Supernatural – Die Briten mischen mit


Die Serie Supernatural darf im englischen Sprachraum bereits die zwölfte Staffel verzeichnen. Internet und Amazon sei dank, konnte ich bereits einen Blick in die neuesten Folgen werfen. Achtung, ich setze voraus, dass die vorherigen Staffeln bekannt sind, ansonsten: Spoilergefahr.

Ein etwas längerer persönlicher Rückblick

Da es unser erster Artikel zu Supernatural ist, beginnen wir am Anfang. Denn insbesondere bei einer Serie mit so vielen Staffeln ist das Verhältnis des Rezipienten nicht unerheblich. Meine erste Supernatural-Folge sah ich nachts im Fernsehen, damals noch auf ProSieben. Es war die erste Staffel und die Folge mit dem Hakenmann. Meine Begeisterung hielt sich damals in Grenzen.

Einige Wochen später begann meine Familie die Serie recht aktiv zu schauen und die ersten drei Staffeln landeten als DVDs im Schrank. Ich beteiligte mich erst nicht am Gucken, doch dann zwang mich eine Erkältung für einige Tage dazu, meine Zeit im Bett zu verbringen. Irgendwann landeten dann die Supernatural DVDs im Player und – tada – nach drei Folgen, gefiel mir das Konzept doch recht gut. 

Jensen Ackles spielt in Supernatural die Rolle des Dean. (Das Bild wurde von Gage Skidmore auf Flickr unter der Lizenz cc-by-sa-2.0 gepostet)

Ich verfolgte die ersten drei Staffeln leidenschaftlich. Sie brachten mich zum Lachen, Nachdenken und zumindest für Dean (Jensen Ackles) entwickelte ich eine Art Sympathie. In Staffel drei sagten mir sogar Lilith (Rachel Pattee, Katie Cassidy, Sierra McCornick, Katherine Boecher) und Ruby (Katie Cassidy) zu. Doch das änderte sich für die Zweitgenannte in Staffel 4 recht schnell. Ein Beweis dafür, dass nicht jeder Schauspieler für jede Rolle geeignet ist.

Ich verfolgte die Serie bis zum Ende der fünften Staffel aufmerksam, aber mit recht gemischten Gefühlen. Viele Änderungen sagten mir einfach nicht zu. Es wurde mir irgendwie zu groß. Die Apokalypse, Engel und hinter jeder Ecke ein Dämon (die am Anfang noch eine bedrohliche Seltenheit waren). 

Nach der fünften Staffel hatten Supernatural und ich unseren Tiefpunkt erreicht, der sich über die nächsten Staffeln schleppte und nur durch einige Folgen, die meist wenig mit der Hauptstory zu tun hatten, ein kleines Stück nach oben rückte. Sam (Jared Padalecki), der bei mir schon immer einen schlechten Stand hatte, wurde mir immer unsympathischer. Neben die beiden Brüder rückten immer mehr Hauptfiguren, die ich zwar teils interessant fand, mich aber auch teils von diesen gestört fühlte. 

Ich erreichte Staffel elf und wurde mit etwas noch Größerem als der Apokalypse konfrontiert. Die Frage, wie zum Teufel es noch immer Menschen geben konnte, die wirklich noch nichts Übernatürliches erlebt oder mitbekommen haben, schrie mich förmlich an.

Die Zeiten der Zweisamkeit sind schon lange vorbei!

Hinweis: Das Staffelfinale fand noch nicht statt.

Staffel zwölf hob meine Begeisterung bereits mit der ersten Folge. Achtung, die Spoiler für die neue Staffel beginnen.

Das erste Mal erfahren wir mehr über das Jägerleben außerhalb von Amerika. Großbritannien hat seine eigenen Männer der Schriften, die es angeblich schaffen, ihr Land gänzlich vom Übernatürlichen freizuhalten. Diese bemängelten die ganzen Fehlschläge von Dean und Sam und wollen den amerikanischen Jägern zeigen, wie sie ihren Job richtig machen sollen.

Sam und Dean sind von den Briten wenig angetan – ich hingegen schon. Zwar fallen die ersten beiden Damen aus dem Team recht negativ auf, aber dafür haben die zwei männlichen Mitglieder Arthur Ketch (David Haydn-Jones) und Mick Davies (Adam Fergus) im späteren Verlauf entweder sehr coole oder bewegende Momente. Insbesondere schätze ich den britischen Akzent und ich hoffe, dass sich die deutsche Synchronisation hier etwas Vernünftiges einfallen lassen wird.

Des Weiteren bin ich dieses Mal sehr von den weiblichen Figuren angetan. Nach der eher für mich sehr enttäuschenden Performance von Genevieve Padalecki als Ruby, hatten es die weiblichen Charaktere bei mir doch eher schwer. Die zwölfte Staffel bietet mir hingegen gleich drei neue Frauen, die alle auf ihre Art und Weise positiv im Gedächtnis bleiben. Kelly (Courtney Ford) als fürsorglich und beschützend, die sich gegen so manchen Widerstand wehrt. Dagon (Ali Ahn), die als einer der mächtigsten Dämonen selbst Engel mit Leichtigkeit ausschaltet und dann ist da, wie bereits das Ende der elften Staffel angekündigt hat, Mary Winchester. 

Mary ist kein leichter Charakter. Ich denke, viele werden sie vielleicht nicht mögen, da sie, obwohl sie es eigentlich besser wissen müsste, bei der Jagd doch manchmal sehr unvorsichtig erscheint und auch gegenüber Menschen etwas zu vertrauensselig ist. Die Verarbeitung des Verlustes ihres Mannes geht auch recht schnell vonstatten und der Umgang mit ihren Söhnen Dean und Sam ist gewöhnungsbedürftig. Sie ist Dean sehr ähnlich und so stoßen hier immer wieder zwei Dickschädel aufeinander.

Sam und Dean selbst sind in dieser Staffel ausnahmsweise Mal nicht zerstritten, weil sich jemand opfern will oder irgendeine andere Dummheit gemacht hat. Dafür macht sich Castiel (Misha Collins) manchmal etwas rar. Das macht jedoch nichts. Es kommen einige Figuren aus der Vergangenheit der Winchester Brüder wieder: Da hat einer der Geretteten ein Jägerleben eingeschlagen, Billie (Lisa Berry) kreuzt hin und wieder den Weg der Brüder und auch die taube Jägerin Eileen (Shoshanna Stern) wird ebenfalls wieder auftauchen und ein nicht unerhebliches Ereignis ins Rollen bringen.

Mark Pellegrino spielt wieder die Rolle des gefallenen Engels Lucifer. (Das Bild wurde von jfer21 auf Flickr unter der Lizenz CC BY-SA 2.0 veröffentlicht)

Es kommen somit einige neue Figuren hinzu, aber auch bekannte Gesichter dürfen das Publikum erfreuen. Ich persönlich freute mich insbesondere über Lucifer (Mark Pellegrino), der wieder mit zum Hauptcast gehört und beschlossen hat, einfach Spaß zu haben, anstatt die Apokalypse loszutreten. Dabei schlüpft er in die Rolle von einem Rockstar, einem Geistlichen und sogar in die des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Gegnern konzentriert er sich hierbei eher wenig auf die Winchester-Brüder und reagiert eher auf deren Aktionen. Denn Lucifers Hauptfeind in dieser Staffel ist Crowley (Mark Sheppard) und damit der Streit um den Höllenthron ein zentrales Thema. Obwohl ein Großteil der Dämonen zu Lucifer steht, offenbart Crowley in dieser Staffel nochmals, wie trickreich und raffiniert er ist.

Crowley bleibt wie immer schwer einschätzbar. Scheinbar selbstlos rettet er Castiel vor dem sicheren Tod, steht für die korrekte Einhaltung der Paktregeln ein, zeigt Sympathie gegenüber seinem menschlichen Sohn und ja er zeigt sogar Enttäuschung, als er von den beiden Brüdern hintergangen wird. Andererseits bleibt er der Dämonennatur treu.

Bewährte Formeln

Storytechnisch bewegt sich Staffel 12 hauptsächlich um die britischen Jäger und Lucifer. Dabei kreuzen sich die beiden Elemente immer wieder. Das Angenehme an dieser Staffel ist das Fehlen des drohenden Weltuntergangs, die erneute Bedrohlichkeit von Dämonen und wie so oft bei Supernatural die “Füllerfolgen”. Schauspielerisch bewegte sich Supernatural schon immer auf einem recht hohen Niveau und dieses wird ohne Probleme gehalten. Insbesondere Jensen Ackles darf in der einen oder anderen Folge zeigen, dass er nicht nur eine Rolle spielen kann. 

Die musikalische Untermalung der Serie bleibt sich treu und entweder einem liegt dieser Stil oder eben nicht. Kameratechnisch hat die Serie hingegen schon so manches ausprobiert. Wie schön war es doch in Staffel 11 mal eine ganze Folge aus der Sicht eines Autos zu sehen? Doch in Staffel 12 bleibt Supernatural bei der bewährten Methode, bevorzugt mit Großaufnahmen zu arbeiten, um die Mimiken der Schauspieler in den Fokus zu rücken.

Da ich eben schon das Auto, den geliebten Impala, erwähnt habe: Ich bemängle es noch immer, dass Dean und Sam so viel Zeit in ihrem Unterschlupf verbringen. Ich fand es schöner, als die beiden noch keinen festen Standpunkt hatten, an den sie immer wieder zurückkehren, sondern ihr Leben im Auto verbracht haben.  Ansonsten fällt mir nur negativ auf, dass es meines Erachtens einfach zu viele Dämonenfolgen in Supernatural gibt. Die Vielfalt der ersten Staffeln vermisse ich doch recht schmerzlich.

Fazit

Ich kann die zwölfte Staffel von Supernatural eigentlich nur empfehlen. Sie macht viele Sachen besser, als einige der neueren Staffeln, reicht jedoch nicht an die Stimmung der ersten Staffeln heran. Fans der bekannten Figuren kommen auf ihre Kosten und ich freue mich auf Staffel 13. Voraussichtlich werden die Folgen im Herbst in deutscher Sprachausgabe zu sehen sein. 

Was bedeutet diese Bewertung? Lest es hier nach.

 

Supernatural
Staffel 12
23 Folgen
Studio: Warner Bros.
 
Jetzt schon auf Amazon genießen.
 

 

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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