Der perfekte Organismus?


Alien: Covenant gehört zu jenen Filmen, die es dank ihrer Vorgänger recht schwer haben. So steht Ersterer vor einer schier unüberwindbaren Hürde, wenn er alte Fans und Neulinge gleichermaßen zufrieden stellen soll. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen und Hoffnungen an das neueste Werk von Ridley Scott. Ob er diese wohl erfüllen kann?

Als ich davon hörte, dass es einen neuen Alien Film geben werde, war ich sowohl begeistert als auch besorgt. Prometheus hatte mich damals schwer enttäuscht. Zumal ich mich immer wieder ärgere, wenn in Comics neben Alien und Predator auch die Konstrukteure eine tragende Rolle erhalten.

Interessanterweise muss irgendetwas in mir solange mit sich gerungen haben, dass ich mit einem relativ neutralen Gefühl gestern den Kinosaal betrat. Keine Erwartungen, keine Befürchtungen. 

Die ersten Minuten des Films bieten einen kleinen Rückblick, bevor es direkt zum Kolonieschiff Covenant geht. Es ist der 5. Dezember 2104 (zur Orientierung:  Prometheus spiel im Jahr 2092 und der erste Alien-Teil im Jahr 2122): Durch einen Unfall muss die Crew, die aus 15 Mitgliedern besteht, aus dem Kälteschlaf geweckt werden. Bereits hier läuft nicht alles glatt, sodass schnellstmöglich gehandelt werden muss, um das Leben der sich noch im Kälteschlaf befindenden Kolonisten an Bord zu schützen. 

Diese schöne Gegend könnte die neue Heimat für eine Gruppe von Menschen werden. (© 2017 Twentieth Century Fox)

Wie durch ein Wunder wird durch ein Signal die Aufmerksamkeit der Mannschaft auf einen nahe liegenden Planeten gelenkt, der sich entgegen des ursprünglichen Reiseziels deutlich besser für eine Kolonisierung eignet. Nur der erste Offizier Daniels (Katherine Waterston) zeigt sich misstrauisch. Nichtsdestotrotz wird beschlossen, den Planeten zu erkunden und den Ursprung des Signals zu lokalisieren.

Eine schwache Protagonistin

Der Film lässt sich viel Zeit, um in Fahrt zu kommen. Teils erinnerte der Anfang an einen gemütlichen Spaziergang, bei dem auf ein langes Vorstellen der Charaktere verzichtet wird. Tiefer greifende Beziehungen werden dabei meist nur durch Formen der Anrede oder andere subtile Hinweise verkündet. Dabei hätte hier in der einen oder anderen Figur viel Sympathie-Potenzial gesteckt werden können, denn offensichtlich war eine gewisse Vielfältigkeit geplant.

Katherine Waterston als Daniels konnte mich als starke Frau nicht überzeugen.(© 2017 Twentieth Century Fox)

Der Protagonistin Daniels konnte ich jedoch nur wenig abgewinnen. Es fiel mir schwer,mich in irgendeiner Weise mit ihrem Denken, Handeln und Fühlen zu identifizieren. Sie wirkte auf mich unglaublich zerbrechlich, sodass ich ihr leider ihre starken Momente nie abnehmen konnte. Ganz anders sah es da mit der Figur Tennessee (Danny McBride) aus, der mir durch seine lockere Art und seinen Kampfgeist positiv im Gedächtnis bleiben wird.

Des Weiteren legte Michael Fassbender eine grandiose Leistung hin, auch wenn ich mir ein bisschen weniger Text gewünscht hätte. Teils fallen Dialoge und Monologe viel zu lang aus. Außerdem vermisste ich die bedrückende Stimmung aus dem ersten Alien-Film.

Doch wie sieht es eigentlich mit dem Alien selbst  aus? Achtung, hier muss ich leider spoilern. 

Achtung Spoiler!

Wir haben es nicht von Beginn an mit dem vertrauten Alien zu tun, sondern noch mit dessen Vorformen, die teils unbefriedigend aussehen. Beim “richtigen” Alien mag das Herz im ersten Moment auch nicht wirklich höher schlagen, da es sich irgendwie falsch anfühlt. Es ist wirklich nicht schlecht gemacht und es bekommt wahrlich ein paar coole Szenen zugeschrieben, aber die jüngere/kleine Version  konnte ich beim besten Willen nicht ernst nehmen. Auf den aus anderen Filmen bekannten Chestburster wurde verzichtet.

Und schlussendlich ist es nicht der perfekte Organismus, der die Crew wie am Laufband abfrühstückt, sondern es ist die Dummheit der Menschen. Dafür ist die musikalische Untermalung wunderschön. Zumal es Ridley Scott nicht verlernt hat, atemberaubende Bilder zu präsentieren. 

Zumindest die Charaktere haben eindeutig Angst um ihr Leben. (© 2017 Twentieth Century Fox)

Am Ende des Films sah ich auf den Abspann und… ich hatte das gleiche Gefühl wie am Anfang. Wir verließen den Kinosaal, unterhielten uns und mir wurde die Frage gestellt: “Was ist Alien eigentlich? Horror? Action?” Gute Frage. Für Action war es teils zu ruhig. Angst hatte ich nur einmal und zwar als ich Sorge hatte, dass mein Sitznachbar erstickt. Die vorherigen Teile ließen sich deutlich leichter einordnen und damit konnte ich die Frage nur oberflächlich mit Science-Fiction beantworten.

Fazit

Alien: Covenant ist zwar schon besser als Prometheus, aber deutlich schlechter als der erste Alien-Film. Ersterer hat sowohl gute als auch schlechte Momente und Charaktere. Schlussendlich ist Alien: Covenant wohl reine Geschmackssache. Und sollte es einen weiteren Teil geben, hoffe ich, dass Ridley Scott nicht das Zepter in der Hand halten wird.

Was bedeutet diese Bewertung? Lest es hier nach.

 

Alien: Covenant
Regisseur: Ridley Scott
Genre: Science-Fiction
Laufzeit: 122 Minuten
FSK: 16
 

Alien: Covenant [Blu-ray]

Price: EUR 19,99

2.9 von 5 Sternen (119 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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