Das wichtigste DC-Heft des Jahres


Ein Neuanfang ist immer dann gut, wenn man sich irgendwie festgefahren hat. Das DC-Universum hat bereits so manchen Neuanfang hinter sich und soll mit Rebirth im wahrsten Sinne des Wortes erneut wiedergeboren werden. Auf diese Weise können Helden und Schurken zurückgeholt werden, die in den neuesten Geschichten keinen Platz mehr finden. Und vielleicht ermöglicht es auch neuen Lesern einen frischen Einstieg in die Welt von DC.

Einsteigerfreundlich?

Wer erinnert sich noch an Wally West? (© Panini/DC)

Der Comic DC Rebirth Special macht den Anfang der sogenannten Rebirth Ära. Verantwortlich für diese ist der Autor und Chief Creative Officer bei DC Comics Geoff Johns. Seinen Worten nach wurde der Titel Rebirth bewusst gewählt, da die Wiedergeburt nicht nur einen Neuanfang darstelle, sondern wohl auch etwas zurückbringe, was vermisst wurde. Dies betrifft nicht nur verlorengegangene Charaktere, sondern auch die Vergangenheit des DC-Universums.

DC Rebirth beginnt mit einer Uhr und einem Erzähler, der sich selbst als Vergessen beschreibt. Sein Name: Wally West. Dieser mag dem einen oder anderen Leser noch bekannt sein. Vor dem Flashpoint, einem Event, welches die meisten Geschichten des DC-Universums auf die Haupterde beförderte und die Biografien der Charaktere teils grundlegend änderte, war Wally West Kid Flash.

Wally ist mit dem Flash Barry Allen verwandt und besitzt die gleichen Fähigkeiten. Zeitweise übernahm er sogar die Identität von Flash, als dieser durch das Event Crisis on Infinte Earth den Tod fand. Im Laufe der Geschichte versucht Wally aus der sogenannten Speed Force, mit der alle Charaktere, die ähnliche Fähigkeiten wie Flash haben, verbunden sind, Kontakt mit den Helden aufzunehmen.

Wally erinnert sich an den Zustand vor dem Flashpoint Ereignis. Dieses wird in dem Comic knapp zusammengefasst und Wally gibt dem Leser die Information, dass die veränderten Ereignisse nach diesem Event nicht mit Flash zu tun haben, wie vorher angenommen. Eine noch namenlose Bedrohung hat Flash bei seinen Zeitsprüngen beobachtet und in die Linie eingegriffen, um den Helden nach Wallys Ansicht wertvolle Jahre der Erfahrung und die Liebe zu stehlen. (Viele Beziehung, wie zum Beispiel die von Green Arrow und Black Canary, wurden durch den Flashpoint revidiert.) 

Wer bis jetzt noch nie einen DC-Comic in der Hand hatte und mir bis hierhin folgen konnte, hat das Komplizierteste erst einmal überstanden. Doch ich habe hier auch Einiges bewusst ausgelassen und die Story auf das Wesentlichste beschränkt. Der Comic selbst strotzt vor Überladung. Es kommen sehr viele Figuren vor. Damit meine ich nicht nur Vorzeige-Ikonen wie Superman und Batman. Darüber hinaus finden sich sehr viele Anspielungen, die jedoch glücklicherweise auf den letzten Seiten unter Rebirth-Bibel aufgelistet sind.

Der Comic versucht an manchen Stellen einfach viel zu viel unterzubringen und bietet einigen Charakteren und Situationen nur eine sehr begrenzte Bildzeit, die eigentlich Lust auf mehr machen soll, aber vermutlich insbesondere bei neuen Lesern zu einer völligen Überladung führt.

Insbesondere intimere Beziehungen wurden durch das Event Flashpoint einfach ausgelöscht. (© Panini/DC)

Stil und Extras

Zeichnerisch bewegt sich der Comic durch den Zeichner Gary Frank in gewohnter DC Detailverliebtheit. Die Farben sind sehr kräftig gewählt und auch Batman wurde mit seinem Kostüm etwas bunter, ohne dabei lächerlich zu wirken oder den Titel <Dunkler Ritter> zu verlieren. Selbst rasante Szenen sind wie üblich sauber gezeichnet und somit besticht DC Rebirth wie mit der vertrauten Präzision seiner Werke, hebt sich aber auch nicht sonderlich von der Masse ab.

In dem Comic befindet sich, wie bereits erwähnt, eine kleine Rebirth-Bibel. Diese liefert Hintergrundinformationen, die sowohl Neulingen als auch alten Hasen eine gute Übersicht bietet. Des Weiteren gibt es einige Vorausblicke auf kommende Rebirth Hefte und ein sehr schönes Interview mit Geoff Johns, der den Gedanken hinter Rebirth verdeutlichen möchte.

Watchmen und DC

Es gibt viele Watchmen-Anspielungen im Comic. Erst hielt ich es für einen Zufall, doch die Nachworte brachten die Erleuchtung. Im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre wird Rebirth dafür genutzt werden, die Elemente, Figuren, Beziehungen und Geschichten des neuen und des klassischen DC-Universums zusammenzuführen. Dies soll vorerst den Grundstein für ein Crossover von Justice League und Suicide Squad legen. Doch die neuen Geschichten sollen ein weiteres Zusammentreffen vorbereiten. Tatsächlich ist eine Konfrontation zwischen den DC-Superhelden und den Watchmen geplant.

Etwas, das für mich aktuell nicht nur sehr absurd klingt, sondern gedanklich auch noch nicht mal ansatzweise greifbar ist. Ein sinniges Szenario mag sich bei mir da nicht ergeben, wenngleich ich gerne dazu bereit bin, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Ich mache mich aber gleichzeitig auch auf eine herbe Enttäuschung gefasst.

Fazit

Ja, es ist wie in der Überschrift gesagt wahrlich das wichtigste DC-Heft des Jahres. Immerhin schließt es die eine Ära ab und beginnt die nächste. Leider kann ich bei diesem Heft die versprochene Einsteigerfreundlichkeit nicht bestätigen. Mit Blick auf die Vorschau des Batman-Rebirth und die dort bereits erwähnte Verlagerung der Zeitlinien sehe ich für Neulinge nicht nur im übertragenen Sinne schwarz. Das DC-Universum war schon immer sehr komplex, vielleicht teilweise zu komplex. Das drohende Zusammentreffen mit den Watchmen könnte hier zu einer weiteren Überladung führen. Daher gibt es von mir die Wertung Geschmackssache. Das Heft gefällt mir persönlich gut, doch Einsteigern kann ich es nicht empfehlen.

Was bedeutet diese Wertung? Das erfahrt ihr nach nur einem Klick.

 

DC Rebirth Special
Autor: Geoff Johns
Zeichner: Gary Frank
Verlag: Panini
Heft: 80 Seiten

 

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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