Beispielgegner: Der findige Abenteurer


Es gibt ihn häufig im wirklichen Leben, warum also nicht auch am Rollenspieltisch: den immerwährenden Kontrahenten, der euch Aufträge und Belohnungen vor der Nase wegschnappt. Dieser Beispielgegner entfaltet seine Stärken allerdings erst, wenn er auch häufiger auftreten darf.

Natürlich sind die Spielercharaktere nicht die einzigen Abenteurer, die durch die Lande ziehen, um sich neuen Aufträgen und Herausforderungen zu stellen. Also warum nicht einen Dauerkontrahenten platzieren, der mal gegen die Spieler arbeitet, mal vom selben Auftraggeber angeheuert wurde – und in der Konsequenz den Spielern das Leben schwer macht, weil er sie immer zu überflügeln und eigentlich auch abzuhängen gedenkt. Ihr könntet auch gleich eine ganze Gruppe als Pendant zur “Heldengruppe” erschaffen.

Wichtig ist dabei, dass der findige Abenteurer – so nenne ich diesen Kontrahenten – nicht nur äußerst clever vorgeht, sondern der Gruppe mindestens ebenbürtig ist. Er soll die Spieler ruhig einmal überrumpeln, den Schatz vor der Nase wegschnappen oder sie auf dem Heimweg überfallen und die komplette Beute einstreichen. Hinterlistigkeit sollte definitiv kein Fremdwort für ihn sein, aber noch wichtiger ist sicherlich sein Charme.

Irgendjemand pfuscht uns immer dazwischen…

Anfangs sollte er (oder sie) quasi als Schatten und Unbekannter immer mal wieder auftauchen, bis die Spieler einmal mit ihm zusammenarbeiten müssen. Ob er sie gleich hintergeht oder erst irgendwann später, bleibt euch überlassen. Interessanter ist es natürlich, wenn die Spieler den findigen Abenteurer (und seine Gruppe) zunächst als Freund ansehen. Irgendwann sollte das dann aber entweder umschlagen oder es kommt heraus, dass der “Freund” schon früher den Spielercharakteren ins Handwerk gepfuscht hat.

Dieser Gegner bietet besonders viel Potenzial, immer wieder in die Abenteuer eingebaut zu werden und so den Spielern das Leben schwer zu machen. Dabei sollten natürlich auch die Helden immer mal wieder siegreich sein. Der findige Abenteurer sieht die immer stärker aufkeimende Rivalität jedoch nicht als Feindschaft an, sondern vielmehr als eine Art Wettbewerb. Seine Devise lautet dabei in etwas so: “Ach, die vier sind also auch an dem Schatz dran? Dann sehen wir mal, wer ihn sich dieses Mal zuerst schnappt.”

Ihr seid umzingelt. Gebt mir den Schatz…

Unabhängig davon, ob die Spieler ihren Kontrahenten ebenfalls mit einem derart sportlichen Eifer begegnen oder nicht, es könnte sich auf diese Weise eine über viele Jahre wachsende Hassliebe entwickeln, die immer wieder der Anlass für neue Abenteuer sein könnte oder selbigen zumindest eine entsprechende Würze verleiht. Der findige Abenteurer würde allerdings nie bis zum Letzten gehen: Er will den Spielercharakteren eigentlich nichts Böses, nur ihren Ruhm und ihre Schätze. Der Tod ist daher nie eine Option, weder für ihn noch für seine Gegenspieler bzw. euch. Wenn er die Helden überfällt, dann immer mit einem Plan, der eben keinen direkten Kampf zur Folge hat bzw. haben sollte.

Da dieser Gegner sicherlich mehrmals vorkommen wird, legt ruhig einen richtigen Charakterbogen für ihn an. Falls er zusätzlich eine dauerhafte Gruppe haben soll, legt auch für die Gruppenmitglieder mindestens “Steckbriefe” an und überlegt euch zu allen eine Hintergrundgeschichte. Stellt euch vor, ihr würdet hier gerade einen Charakter oder eine ganze Gruppe für eine neue Spielrunde erschaffen. Wenn ihr den findigen Abenteurer nicht mit etwas anfüttert, wirkt er leer und wie ein normaler Schurke.

Tatsächlich könntet ihr sicherlich ein paar Beispielcharaktere wie Indiana Jones oder der Dandy Highwayman als gute Inspirationsquelle nutzen. Je nach System bieten sich bestimmte Rassen, Klassen, Clans oder ähnliches zweifelsohne besser an als andere, um einen findigen Abenteurer als Gegenspieler aufzubauen. 

Also, worauf wartet ihr noch? Erschafft einen würdigen Kontrahenten für eure Spieler, der mit ihnen um Schätze, Jungfrauen und Aufträge kämpft; oder ihnen als Abenteurer für die andere Seite Steine in den Weg legt!

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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