Dystoria – Tron im Weltall


Nanu? Wer hat mich denn da zurück in die 80er Jahre gebeamt? Eine Frage die mir sofort in den Sinn kam, als ich mir den 3D Shooter „Dystoria“ von Tri-Coastal Games vorgenommen habe. Doch kann das Spiel an den alten Charme vergangener Zockertage anknüpfen?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass Dystoria nicht unbedingt so begonnen hat, wie ich es ursprünglich erwartet hatte.

Wer Space Shooter kennt, der weiß, dass man sich dort normalerweise nicht mit großem Vorgeplänkel aufhält, sondern direkt bei Spielstart im Raumgleiter gegen eine schier übermächtig erscheinenden Anzahl von Gegnern kämpfen darf. Ganz anders bei Dystoria! Denn die  Entwickler haben es sich nicht nehmen lassen, uns zunächst einmal mit einer Vorgeschichte zu beglücken.

Im Vorspann schlüpfte ich in die Rolle eines jungen Mannes, welcher mitten in der Pampa einen verlockend aussehenden Spielautomaten mit dem Schriftzug DYSTORIA entdeckt. Natürlich musste ich diesen direkt ausprobieren, immerhin besitzen diese Geräte doch ihren ganz eigenen Charme!

Wer könnte zu so einem verlockenden Spielautomaten schon “Nein” sagen?

Was als netter Zockerabend beginnen sollte, entpuppt sich jedoch schnell als eine hinterhältige Falle! Ehe ich mich versah, wurde ich auch schon von Aliens gekidnappt, welche ein offenbar starkes Interesse an meinen Zockerfähigkeiten hatten. Alles nur, um diese für ihre eigenen Zwecke zu nutzen! Wenn die wüssten, dass ich in Space Shootern normalerweise eher grottig bin, aber gut.

Immerhin bekam ich direkt einen netten Raumgleiter zur Verfügung gestellt, da wollte ich also mal nicht so sein.

Wieso, weshalb, warum das Ganze? Das wird euch im Laufe des Spiels in Textform erklärt. Dafür gilt es aber natürlich, erstmal die einzelnen Missionen abzuschließen. Und diese laufen etwas anders ab, als man es vielleicht von anderen Space Shootern gewohnt ist.

Im ersten Level angekommen, musste ich mir erstmal die Augen reiben. Hatte ich etwa versehentlich Tron gestartet? Die Ebene, auf der ich mich befand, erinnerte mich jedenfalls sehr stark an den Arcade Klassiker. Ein dunkles Level, auf welchem sich vor mir ein gigantisches, neonfarbenes Gitternetz erstreckte.

Unser Gleiter unterwegs auf dem riesigen Gitternetz.

Doch anstelle eines futuristischen Bikes durfte ich die Ebene mit meinem Raumgleiter erkunden. Ich bereitete mich also darauf vor, loszufliegen und mir die Sache mal genauer anzusehen. Der Anblick des Leveldesigns weckte sofort eine gewisse Neugier in mir.

Schnell stellte ich jedoch fest, dass mit „fliegen“ nicht viel war. Stattdessen schien mein Raumgleiter magnetisch mit der Oberfläche des Levels verbunden zu sein, was meine Bewegungsfreiheit jedoch nicht schmälerte. Denn ich konnte hier trotzdem ganz entspannt an Wänden und Decken entlang fahren, ohne in irgendeiner Art und Weise gehindert zu werden oder Angst haben zu müssen, auf Kollisionskurs zu sein. Ein Spielprinzip, welches mich auch ein wenig an den PS1-Klassiker Descent erinnerte.

Wann immer ich eine Kante erreichte, schien sich das Level quasi mit mir zu drehen, was somit eine schier grenzenlose Erkundung des Levels möglich machte. So konnte ich mich auf die Suche nach sogenannten „Orbs“ machen, welche ich brauchte, um ein Level durch einen Teleporter wieder verlassen zu können.

Ganz ohne Hindernisse geht es aber natürlich nicht von statten. Nicht alle geometrischen Figuren, auf denen ich mich bewegte, standen gänzlich still. So passierte es mir doch hin und wieder, dass ich nach einer Unachtsamkeit von der Plattform geworfen wurde.

Eine der geometrischen Formen, auf denen wir uns durchkämpfen müssen.

Ein Problem, mit welchem die Aliens bei meiner Rekrutierung zuvor nicht gerechnet hatten, war mein legendärer Orientierungssinn. In einigen Leveln kam ich mir oftmals doch etwas hilflos vor – das stark verwinkelte Leveldesign bot mir stellenweise doch zu wenige Orientierungshilfen. Einen „Ah, an dieser Linie war ich doch schon“-Moment hatte ich leider doch eher selten.

Doch die eigentliche Gefahr geht auch in Dystoria nicht etwa vom Leveldesign aus, sondern von einer Vielzahl roboterähnlicher Gegner, die es sich nicht nehmen ließen, mich auch mal aus der Distanz heraus zu beschießen und mir das Leben schwer zu machen. Streifschüsse kennt das Spiel nicht, selbst eine leichte Berührung mit gegnerischen Laserstrahlen brachte meinen Schild schnell an seine Belastungsgrenze und so musste ich mich umso vorsichtiger durch die Level bewegen.

Nur einer der zahlreichen Gegner. Selbst Streifschüsse können gefährlich werden!

Es ist allerdings auch lohnenswert sich dem Kampf zu stellen, denn besiegte Gegner hinterlassen wertvolle Einzelteile, die gesammelt werden können. Dazu fließt das Besiegen der Gegner in die Levelstatistik ein.

Mein Gleiter hat sich dann auch als äußerst wehrhaft erwiesen und so konnte ich neben den normalen Standardkanonen auch ein paar Bomben auf der Oberfläche platzieren, um so meinen Gegnern ordentlich einzuheizen. Es ist aber immer Vorsicht geboten, dass man dabei nicht selbst getroffen wird!

Besonders schön: Mein Gleiter ließ sich mit jedem abgeschlossenen Level weiter aufrüsten und so fühlte ich mich in den immer anspruchsvoller werdenden Leveln niemals im Stich gelassen.

Schnell kam bei mir wieder dieses gewisse „Arcade-Feeling“ auf, welches mir Videospiele vor allem in den frühen 90er-Jahren geben konnten.

Dystoria spielt sich durch und durch so, wie sich Spiele damals auf den großen Spielautomaten angefühlt haben und bringt somit wieder ordentlich Retro-Feeling auf den heimischen PC. Dazu steuert der wirklich gelungene Soundtrack noch einiges bei, der für eine tolle Untermalung der einzelnen Level sorgt.

Ich erwischte mich beim Erkunden der Oberflächen immer wieder bei dem Gedanken, wie gelungen hier wohl ein VR-Support wäre. Sich quasi inmitten der dritten Dimension bewegen zu können ist sicherlich eine bombastische Erfahrung.

Ein wenig schade ist es, dass sich die Spielerfahrung nicht mit einem Mitspieler teilen lässt. Das Spielprinzip hinter Dystoria bietet sehr viel Potenzial für Multiplayer-Action. Leider musste ich jedoch darauf verzichten.

Ansonsten kommt das Spiel vielleicht ein wenig zu kurzweilig daher. Da ein Ranglisten-System fehlt, wie man es von früheren Arcade Shootern gewohnt ist, fehlt auch ein wenig das motivierende Element, die Missionen immer und immer wieder zu spielen, um den Highscore weiter in die Höhe zu treiben.

Fazit

So eine interessante Erfahrung Dystoria auch ist, es fehlt mir so ein bisschen der Reiz der mich das Spiel immer wieder hervorkramen lassen würde. Für gerade einmal 15 Euro auf Steam bekommt ihr jedoch wirklich ordentliche Arcade Action, die dieser Bezeichnung auch wirklich gerecht wird.

Von mir eine klare Empfehlung, auch wenn das Spielprinzip sich ganz klar eher an ältere Spieler richtet, die mit dem Charme der Filme und Computerspiele der 80er und frühen 90er-Jahre groß geworden sind.

Rüdiger Dinges

Rüdiger Dinges

Meister des kommentierten Gameplays und Videokünstler. Passionierter Retro-Zocker. Muss wohl am fortgeschrittenen Alter liegen!
Hauptthemen: Games

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