann eine längere Con von uns geben wird.

Jey: Danke für die vielen Hintergrundinfos zu eurer Con. Was noch ganz wichtig ist: Das Ganze ist eine reine Null-zu-Null-Kalkulation. Das heißt, die Cantina wird von den Jungs und Mädels wirklich ohne einen Profitgedanken veranstaltet. Die Con-Beiträge werden für Deko und Ambiente verwendet und auch die Getränke finanzieren sich selbst.

Ich für meinen Teil habe das Spiel dort genossen und ärgere mich, dass ich die nächste Veranstaltung nicht besuchen kann. Doch der Herbst ist fest eingeplant. Es Juckt mir schon den Bastel-Fingern. Also Star Wars Star Fire Cantina – eine Non Profit Veranstaltung, die mich auf jeden Fall nicht zum letzten Mal sehen wird.

 

Starfire Cantina im Netz – http://www.starwars-larp.de/tandor/index.php  

Alexander Dorrenbach

Alexander Dorrenbach

Ist meist in irgendeinem Endzeitszenario zu finden, ob nun als LARPer oder Gamer.
Hauptthemen: LARP

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