Battle Royale ist (endlich) da


Im Jahr 2000 produzierte Kinji Fukusaku einen Film, der unter Kennern als einer der Einflussreichsten seiner vier Jahrzehnte umspannenden Karriere gilt. Das kontroverse Thema und die unverhüllt-brutale Gewalt verhinderten seinerzeit einen Marktstart der ungeschnittenen Fassung in Deutschland. Das hat sich in diesem Monat geändert. Ich habe den Kultfilm in Form seiner Neuauflage einmal mehr zu Gemüte geführt — und bin positiv überrascht.

Rückkehr eines alten Bekannten

Es sei hier angemerkt, dass ich in meinen frühen 20ern ein großer Fan von Battle Royale war. Während ich zwar ein deutsches DVD-Release des Films besitze, hatte ich mir damals auch eine zumindest dem Titel nach wirklich ungeschnittene Fassung aus Österreich importiert. Diese war tatsächlich mehrere Minuten länger als die deutsche Version, in der viele Szenen aufgrund der harten Schnitte äußerst verwirrend waren.

Was gleich passiert? Fragt bloß nicht die alte Version des Films. (© Capelight)

Was ist denn jetzt passiert? Warum sind alle panisch? Wer liegt da jetzt am Boden? Die Österreicher hatten offenbar schon vor 16 Jahren weniger Skrupel, Jugendliche beim Sterben zu zeigen. Daher war auf meiner Import-DVD immer klar, was gerade geschah und das Blut floss in Strömen. Entsprechend war für mich die große Frage, was die neue Fassung, die von Capelight jetzt auf den Markt gebracht wurde, von meiner alten Import-Version unterscheiden würde – schließlich ist sie laut Hüllenangabe noch einmal ein paar Minuten länger. Mehr Gewalt konnte es wohl kaum sein, oder?

Mehr Tiefgang in der Neuauflage

Mitsuko ist im Director’s Cut ein Monster mit menschlicher Seite. (© Capelight)

Tatsächlich ist die Neuauflage der Director’s Cut von Battle Royale. Das bedeutet nicht mehr Gesplatter, davon hat der Film schließlich genug und es war auch nie der Punkt, den Fukusaku setzen wollte. Es bedeutet, mehr Rückblenden und Charakterisierung, mehr Humanisierung der Jugendlichen und ihrer Verhältnisse zueinander. Eine Szene etwa, zeigt die frühe Kindheit der sonst nur als monströse Mörderin charakterisierten Mitsuko – und demonstriert zugleich das Trauma von Kinderprostitution, eines kaputten Haushalts, aber eben auch, warum sie so schnell dazu in der Lage ist, sich auf das Töten einzulassen.

Zwischengeschobene Sequenzen zeigen die Klasse beim Basketballspiel gegen eine andere Schule – die Jungs auf dem Platz, die Mädchen beim Anfeuern. Der Zuschauer erhascht kurze Einblicke in eine Zeit, in der die Jugendlichen gemeinsam agierten und eine Gruppe waren, kein zerrütteter Haufen Verzweifelter.

Ein Meisterwerk mit Schwächen

Der Film bleibt vor allem handwerklich ein Meisterwerk. Die Story, vom Buch aus der alternativen Realität herausgerissen, in der Japan den zweiten Weltkrieg gewonnen hat, ergibt auch 17 Jahre später wenig Sin. Die von Fukusaku eingeschobenen Voiceovers und Rückblenden wirken vor allem auf westliche Zuschauer teils etwas abstrus, aber dabei überschatten die guten Eigenschaften die Schwächen: Battle Royale sieht fantastisch aus und Fukusaku holt aus seinen verdammt jungen Darstellerinnen und Darstellern unglaublich gute Leistungen heraus. Die Dramatik der Situation, in der sich die Kids wiederfinden, bleibt zu jedem Zeitpunkt erhalten – und das ist keine einfache Leistung.

Quentin Tarrantino ist ein großer Fan dieser Szene. (© Capelight)

Battle Royale hat wie bereits gesagt viele Filmemacher beeinflusst: In Shaun of the Dead haben die Helden ein Poster des Films in ihrem Wohnzimmer hängen, Quentin Tarantino wählte Chiaki Kuriyama aufgrund ihres Auftritts in eben diesem Film für ihre Rolle in Kill Bill aus und um das Konzept der Story nicht in den Tributen von Panem wiederzuerkennen, muss man schon eine sehr selektive Wahrnehmung haben.

Zurecht hat Fukusaku damit vor allem bei Filmkennern einen Erfolg hingelegt: Mag die Story irgendwo zwischen abstrus und bescheuert sein, sind die Szenen unglaublich gut gemacht. Es ist bezeichnend, dass die berühmteste Sequenz des Films nicht einmal die Hauptpersonen beinhaltet: In der Leuchtturmszene haben einige der Mädchen ihren Moment, zu glänzen – und das tun sie auch.

Fazit

Die Neuauflage ist für Cinephile und Fans fernöstlicher Filme ein absoluter Pflichtkauf – ist sie doch die erste Chance, den Film komplett ungekürzt in Deutschland zu beziehen. Wen das Thema von 15-Jährigen, die sich gegenseitig über den Haufen ballern nicht abschreckt, für den würde ich den Film immer noch als Geschmackssache einstufen. Ein Stück Filmgeschichte ist hier vom Index runtergekommen – und das ist eine verdammt gute Sache. Schaut sie Euch an, bevor das kommende US-Remake alles kaputtmacht.

Battle Royale ist im 4-Disc Blu-ray SteelBook und als Single-DVD im Handel erhältlich.

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Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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