Die Zwerge marschieren wieder


Es ist eine halbe Ewigkeit her, als der erste Band der Comics zu den Die Zwerge-Büchern von Markus Heitz erschienen ist. Nun endlich gibt es auch den zweiten Teil, nur knapp drei bis vier Jahre später. Hat sich das Warten gelohnt?

Quasi erst kürzlich, so im August 2015, haben wir uns bereits den ersten Band der Zwerge-Comics von Che Rossié und Yann Krell angeschaut. Damit ihr den Comic zumindest etwas besser einordnen könnt, empfehle ich euch, die Rezension nochmal kurz zu überfliegen oder direkt den ersten Comic zu lesen. Es ergibt auch sehr wenig Sinn, wenn ihr mit dem zweiten Band einsteigt, denn hier wird die Geschichte fortgesetzt.

Da bei diesen Comics der hervorragende Romanreihe von Markus Heitz als Basis dient und der Autor auch alle Seiten nochmal abgenommen hat, bleibt grundsätzlich zur Geschichte nicht viel zu sagen, außer, dass sie ein hervorragender Fantasy-Epos ist. Zwerge sind ohnehin so ziemlich das coolste Volk im High-Fantasy, da kann man grundsätzlich wenig falsch machen.

Allerdings wird die Geschichte etwas gerafft im Comic dargestellt, was aber überhaupt nicht negativ auffällt. Mit kleinen Zwischensequenzen auf der Reise treiben Rossié und Krell die Story gut voran, ohne sich lange mit unnötigen Szenen auseinanderzusetzen. Dennoch kommt bei diesen Szenen klar zum Vorschein, dass das Geborgene Land finstere Zeiten durchlebt: Ganze Flüchtlingskarawanen ziehen an den Zwergen vorbei, die Gesichter sind finster und die Blicke misstrauisch.

Die beiden Brüder in Aktion gegen eine Albae: Vor allem die Kämpfe von Boïndil und Boëndal machen Spaß. (©Splitter)

Doch beginnen wir von vorne: Wie oben bereits geschrieben, setzt der zweite Band genau da an, wo der erste aufgehört hat. Tungdil ist noch immer auf seiner Quest und soll letztlich als Anwärter auf den Thron des Großkönigs der Zwerge auftreten. Allerdings kommen Orks, Albae und vor allem das Tote Land dazwischen, sodass das Zwergentrio bestehend aus Tungdil und den Brüder Boëndal und Boïndil einen kleinen Umweg machen muss.

Dabei geht es teils heiß her und die beiden Brüder bringen dem Protagonisten unterwegs bei, was es heißt, ein richtiger Zwerg zu sein. Kleiner Tipp: Bier und Axtkampf stehen ganz oben auf die Liste. Grundsätzlich kommt auch der typisch zwergische Humor nicht zu kurz, was trotz all der Düsternis sehr zum Comic passt. Schließlich sind die kleinen Bartträger optimistische Sturköpfe, die es nicht einsehen, sich die gute Laune verderben zu lassen.

Eine Unterhaltung zwischen zwei Zwergen zu Magie, wie sie auch am Rollenspieltisch stattfinden könnte. (© Splitter)

Wie auch im ersten Band sind die Kämpfe eines der Herzstücke des Comics. Rossié zeichnet sie spektakulär, gibt ihnen eine gewisse Dynamik, lässt sie aber nie zu lange dauern. Bereits nach wenigen Panels ist der Kampf vorbei, selbst wenn es gegen die kampfstarken Albae geht. Vor allem wenn die beiden Zwergenbrüder Seite an Seite kämpfen, machen die Sequenzen wirklich was her. Zusätzlich hat Rossié die Kämpfe weiterhin brutal und direkt gestaltet: Köpfe fliegen, Blut spritzt und magische Explosionen sprengen ganze Gruppen von Orks. Dennoch ist die Brutalität in meinen Augen nicht zu sehr übertrieben und passt hier gut ins Setting.

Nod’Onn hat es nicht so mit Rechtschreibung. Es finden sich mehrere Typos in seinen Sprechblasen. Alles Absicht? (© Splitter)

Leider stört mich eine Sache wirklich an diesem zweiten Band, die mich teilweise sehr aus der Geschichte herausgerissen hat: Rechtschreibung und Zeichensetzung. Es ist wirklich schade, dass ein so gut gezeichneter Comic beim Korrekturlesen wohl etwas durchgefallen ist. Da kommen dann schon grobe Schnitzer wie ein fehlendes Komma vor oder aus “Freunde” wird “Freude”.

Der übelste Fehler war, dass in einem Panel die Sprechblasen falsch zugeordnet sind. Tungdil verlässt ein Gebäude, in dem er etwas gesucht hat, und fragt seine beiden Mitstreiter, ob sie fündig geworden sind. Boïndil antwortet sogleich, dass er eine Nachricht und Bücher gefunden hätte. Abgesehen davon, dass der kriegerische Zwerg seinen Posten vor dem Haus nicht verlassen hat, wäre Ingrimmsch wohl der letzte, der Bücher mitnehmen würde. Über die kleinen Fehler in der Rechtschreibung und Zeichensetzung kann man noch hinwegsehen, vollkommen falsch zugeordnete Sprechblasen sollten aber in so einem Werk nicht vorkommen.

Fazit

Alles in allem hat sich für Zwerge-Fans das Warten sicherlich gelohnt, auch wenn ich hoffe, dass der dritte Band nicht ganz so lange braucht. Che Rossié zeigt erneut, dass er der richtige Zeichner ist, um dem Geborgenen Land und den Zwergen wirklich Leben einzuhauchen. Erstaunlich finde ich noch immer, dass er es schafft, jedem einzelnen Zwergen ein eigenes Aussehen zu geben, das ihn von allen anderen eindeutig unterscheidet. Trotz allem ist auch der zweite Band kein Meilenstein der Comic-Geschichte und gerade die Fehler im Text und mit den Sprechblasen haben meinen Lesegenuss stark gestört. Dennoch würde ich sagen, dass dieser Comic ebenso unterhaltsam ist wie der erste Band und ich bin trotz allem gespannt auf den dritten – obwohl ich die Geschichte schon kenne.

Zwerge, Die: Band 2. Der Thronanwärter

Price: EUR 14,80

5.0 von 5 Sternen (5 customer reviews)

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Die Zwerge: Thronanwärter
Autor: Markus Heitz, Yann Krehl
Zeichner: Che Rossié
Verlag: Splitter
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten

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Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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