Zeitreisendilemma oder guter Sci-Fi Comic?


Brian K. Vaughans und Cliff Chiangs Werk Paper Girls wurde mit den Eisner-Awards Beste neue Serie und Bester Zeichner ausgezeichnet. Für mich Grund genug, zumindest einmal einen Blick in den bei Cross Cult erschienen Comic zu werfen.

Die Story

Im Jahr 1988 machen sich in einer Vorstadt die vier 12-jährigen Mädchen Erin, Mac, KJ und Tiffany an Halloween auf den Weg, um Zeitungen auszutragen und sich ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. Erin stößt an diesem Abend das erste Mal zu dieser Truppe dazu, während die anderen Drei bereits das Jahr zuvor Halloween gemeinsam bewältigten.

Tiffany, Mac und KJ (© Cross Cult)

Und das aus gutem Grund: Auf den Straßen lungert noch die eine oder andere dunkle Gestalt mit bösartigen Gedanken. Um dennoch Zeit zu sparen, bilden die Mädchen zweier Gruppen und bleiben über ihre Walkie-Talkies in Kontakt. Bereits kurz nach der Trennung hören Mac und Erin mit an, wie die anderen Beiden überfallen werden und machen sich auf den Weg zurück, um ihnen zu helfen.

Als Mac und Erin bei KJ und Tiffany ankommen, ist Letztere am Bein verletzt. Zu allem Überfluss wurde ihr das Walkie-Talkie geklaut, für welches sie längere Zeit sparen musste. Die Mädchen beschließen, die drei vermummten Gestalten, die für den Überfall verantwortlich sind, zu verfolgen und finden sich kurz darauf in einem Keller wieder, in dem ein merkwürdiges Gerät steht.

Nach dem dieses aus vorerst nicht bekannten Gründen explodiert, nimmt die Geschichte an Fahrt auf: Die Mädchen treffen erneut auf die vermummten Gestalten, die eine unbekannte Sprache sprechen, die Menschen der Stadt scheinen spurlos verschwunden zu sein und am Himmel kreisen saurierartige Flugwesen. Bald darauf finden sich die Protagonistinnen in einem Generationskonflikt und Zeitreise-Dilemma wieder.

Das Drumherum

Auf den ersten Seiten kamen mir der Zeichenstil merkwürdig vertraut vor, ohne das ich ihn recht einordnen konnte. Erst nachdem ich den Comic durchgelesen hatte und ein wenig Abstand zur Handlung gewinnen konnte, fiel mir auf, dass mich die grafische Darstellung irgendwie an die Zeichentrickserie Geschichten aus der Gruft erinnerte.

Für mich tatsächlich ein positiver Aspekt, da ich die Serie damals echt super fand und der Comic im Großen und Ganzen mit einem sauberen und klaren Zeichenstil punkten kann. Nur manchmal verkümmern die Augen zu schlichten Punkten, welche meiner Meinung nach leider den sonst so ernsten Stil unnötigerweise unterbrechen.

Erin beim Vorbereiten ihrer Zeitung (© Cross Cult)

Zudem fiel es mir anfänglich auch schwer, Tiffany und Erin auseinanderzuhalten. Trotz unterschiedlicher Hautfarben brachten mich ihre stark ähnelnden Haarschnitte in so manchem Panel arg durcheinander.

Farblich bewegt sich der Comic in einem eher kalten Spektrum. Der Großteil ist von einer blauen oder violetten Nuance durchzogen, die sowohl die frühe Uhrzeit als auch die bedrückende Stimmung einfängt.

Charakterlich sticht für mich noch keine der vier Mädchen wirklich hervor. Zwar ist die eine ein bisschen rebellischer und die andere moralisch gefestigter, aber bis jetzt sind  es eher Schemen, die künftig noch ausgefüllt werden müssen. Dies liegt zum Teil daran, dass ich als Leser recht wenig über die Mädchen erfahre. Es gibt keine lange Vorstellungsrunde, sondern es wird relativ zügig mit dem Plot losgelegt. Da sich die Mädchen selber jedoch auch noch nicht wirklich kennen, ist diese Herangehensweise für mich völlig okay.

Des Weiteren finde ich sehr schön, dass stetig im Blick bleibt, dass es sich hier um 12-Jährige handelt, die eindeutig mit der Situation überfordert sind, schnell mal eine fatale Fehlentscheidung treffen und nicht so recht wissen, was sie eigentlich tun sollen. Die erwachsenen Charaktere, die in dem Comic vorkommen, wirken auf mich hingegen mehrheitlich – ohne zu viel verraten zu wollen – sehr suspekt.

Größere Schwierigkeiten hatte ich beim ersten Lesen eher mit den Science-Fiction-Elementen. Es sind sehr viele Sachen auf einmal, die auf mich geradezu einprasseln. Zugleich lässt der erste Band erwartungsgemäß viele Fragen offen, die (hoffentlich) in künftigen Episoden geklärt werden, obwohl insbesondere Zeitreisen natürlich dazu neigen, an einigen Logikfehlern hängen zu bleiben. Inwieweit dies der Fall sein wird, wird sich aber ebenfalls erst später zeigen.

Fazit

Der erste Band von Paper Girls ist durchaus gelungen und verspricht trotz anfänglicher Probleme eine interessante Story, die entweder komplex und fragenreich wird oder durch die jungen Charakter eher in eine dramatische Richtung gehen wird. Vielleicht sogar beides. Ich kann den Comic all denjenigen empfehlen, die mehr wollen als ein actiongeladenes Abenteuer.

Was bedeutet diese Wertung? Das erfahrt ihr nach nur einem Klick.

Paper Girls
Autor: Brian K. Vaughan
Zeichner: Cliff Chiang
Verlag: Cross Cult
Hardcover: 144 Seiten
 

Paper Girls 1

Price: EUR 22,00

3.9 von 5 Sternen (9 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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