Gotham geht in die dritte Runde


Obwohl die zweite Staffel von Gotham von mir herbe Kritik einstecken musste, wagte ich mich dennoch an ihre Fortsetzung.

Rückblick: Die zweite Staffel schloss mit einem für mich sehr unbefriedigenden Finale ab, zumal mich vorangegangene Plotlöcher und zu viele Charaktere am Story-Verlauf zweifeln ließen. So war es letztlich auch kein Wunder, dass die Serie spätestens in dem Moment für mich ihren Reiz verlor, als einer meiner (männlichen) Lieblingsschurken wider Erwarten von einer Teenagerin verkörpert werden sollte.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen und frühere Enttäuschen sind halbwegs verdaut. Nun bin ich bereit, mich der dritten Staffel zu stellen. Denn die Hoffnung stirbt bekannter Maßen zuletzt.

Das kann Gotham

Gothams Stärke sind einige seiner Schauspieler. Sowohl kanonische Figuren wie der Pinguin und der Riddler, als auch Neuzugänge wie Fish Mooney werden seit der ersten Staffel von unglaublich talentierten Schauspielern in Szene gesetzt. Das führt dazu, dass Emotionen der Charaktere greifbarer werden, wenngleich sie nicht jede Handlung der einzelnen Figuren nachvollziehbarer machen. Zwar gibt es auch hier eher schwache Lämpchen am Weihnachtsbaum, dies bleibt jedoch verzeihbar, da es meiner Meinung nach zum Großteil die jüngeren Akteure betrifft. 

Eine weitere Stärke der Serie ist ihre Atmosphäre. Gotham versteht es, eine düstere Stadt zu gestalten, ohne dabei zu stark zu überzeichnen. Dies wird überwiegend durch die kalte Farbwahl erreicht, welche die bedrückende Stimmung merklich unterstreicht. 

Entsprechend überwältigend ist die erste Szene der dritten Staffel, die uns mit warmen Farben und einer sommerlichen Stimmung in die Verzweiflung von Jim Gordon einführt, seine Geliebte verloren zu haben.

Der darauffolgende Zeitsprung von einem halben Jahr wirft uns dann direkt in einen Kampf zwischen dem inzwischen als Kopfgeldjäger arbeitenden Gordon und Killer Croc (?), der aktuell noch mehr Mensch als Bestie ist. Und schon beginnt der erste Plot: Die damaligen Opfer von Hugo Strange streifen als Monster verrufene Wesen unter der Leitung von Fish Mooney durch Gotham. Bürgermeister und Polizei sind überfordert. Der Pinguin nutzt diese Unruhe, um sich Macht zu verschaffen.

Neues in Gotham

Die ersten Minuten sind also schon recht vollgestopft. Bereits bekannte Charaktere werden relativ schnell präsentiert, wobei sich in mir das ungute Gefühl der Überladung bemerkbar macht. Eine Schwäche der Serie war es stets, dass sie zu viel auf einmal zeigen möchte. Dies führt dazu, dass einige der Schurken, die Batman eigentlich erst später treffen würde, wie an einem Laufband abgefrühstückt werden.

Zu allem Überfluss treffen wir auch dieses Mal auf neue Charaktere. Da wäre zu einem Valerie Vale, eine engagierte Reporterin und Tante der bekannten Vicky Vale, und zum anderen Man-Bat, der wohl wie viele andere Charaktere auf seine gut geschriebene Comic-Origins verzichten muss. Da es sich bei Gotham um eine neue Interpretation handelt, lässt sich dieser Punkt für mich noch mehr oder weniger gut verkraften. Immerhin stimmt dieses Mal das Geschlecht.

Auch Jervis Tetch alias Mad Hatter darf nun Gotham betreten. Gespielt wird er von Benedict Samuel, der mehr durch seine Art zu reden als durch seine Mimik überzeugen kann und sich damit zu dem talentierten Cast gesellt.

Doch auch bereits bekannte Charaktere haben sich verändert. So hat Jim Gordon eine „Ist mir egal, was aus der Stadt wird“-Einstellung, die sich im ersten Moment schwer mit dem vertrauten Charakter in Verbindung bringen lässt. Natürlich bietet das der Serie mehr Spielraum, auch mal düstere Lebensphasen der bisher eher positiv wahrgenommenen Charaktere zu thematisieren. Leider fühlt sich das Ganze dennoch recht klischeehaft an. 

Davon abgesehen darf Poison Ivy nun eine größere Rolle spielen. Durch einen Schurken, der andere altern lassen kann, erhält die Gute einen kleinen Wachstumsschub und damit eine neue Schauspielerin. Ob dies ein geschickter Storykniff ist oder sich eher nach einer verzweifelten Notlösung anhört, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich begrüße Maggie Geha als neue Darstellerin in Gotham, da diese durchaus Talent hat und es wohl keine bessere Wahl für eine junge Poison Ivy geben kann. 

Derweil nimmt Bruce Wayne seinen Doppelgänger bei sich auf und verändert sich. Er lernt die Macht des Geldes zu nutzen und nährt sich langsam seinem erwachsenen Ich an. Die Doppelgängerstory hätten sie gerne bleiben lassen können, da dieses Konzept schon viel zu oft in anderen Serien aufgegriffen wurde. Diese ganzen Verwechslungsstorys sind wahrlich nur noch ermüdend. Dennoch tut die aktuelle Entwicklung Bruce ganz gut.

Eine weitere Entwicklung betrifft dieses Mal gleich zwei Charaktere: Der Riddler und der Pinguin nähren sich an. Was als eine außergewöhnliche Freundschaft begann, nimmt nun Züge einer Liebesbeziehung an. Leider! – muss ich an dieser Stelle sagen; und zwar aus folgenden Gründen: Mir stehen die Comics im Weg. Es sind zwei sehr bekannte Figuren, die meines Wissens nach nie eine solche Beziehung hatten.

Wie ich bereits erwähnt habe, geht Gotham viele neue Wege. Dennoch erwarte ich, dass sich Charaktere möglichst nahe am über die Jahrzehnte gewachsenen Kanon bewegen. Ansonsten könnte man aus Selina auch eine Katzen hassende, unathletische Frau machen, die sich nicht mal ansatzweise trauen würde, über ein Hinwegsetzen der Regeln nachzudenken.

Erschreckender finde ich jedoch die Reaktion einiger Fans. Wer jetzt denkt, ich bin schockiert von denjenigen, die sich über eine homosexuelle Beziehung beschweren, liegen falsch. Wirklich abstoßend empfinde ich das Verhalten derer, die andere als Homophob, Intolerant oder sonst etwas bezeichnen, nur weil diese die Entwicklung der Charaktere aufgrund der mangelnden Kanontreue in Frage stellen. Dies führte fast dazu, dass ich gar keine Lust mehr hatte, mich überhaupt auf diese Idee einzulassen.

Doch zurück zur Serie. Der Pinguin und der Riddler nähren sich also an. Wie das Ganze ausgeht? Warum diese Annäherung überhaupt stattfindet und welche Konsequenzen dies für einen oder beide haben wird, soll hier gar nicht weiter gespoilert werden. Ich möchte nur sagen, dass das Szenario trotz meines Kanon bedingten Unbehagens unglaublich schön inszeniert wurde. Die Szenen haben mich auf unterschiedlichen Ebenen sehr berührt und unter anderen Umständen hätte ich dies sogar sehr geschätzt.

Ansonsten können sich Freunde des Jokers freuen. Diesem werden wieder einige Episoden gewidmet. Schauspielerisch sind diese ebenfalls wieder sehr gut umgesetzt. Nichtsdestotrotz hätte er aber von mir aus auch gerne noch deutlich länger auf sich warten lassen können.

Fazit

Viele fanden die zweite Staffel von Gotham besser als die erste. Während Staffel 2 bei mir vielfach aneckte, hat es  die dritte Staffel deutlich leichter, da ich sie einfach als Easter-Egg des Batman-Franchise ansehe. Des Weiteren konnte die Staffel durch Mad Hatter dermaßen punkten, dass ich sie deutlich besser finde als die zweite Staffel.

Dennoch bleiben altbekannte Schwächen der Serie ebenso erhalten wie ihre Stärken. Im Großen und Ganzen konnte mich die dritte Staffel von Gotham gut unterhalten.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es hier.

Am 17. Mai 2017 startet die dritte Staffel auf Prosieben. 

Gotham
Staffel 3
22 Folgen
Studio: Warner Bros.
 
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Titelbild © FOX
Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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