Kleine Zeitreise Teil 2: Kommunisten, Mondlandung und Alltagsprobleme


1949 zündete die Sowjetunion eine eigene Atombombe. Somit wurde ein Verbündeter Amerikas plötzlich zum Feind. Die Comicwelt griff dieses Feindbild auf, doch dieses Mal wurde es in der Superheldenwelt nicht angenommen.

Es war die Zeit der Horror und Crime Comics mit möglichst expliziter Gewaltdarstellung, die schon damals manch üblen Ruf davontrugen und dennoch heute als wertvolles Kulturgut angesehen werden. Diese Comics stillten das Bedürfnis der Leser mehr als jene der Superhelden, da die Identifikation mit einem tugendhaften Helden anscheinend nicht mehr möglich war.

Die Superheldencomics waren genötigt, ihr Konzept zu ändern und versuchten, sich daher an beliebteren Genres zu bedienen. Des Weiteren setzte DC auf bizarre Plots, um die Leserschaft weiter zu unterhalten. Marvel nutzte hingegen 1953 das neue Feindbild des Kommunisten, um ihre drei Superhelden aus dem zweiten Weltkrieg zu reaktiveren. Red Skull wurde kurzerhand zu einem Kommunisten umgestaltet, damit Captain America abermals heldenhaft Amerika gegen seinen Erzfeind verteidigen konnte. Doch bereits nach drei Ausgaben scheiterte das ganze Projekt und die Superhelden wurde wieder auf Eis gelegt.

Erst in den 60ern sollten sie wieder Fuß fassen und ein Medium bieten, welches den Bedürfnissen der Gesellschaft entsprach.

Vor- und Nachteile des Fortschritts

In den 60ern wird Technologie immer wichtiger und durch Erungenschaften wie der erste fertiggestellte Laser führten dazu, dass die Helden ein Upgrade erhielten.

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Fantastic Four war Amerikas Antwort auf die erste russische Weltraumreise.

Genau zu dieser Zeit erfand Marvel sein erstes Superheldenteam: die Fantastic Four. Mit diesem Heldenteam verbunden war der Ehrgeiz, den Weltraum für Amerika zu erobern. Bereits ihre Kräfte hingen mit dem All zusammen, doch auch die Abenteuer der Gruppe sollten sich teils dieser Thematik widmen.

Sie wurden zu einem fiktiven Sieg, nachdem am 12. April 1961 der Russe Gagarin als erster Mensch einen Flug in den Weltraum startete. So findet sich eine Geschichte bei Marvel, in der sich die Fantastic Four mit dem Schurken Ivan Kragoff alias Red Ghost einen Wettstreit liefern, wer zuerst auf dem Mond landet.

Für dieses Vorhaben hat Red Ghost Affen ausgebildet, die entsprechend mit der Technik und den Waffen umgehen konnten. Die Affen werden durch ihren Charakter und einen Hinweis von Susan Storm mit dem unfreien Volk der Sowjetunion gleichgesetzt.

Nachdem beide Parteien auf dem Mond ankommen und Red Ghost nicht für eine friedliche Lösung ist, kommt es zum Kampf. Erst als sich die Affen gegen den Schurken auflehnen, kann dieser besiegt werden. Der Wunsch der Amerikaner, dass sich das Volk der Sowjetunion gegen ihre Unterdrückung wehren, schwingt hier unterschwellig mit.

Ein weiterer Hed, der in dieser Zeit entstand, ist Iron Man. Dieser ist nach einem Vorfall in Vietnam auf seinen Anzug angewiesen, damit die Splitter von seinem Herz ferngehalten werden. Von nun an auf dieses technologische Stück angewiesen, schwingt hier deutlich das Segen-Fluch-Prinzip der Technik mit.

Deutlich wird dieses Für und Wieder des Fortschritts durch die Superhelden, die ihre Kräfte durch Unfälle erlangen, wie zum Beispiel Hulk oder Daredevil. Bei beiden handelte es sich um radioaktive Unfälle. Radioaktivität gehört vermehrt zu den Thematiken, die in den Heldencomics aufgegriffen werden. In einem Heft von Antman geht es zum Beispiel um ein Heilmittel beziehungsweise Schutzmittel gegen Radioaktivität. Die Frage nach der Möglichkeit der Welt damit zu helfen, wird nicht gestellt. Es geht einzig darum, dieses Mittel nicht dem Feind in die Hände fallen zu lassen.

Neue Themen

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Spider Man eroberte bereits bei seiner Entstehung viele Leserherzen.

Mit den neuen Helden kommen in das Marveluniversum auch neue Thematiken des privaten Umfelds hinzu: Schulden, Arbeit/Schule und Liebeskummer.

Einer der beliebtesten Helden, der wohl für die Alltagsprobleme überhaupt steht, gehörte damals zu den Lieblingen: Spiderman. Auch dieser erlangte seine Fähigkeiten durch einen Unfall.

Das Konzept des besiegten Schurken, der nicht wirklich bestraft wurde, erhielt ebenfalls Einzug in die Comciwelt. Neben den bekannten Superschurken blieben die kommunistischen Gegner korrupte, hinterhältige, vollbärtige, unattraktive Feiglinge.

Eine weitere Thematik, die vermehrt aufgegriffen wurde, waren die Studentenproteste. Diese stellten zwar keinen wirklichen Gegner da, wurden jedoch teils von den Schurken missbraucht, da sie einen eher ungestümen Charakter zugeschrieben bekommen. Dies zwang Helden wie Iron Man dazu, über ihre soziale Rolle nachzudenken, da sie nicht aktiv gegen diese Studenten vorgehen konnten wie bei den “Bösen”.

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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