Beispielcharakter: Trickser, Betrüger, Gauner


Ob Frank Abagnale aus Catch me if you can, Neal Caffrey aus White Collar oder Danny Ocean aus Ocean’s Eleven (und Nachfolger): Der gewiefte, charismatische Gentleman, Gauner und Betrüger ist aus Hollywood nicht mehr wegzudenken. Also holen wir ihn doch auch einmal an den Rollenspieltisch.

Als Hochstabler könnt ihr grundsätzlich alles. Zumindest solltet ihr das jeden glauben lassen. Eure wahre Stärke liegt in eurem charismatischen Auftreten und eurer Fähigkeit, notwendige Dokumente oder Ähnliches einfach zu fälschen. Folglich wird Charisma definitiv euer wichtigstes Attribut sein, dicht gefolgt von Geschicklichkeit.

Überzeugen, Lügen und Betrügen

Wer könnte diesem Lächeln schon widerstehen? (© USA Network)

Eure Fähigkeiten sind in erster Linie darauf ausgelegt, andere für eure eigenen Ziele gewinnbringend einzuspannen: Überzeugen, Lügen und Manipulieren. Hinzukommend bedarf es für das Erstellen glaubhafter Fälschungen ein breit gefächertes, mehr oder minder kunsthandwerkliches Geschick: Zeichnen, Malen, Schreiben und eventuell sogar die Bearbeitung von Holz, Stein oder Metall gehören zu euren besten Fähigkeiten. Schurkische Talente wie Taschendiebstahl und Schlösserknacken runden euer Repertoire ab.

Im Gegenzug werdet ihr stets bemüht sein, eine direkte Konfrontation mit euren Gegnern zu vermeiden. Nichtsdestotrotz empfiehlt es sich, grundsätzlich für den Kampf gewappnet zu sein. Je nach Setting eignen sich hier am besten “Gentleman-Waffen” wie ein Degen. Baut aber immer auf eure anderen Fähigkeiten und mogelt euch notfalls aus dem Kampf heraus.

Dies wird auch der Kernfokus im Rollenspiel sein: Lügen, Betrügen und andere über den Tisch zu ziehen sind eure eigentlichen Waffen. Euer geschulter Verstand erfasst dabei die Situation recht schnell und kann so Pläne auch unter Zeitdruck ausarbeiten.

Vorher absprechen

Das Konzept sollte definitiv mit dem Spielleiter und gegebenenfalls mit euren Mitspielern abgesprochen werden, da dieser Beispielcharakter definitiv nicht für alle Arten von Abenteuern ausgelegt ist. So ist der Betrüger beispielsweise in der Wildnis völlig verloren und nur bedingt nutzbringend – erst recht, wenn kaum soziale Interaktionen mit NPCs stattfinden. Deshalb sprecht euch vorher ab, welche Art von Abenteuer ihr spielen mögt. Wollen eure Mitspieler lieber viel reisen, Ruinen erkunden und in der Wildnis leben, dann sucht euch notfalls ein anderes Konzept aus: beispielsweise den Waldläufer oder – wenn es doch ab und zu charismatisch hergehen soll – den peitschenschwingenden Indy.

Der Betrüger arbeitet immer zu seinem Vorteil. Wenn eine Gruppe ihm nützt, dann ist sie ihm willkommen. Ein kleiner Diebstahl oder eine kleine Gaunerei steht dem aber nicht im Weg. Dennoch kann auf lange Sicht selbst in Trickser enge Freundschaften​ schließen, die er dann nicht mehr (so oft) bestiehlt oder über den Tisch zieht. Gelegentliche Gaunereien und Lügen werden aber sicherlich nie aufhören – und wenn es ein kleiner Kartentrick für eine Münze ist.

Werkzeug, schicke Kleidung und ein charmantes Lächeln

Wer früh anfängt, kann auch bald ein Meistertrickser werden. (© Paramount)

Womit wir auch schon bei der Ausrüstung sind. Der Betrüger braucht eigentlich nicht besonders viel, eventuell noch nicht einmal eine Waffe. Wichtig sind nur seine Fälscherutensilien: Stift, Papier, Drucker, Schnittwerkzeug. Zusätzlich empfiehlt sich auf jeden Fall schickere Kleidung, die ihn vom gemeinen Straßengesinde abhebt, ohne zu sehr aufzufallen. Ein adretter Hut, ein eleganter Mantel oder ein glänzender Gürtel runden das Äußere ab und können im Zweifel vom eigentlichen Geschehen ablenken.

Zwei wichtige Hinweise für den Spielleiter: Ein Betrüger wird sich definitiv Feinde machen. Schließlich lebt er auf Kosten anderer. Nicht zuletzt die Obrigkeit und Polizei sollten auf ihn aufmerksam werden, sondern eventuell auch finsterere Gesellen. Sowohl bei White Collar als auch bei Catch me if you can beißt sich übrigens ein Ermittler am Betrüger fest und verfolgt ihn so lange, bis er hinter Schloss und Riegel ist, ohne jedoch seine Bewunderung für den gewieften Gauner verstecken zu können. Solch ein Gegenspieler könnte auch in der Rollenspielrunde für Auflockerung und interessante Begegnungen sorgen. Außerdem lässt sich dieser Charakter auch hervorragend als Beispielgegner: Der findige Abenteurer und damit als Kontrahent der Spielergruppe einsetzen.

Das Titelbild stammt vom Filmplakat von Ocean’s Eleven (© Warner Bros.).

Weitere Beispielcharaktere:

Indiana Jones
Der Dandy Highwayman
Diebische Finger
Feuerliebhaber
Messerwerfer

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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