Die Braut des Urzkartagas


Passend zum Kinostart werfen wir einen Blick auf den Rebirth Wonder Woman Comic “Die Lügen”. Der erste Band der Soloserie erschien bereits im April diesen Jahres bei Panini und wurde von Greg Rucka geschrieben.

Der Name des Autors erfüllte mich persönlich gleich mit Vorfreude, hatte er doch schon öfter bewiesen, dass er es versteht, realistische und starke Frauenfiguren zu präsentieren. Doch nicht nur Greg Rucka führte dazu, dass ich eine gewisse Neugier verspürte, auch das Cover (siehe Header) trug seinen Teil bei.

Im Vordergrund findet sich jene Amazone, die ihr Schwert in die Höhe hält und durch die roten Farben deutlich hervorgehoben wird. Das restliche Bild hat eine eher bläuliche Nuance und präsentiert gleich fünf weitere Figuren. Besonders interessant für mich sind Ares, der zur Rechten von Wonder Woman steht, und Cheetah, die links im Bild im Schatten eines Gewächses lauert.

Wonder Woman und Cheetah gehen ein Bündnis ein. (© Panini/DC)

Auf der ersten Seite werden dem Leser unterschiedliche Entstehungsgeschichten von Diana alias Wonder Woman präsentiert und der Hinweis gegeben, dass sie selbst nicht mehr weiß, was der Wahrheit entspricht. Gerne würde sie mit einer Person darüber reden, doch sie kann den Olymp nicht mehr betreten. Außerdem findet sie ihre Heimat Themyscira nicht mehr wieder.

So beschließt Wonder Woman eine alte Freundin, die mittlerweile eine Feindin geworden ist, um Hilfe zu bitten: Cheetah. Die Leoparden-Lady erklärt sich bereit Wonder Woman zu helfen, wenn diese den Fluch von ihr nehmen kann, den ihr Gatte Urzkartaga für ihre Untreue auf sie gelegt hat. Zur selben Zeit befindet sich Steve Trevor in der Nähe, um Cadulo, der sich ebenfalls mit dem Gott Urzkartaga eingelassen hat, aufzuhalten.

Die Gestaltung des Comics

Die Zeichnungen sind sehr schön, doch leider nicht konstant. Das liegt nicht daran, dass die ersten fünfzehn Seiten von Matthew Clark und der Rest von Liam Sharp stammt, sondern vielmehr an einigen Kleinigkeiten. Es sind tatsächlich Wonder Womans Haare, die mir immer wieder ins Auge stechen. Innerhalb von relativ dicht aufeinanderfolgenden Szenen wechseln diese in Länge und “Lockigkeit”. Auch wirkt die Amazone in einigen Panels manchmal deutlich jünger.

Urzkartaga, eine Gottheit, die in Afrika verehrt wird. (© Panini/DC)

Es gibt jedoch auch einzwei Sachen, die ich besonders gut finde: z.B. das Gesicht von Cheetah. Die Mischung aus gefährlichem Raubtier und Frau ist wirklich gut gelungen und hebt dadurch die emotionalen Momente der grimmigen Katze gut hervor.

Ebenso finde ich die (dämonenartige) Gestaltung von Urzkartaga meisterhaft. Er wurde nicht nur sehr liebevoll mit Details ausgestattet, er erinnert mich auch an eine Gestalt aus einem Horror-Comic.

Neben diesen beiden Figuren überzeugen mich insbesondere das naturräumliche Setting und sein Spiel mit dem Licht.

Hält das Cover, was es verspricht?

Leider nicht! Zwar hat mir der Comic sehr gut gefallen, doch das Cover führt(e) mich dann doch ein wenig in die Irre. Freilich finden sich Wonder Woman, in neuem Gewand, Steve und Cheetah in dem Band, aber insbesondere Ares, der doch deutlich mehr Aufmerksamkeit auf dem Cover erregt, macht sich ziemlich rar. Natürlich mault bei mir da das Fanherz.

Doch dafür wies mir der Name Greg Rucka den richtigen Weg. Er versteht es, die perfekte Mischung aus imposanten Kampfszenen und Warmherzigkeit zu schaffen, und so kann Wonder Woman nicht nur eine Furcht einflößende Kriegerin sein, die sich durch die Gegner metzelt, sondern auch eine einfühlsame Frau.

Wonder Woman entscheidet von Fall zu Fall: Reden oder Zuschlagen. (© Panini/DC)

Besonders gut wurde von Greg Rucka die Thematik Geschlechterrollen aufgegriffen, wenn die männliche Gottheit und seine Anhänger alle Frauen als schwache Verehrerin ansehen, diese teils abwertend mit den Worten Weib umschreiben und fest davon überzeugt sind, dass sie diese unterwerfen könnten und müssten.

Doch es geht Rucka weder darum, das eine Geschlecht besser als das andere darzustellen, noch darum in irgendeiner Weise moralisch zu appellieren, sondern vielmehr Wonder Womans unterschiedliche Seiten darzustellen. Und keine Sorge, es wird nicht jeder Mann oder jede Frau stereotypisch umgesetzt.

Neben den Darstellungen auf dem Cover finden sich noch einige andere Figuren im Band, die eine wichtige Rolle spielen. So wird zum Beispiel Veronica Cale als Gegenspielerin eingeführt. Mehr soll an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden.

Fazit

Persönlich gefällt mir der Comic sehr gut. Ich begrüße die neue Rebirth Wonder Woman, da ich Meredith Finchs Umsetzung der Amazone als arg fraglich empfinde. Doch mit der geworbenen Einsteigerfreundlichkeit kann ich nicht ganz mitgehen. Zumindest die Ereignisse während The New 52 sollten bei Unkenntnis dringend bei Wikipedia nachgelesen werden, da sonst der Leser genauso verwirrt sein könnte wie Wonder Woman selbst. Dennoch möchte ich diesen Comic sehr gerne empfehlen. Er gehört für mich mit zu den besseren Rebirth Titeln und macht einfach sehr viel Spaß beim Lesen.

Wer beim genauen Hinsehen irritiert sein sollte, dass “Die Lügen” nur die Wonder Woman Rebirth Storys 1,3,5,7,9 und 11 zusammenfasst: In Amerika erschienen diese im Wechsel mit den Year One Storys, die es ebenfalls bei Panini zu erwerben gibt.

Was bedeutet diese Wertung? Das erfahrt ihr nach nur einem Klick.

 

Wonder Woman: Bd. 1 (2. Serie): Die Lügen
Autor: Greg Rucka
Zeichner: Matthew Clark, Liam Sharp
Verlag: Panini
Taschenbuch: 164 Seiten
 

Wonder Woman: Bd. 1 (2. Serie): Die Lügen

Price: EUR 16,99

4.6 von 5 Sternen (7 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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