Kleine Zeitreise Teil 1: Der Zweite Weltkrieg


Comics sind immer ein Spiegel ihrer Zeit – eine Eigenschaft, die jedes Medium in sich trägt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Helden und Schurken der Comicwelt einem stetigen Wandel unterzogen sind. Daher möchte ich mit euch in dieser Reihe eine kleine Reise durch die Zeit machen und den Einfluss von Politik und Weltgeschehen auf die Superheldencomics ergründen.

Wir werden uns durch die Golden Age (1938 bis Ender der vierziger Jahre), Silver Age (Mitte der Fünfziger bis Ende der Sechziger), Bronze Age (Siebziger bis Mitte der Achtziger) und Modern Age bewegen. Dabei werde ich bis auf eine Ausnahme in Zehner-Schritten vorgehen. Zum Großteil wird es um den Verlag DC, der 1938 mit Superman den Grundstein für die Superheldencomics legte, und um Marvel gehen.

Jeder kann ein Held sein

Bereits an Superman lässt sich eine interessante Entwicklung feststellen. Dieser hatte in den Dreißigern zwar schon sein rotblaues Kostüm, doch beschränkte sich seine Stärke vorerst darauf, Autos zu stemmen und nicht gleich ganze Planeten aus ihrer Umlaufbahn zu stoßen. Auch Fliegen konnte er bei seinen ersten Abenteuern noch nicht. Damals sprang der Held mithilfe seiner kräftigen Muskulatur einfach über die Gebäude hinweg. Die spätere Entscheidung, dass er Fliegen könne, war jedoch rein ästhetischer Natur und hatte wenig mit realpolitischen Begebenheiten seiner Zeit zu tun.

Interessant an Superman ist, dass er bis in die Neunziger hinein seiner Geliebten Lois Lane seine wahre Identität nicht offenbarte. Dadurch blieb Clark Kent für Letzere ein Durchschnittstyp mit mangelndem Durchsetzungsvermögen. So findet sich schon beim ersten Superhelden eine wichtige Botschaft: In jedem könnte ein Superheld stecken, solange er/sie sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Dieser Leitgedanke gewann vor allem durch den Präsidenten Franklin D. Roosevelt in Amerika zunehmend an Popularität.

ARCHIV - Das Foto zeigt ein Exemplar der Erstausgabe des «Action Comics No.1» aus dem Jahr 1938 (undatierte Aufnahme). Eine Erstausgabe des Comics (nicht identisch mit dem abgebildeten Heft), in dem Superman zum ersten Mal seine Kräfte spielen ließ, wurde am späten Mittwoch (30.11.2011) bei einer Internetauktion für die Rekordsumme von 2,161 Millionen Dollar (rund 1,6 Millionen Euro) versteigert. Der damit teuerste Comic ging nach Angaben der «New York Times» vom Donnerstag (01.12.2011) nach insgesamt 50 Geboten an einen unbekannten Käufer über. Die Internetauktionsseite «Comicconnect.com» hatte die gut erhaltene Ausgabe, geschaffen von Jerry Siegel und Joe Shuster, als «wichtigstes Comicbuch in der Geschichte der Comics» angepriesen. EPA/COMICCONNECT/HO NO SALES/NO ARCHIVES/EDITORIAL USE ONLY +++(c) dpa - Bildfunk+++

Das Foto zeigt ein Exemplar der Erstausgabe des «Action Comics No.1» aus dem Jahr 1938

Im Gegensatz zu unserem heutigen Superman kommt hinzu, dass dieser damals durch die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg deutlich gewaltbereiter war. Er zerstörte bewusst Panzer und andere militärische Fahrzeuge, zuweilen aber auch gewöhnliche Autos. Die moralischen Grundsätze, die heutzutage vielfach das Denken und Handeln der Helden bestimmen, waren damals noch nicht präsent. Es gab eine klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse. In der Konsequenz war eben alles, was die Guten machten, dadurch berechtigt, dass sie eben gut waren. Oder anders gesagt: Der Zweck heiligte die Mittel.

Der heroisierte Soldat

Während des Zweiten Weltkrieges wurden weitere Comics veröffentlicht, die teilweise sogar propagandistisch eingesetzt wurden. So wurde 1940 Captain America von Jack Kirby und Joe Simon erfunden. Ein Supersoldat, welcher bereits in seiner Erstausgabe ein klares Feindbild mit sich bringt, indem er beispielsweise Hitler selbst schlägt.

Die Amerikaner werden in den zeitgenössischen Comics als mutig und stark dargestellt, während die Nazis feige und verschlagen sind. Ein Bild, welches sich in unterschiedlicher Ausprägung bis heute in medialen Umsetzungen des Zweiten Weltkrieges hält. In dieser Zeit wurde aber auch Captain Americas bekanntester Widersacher erschaffen: Red Skull. Er präsentiert mit seinem Totenschädel als Kopf und einem riesigen Swastika auf seiner Brust eine pervertierte Form des Supersoldaten, dessen schurkisches Handeln als nicht sonderlich erstrebenswert galt.

Auf diese Weise wurde mit Captain America das Bild der Soldaten heroisiert. Sowohl Marvel als auch DC verinnerlichten mit ihren Comics die Idee, dass zwar eine Schlacht verloren werden kann, aber der finale Sieg im Krieg mit solchen Helden letztlich gesichert ist.

captainamerica1

Captain America schlug gleich in seiner ersten Ausgabe richtig zu: mitten in das Gesicht des aktuellen Feindes.

Marvel schickte jedoch nicht nur Captain America in das Gefecht: Human Torch alias Jim Hammond (der später als Vorlage für das gleichnamige Mitglied der Fantasic Four genutzt wurde) und Namor (der ebenfalls später für Fantastic Four wieder aufgegriffen wurde), der Thronerbe von Atlantis, bekämpften zusammen deutsche Verbände ohne Erbarmen. Die Frage, ob ein Held töten dürfe, stand da genauso wenig zur Debatte, wie die eigentliche moralische Einstellung der Helden.

Ein weiteres Feindbild nahm mit dem japanischen Überfall auf die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbor (07.12.1941) Einzug in die Comicwelt. Bereits eine Ausgabe später streckte Captain America auf dem Cover mit einem Faustschlag einen japanischen Soldaten nieder. Im Gegensatz zu den Nazis wurden die Japaner jedoch nicht nur charakterlich negativ dargestellt, sondern auch deren Äußeres durch übergroße Zähne, unterentwickelten Körperbau und teils grünlicher Haut verzerrt. Durch das möglichst abnorme Aussehen wurde das Böse für den Leser leicht identifizierbar visualisiert und sollte zu einer negativen Grundeinstellung gegenüber diesen Figuren führen.

Geprägt als Rolle des Kriegshelden nahm der Erfolg der Hefte mit Kriegsende ab. Selbst ein weiblicher Sidekick konnte Capatain America nicht mehr retten und so stellte Marvel 1949 seine Superheldencomics vorerst ein, während sich DC auf drei Standsäulen – Superman, Batman und Wonderwoman – beschränkte.

Action Comics 1 (English Edition)

Price:

(0 customer reviews)

0 used & new available from

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden