Kleine Zeitreise Teil 3: Dreidimensionale Antagonisten und gebrochene Helden


Im letzten Artikel hielten wir uns vermehrt bei Marvel auf, die in den 60ern durch Stan Lee einfach unglaublich viele Helden in den Ring warfen. Daher beginnen wir die 70er heute mit dem mittlerweile wohl beliebtesten Superhelden von DC: Batman.

Schwarz und Weiß war gestern

Eine entscheidende Änderung fand bei Batmans Antagonisten statt. Diese kamen plötzlich aus intakten bürgerlichen Verhältnissen und wurden mit tiefgründigen Hintergrundgeschichten ausgeschmückt. Die simple Trennung zwischen Gut und Böse schien zunehmend schwerer zu werden, da die Mitverantwortung der Gesellschaft an sozialen Misständen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr geleugnet werden kann.

Themen wie Korruption im eigenen Land, Umweltverschmutzung und Drogen finden vermehrt Erwähnung. Deutlich werden diese neuen Ansätze in Denny O’Neils und Neal Adams Green Lantern aus dem Mai 1970.

Green Lantern kommt bei einem Patrouillenflug in ein Slumgebiet. Er hilft einem Mann, der von anderen Menschen bedrängt wird. Brav bedankt sich jener Mann bei Green Lantern für seine Rettung. Nach alter Heldenmanier lehnt dieser natürlich den Dank ab, da es für ihn selbstverständlich ist, Menschen in Not zu helfen.

Green Lantern lernt durch seinen Freund, seine Handlungen zu hinterfragen. (© DC)

Doch plötzlich wendet sich das Blatt. Green Lantern wird von anderen Bewohnern beschimpft und mit allerlei Dingen beworfen. Erst als sein Freund Green Arrow ihm erklärt, dass der gerettete Mann absichtlich Wohnungen verkommen lässt, um sich selber zu bereichern, muss Green Lantern sich fragen, ob er denn wirklich das Richtige getan hat.

Somit sind nicht nur Schurken komplexer, auch die Rolle des Opfers ist nicht mehr eindeutig. Zwar war der Mann in Bedrängnis, doch hatte er dies durch sein eigenes schlechtes Verhalten selbst zu verschulden. Durch die tiefgründigeren Rollen von Opfern und Schurken ist der jeweilige Held genötigt, eigene Handlungen vermehrt zu hinterfragen. Eine Eigenschaft, die wohl mir persönlich in der Comicwelt fehlen würde, wenn es sie nicht geben würde.

Doch nicht nur die Welt der Helden hat sich geändert. Selbst die Helden sind nicht mehr eindimensional und haben mit ihren Makeln zu kämpfen. Da kommt es schon mal vor, dass der ansonsten nette Sidekick von Green Arrow plötzlich mit Heroinproblemen zu kämpfen hat.

Eine weitere entscheidende Änderung in der Heldenwelt kommt durch die Frauenbewegung zu Stande. Ganz langsam emanzipiert sich auch die fiktive Frau. Zum Beispiel ist Lois Lane nicht mehr an Superman gebunden. Sie agiert unabhängiger und findet ihren eigenen Weg. Auf weibliche Superhelden soll hier jedoch nicht explizit eingegangen werden, da sich damit bereits ausführlich in der Reihe Frauen in Comics und Videospielen beschäftigt wurde.

Doch nicht nur DC lässt die Welt komplexer erscheinen. Im Marvel Universum fangen die Helden ebenfalls an, ihr Dasein zu hinterfragen. Besonders deutlich wird dies durch Captain America, der sein bedingungsloses Vertrauen in die amerikanische Regierung in Frage stellt.

In seiner Comicwelt werden die negativen Seiten Amerikas nicht mehr geleugnet, wenngleich das positive Bild nicht gänzlich zerstört wird. Die Lösung für Captain America (und für manch anderen Helden) liegt letztlich darin, die nationalen Ideale vermehrt zu betonen, um so etwaige negative Aspekte zwar nicht gänzlich zu überschatten, doch aber in ihrer Strahlkraft abzuschwächen..

Green Lantern/Green Arrow (Green Lantern / Green Arrow)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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