Kleine Zeitreise Teil 4: Tod des amerikanischen Traumes


Konservative Parteien sind auf dem Vormarsch, die Skepsis vor der Technik steigt und die Aufrüstungsdebatten schüren die Ängste der Menschen. Das Ergebnis: Die Superheldencomics erlangen einen neuen düsteren Anstrich.

Die Helden schlagen neue Wege ein: Batman wendet sich von der Justiz ab und schlägt das uns bekannte Leben als Einzelgänger ein. Er ist ein Schatten, der mehr wie ein Rachegeist über die Schurken richtet und somit deutlich von den früheren Superheldenkonzepten abweicht. Aus gutem Grund: Die kompromisslosen und brutalen Helden werden vermehrt von den Lesern positiv aufgenommen. Marvel nutzt dieses Interesse und erschafft den Punisher und Wolverine.

DC vernichtet lieber gleich etliche Parallelwelten und lässt Helden sterben, um ein neues Zeitalter einzuleiten. So wurde Supermans Heimatplanet Krypton nun nicht mehr von einem Meteoriten, sondern durch eine selbst verschuldete ökologische Katastrophe zerstört. Dies spiegelt bewusst die aufkeimende Sorge um die Umwelt wieder. Hinzukommend wird Lex Luthor zu einem korrupten Großindustriellen umgestaltet, sodass  Superman einem neuen Gegnertypus gegenübersteht, gegen den seine Superkräfte nur bedingt einsetzbar sind. Zudem wird die ehemalige Freundschaft von Batman und Superman nun von Misstrauen durchtränkt.

Miller und der Dunkle Ritter

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Frank Miller fasst in seinem Comic die neue Welt der Superhelden zusammen. (© DC)

Der hier beschriebene Wandel fast Frank Miller im März 1986 mit Batman: The Dark Knight (ein Comic, der es auf die Spiegel Bestsellerliste geschafft hat) zusammen: Der American Dream ist vorbei!

Batman hat sich aus der Welt zurückgezogen. Gotham wird von blutrünstigen Straßengangs beherrscht. Der naiv dargestellte Superman gehorcht dem Präsidenten Ronald Reagen blind. Die Flagge Amerikas mit all seinen Werten wir zum Signum Supermans und symbolisiert damit den Staat selbst.

Die Untergebenheit Supermans geht soweit, dass er sogar bereit ist, Batman zu töten. Batman selbst steht hingegen für das Individuum, welches in der immer komplexer werdenden Welt den Halt verliert. Dieses Verlorensein des Individuums wird in Batman: Year One (1986-1987) wieder aufgegriffen. Nicht nur Batman hat mit seiner Umwelt zu kämpfen, sondern jeder Mensch.

Gotham erhält einen deutlich düsteren Touch, indem Kinder ihren Lebensunterhalt auf dem Straßenstrich verdienen. Die Metropole wird zu jener korrupten und brutalen Schattenwelt, die wir heute kennen.

Zur selben Zeit entwerfen Alan Moore und Dave Gibbons die Watchmen, deren Teammitglieder nur noch wenig mit den gewohnten Superhelden und deren Idealen gemeinsam haben. Bereits in Rohrschachs Maske findet sich die Thematik des verlorenen Individuums wieder. Interessanter ist jedoch Ozymandias, der seine Rolle als Held über alle Regeln stellt und sich gottähnlich aufführt, indem er alleine eine weitreichende Entscheidung über die Menschheit trifft.

Die “wahren” Helden bleiben hierbei hilflos neben dem Geschehen stehen. Die Fragen, wie weit denn nun ein Held gehen darf oder wo Recht und Ordnung aufhören bzw. Unrecht und Verbrechen beginnen, werden immer wieder aufgeworfen. Selbst der Leser wird sich von nun an vermehrt fragen, was für ihn eigentlich einen Helden ausmacht.

 

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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