Touria – Türme mit Twist


Die ganze Familie Brand hat inzwischen im Brettspielbereich eine Art Promi-Status inne; und auch Michael Rieneck ist hinreichend bekannt. Entsprechend hoch sind meine Erwartungen, wenn sich die Autoren von Spielen wie Village und Cuba zusammentun, um das Brettspiel Touria zu erschaffen.

Klemens Franz macht für gefühlte 90% der deutschen Spiele das Artwork…(© Huch!&Friends)

Die Brands hatten eine tolle Idee für einen neuen Spielmechanismus und haben Michael Rieneck darum gebeten, ihnen bei der Entwicklung eines entsprechenden Spiels. So weit, so gut. Zur Spiel’16 erschien dann auch Touria im Verlag Huch!&Friends. Das Spiel ist bunt und hat eine familienfreundliche Aufmachung – außerdem vier Türme, die man nicht übersehen kann. Voller Vorfreude und Neugier haben wir uns also daran gemacht, dieses vielversprechende Spiel zu testen.

 
 
 
 
 
 
 

Gemeinsam gegeneinander

Bei Touria übernehmt ihr gemeinsam die Rolle einer Abenteurergruppe, welche auszieht, um das Herz des Prinzen bzw. der Prinzessin für euch zu gewinnen. Dafür müsst ihr große Taten vollbringen, wie z.B. ein Turnier gewinnen oder den “bösen” Drachen bezwingen. Außerdem rechnet der König mit einer ordentlichen Mitgift. Folglich braucht ihr neben Ruhm und Ehre auch noch einen Haufen Gold, wenn ihr euer Ziel erreichen möchtet. Der Erste unter euch, der es schafft, in das Königshaus einzuheiraten, gewinnt das Spiel.

Jeder hat seine eigene Perspektive auf den Plan.

Wichtig ist beim Aufbau des Spiels, dass jeder Spieler an einer anderen Seite des Spielplans sitzt. Warum? Dazu später mehr.

Auf dem Spielplan ist das Königreich mit seinen Straßen und wichtigen Orten (Aktionen) abgebildet. Hier findet man den Drachen, Händler, Räuber, Goldschmiede und noch einiges mehr. Außerdem sammelt ihr beim Reisen Edelsteine ein, die ihr dann gegen Gold (für den König) oder Schmuck (für eure/n Angebetete/n) tauschen könnt. Die Waldfee hält für euch zudem einige magische Gegenstände bereit, die euch euer Leben erleichtern, und die Brunnenfee befreit euch von den verfluchten schwarzen Edelsteinen.

Dabei reist ihr immer als Gruppe. Aber nur der aktive Spieler erhält die auf der Straße liegenden Edelsteine und darf die Aktionen an den entsprechenden Orten durchführen. Der eigentliche Witz ist jedoch die Auswahl des Ortes bzw. der Aktion, die ihr ausführen dürft. Denn hier kommen die Türme ins Spiel. Ein jeder Spieler darf nämlich nur die Orte aufsuchen, die er (oder sie) vom jeweiligen Sitzplatz aus an der ihm zugewandten Seite der Türme sehen kann. Nachdem ihr einen der Orte ausgesucht habt, dreht ihr den Turm um 90 Grad und ändert so für die nachfolgenden Spieler die Aktionsauswahl. Danach überlegt sich der Spieler, welcher an der Reihe ist, welche Strecke er gehen möchte und sammelt dabei die Edelsteine auf dem Weg ein. Bis zu drei Schritte kann jeder immer gehen. Jeder weitere Schritt kostet euch Gold. Dabei könnt ihr dann zwar im Kreis gehen, aber kein Weg darf zurück gelaufen werden.

Dieser Turm erlaubt mir, die Waldfee aufzusuchen.

Mit Hilfe von Tränken dürft ihr an Aktionen eurer Mitspieler teilnehmen, und Schwerter helfen euch beim Bezwingen des Drachens oder geben euch einen Vorab-Dreh eines Turms und erweitern so eure Aktionsauswahl. Die magischen Gegenstände offerieren euch noch weitere Sonderfähigkeiten.

So reist ihr solange durchs Land und übt Aktionen aus, bis ihr genug Gold und “Liebe” gesammelt habt, um hoffentlich als Erster vor eure/n Geliebte/n zu treten.

Doch halt, wo im Schloss halten sich die Königskinder auf? Nachdem ihr endlich das Schloss betreten habt, deckt ihr eine der Türen auf. Sollten es die Königskinder sein, so habt ihr gewonnen. Andernfalls trefft ihr auf einen anderen Schlossbewohner, der etwas von euch haben möchte. Könnt ihr den geforderten Gegenstand abgeben, dürft ihr sofort die nächste Tür öffnen. Andernfalls ist der nächste Spieler am Zug. Erst wenn ihr wieder am Zug seid, dürft ihr die nächste Tür öffnen. In dieser Zeit rückt die Konkurrenz immer näher, und kann von den bereits geöffneten Türen profitieren, sobald sie im Schloss ankommen.

Hat jemand die Königskinder gefunden, steht der Gewinner fest und das Spiel ist vorbei.

Idee gut – Umsetzung “meh”

Touria reiht sich in die Riege der Spiele ein, die nicht wissen, was sie wollen. Sowohl das Thema als auch einige Spielmechaniken (z.B. das zufällige Finden der Königskinder) richten sich zwar an junge Spielerinnen  und Spieler, hat dafür aber viel zu viele Mechaniken und Aktionen, um von Kindern alleine gespielt zu werden. Sobald der Nachwuchs in der Lage ist, so viel im Kopf zu behalten, wird sie das Hin- und Hergehen sowie das schlichte Einsammeln von Sachen bald langweilen. Für Erwachsene ist Touria dagegen – wie so viele Kinderspiele – eine Tortur; und man wartet darauf, endlich erlöst zu werden.

Hingegen ist die Turm-Mechanik selbst wirklich eine tolle Idee. Ich hoffe, sie bald in dem einen oder anderen Spiel wiederzufinden. Und auch die Aufmachung ist durchaus nett anzusehen. Aber eine Schwalbe macht halt noch keinen Sommer.

Fazit:

Egal für wen und für welche Gelegenheit ihr ein Spiel sucht, mit Touria greift ihr meiner Meinung nach daneben. Keiner meiner Mitspieler – egal ob Kind, Erwachsener, Viel- oder Gelegenheitsspieler – wollte eine zweite Runde in ANgriff nehmen. Der Einzige, der bereit war, es mehrfach zu spielen, war ich. Und auch das nur zu Rezensionszwecken und mit eisernem Willen. Für mich und meine Mitspieler ist Touria trotz einer tollen neuen Mechanik leider nur Schrott. Investiert euer Geld lieber in ein anderes Spiel, und wartet bis die Mechanik woanders aufgegriffen wird!

 

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

 

Touria

Autoren: Michael Rieneck, Inka & Markus Brand

Verlag: Huch! & Friends

Spielerzahl: 2-4

Dauer: ca. 60 Min.

Alter: ab 10 Jahren

 

Huch & Friends 879394 – Touria, Familien Strategiespiele

Price: EUR 30,95

4.0 von 5 Sternen (4 customer reviews)

36 used & new available from EUR 19,00

 

Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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