Der Fährmann


Der Fährmann wurde vom amerikanischen Schriftsteller Christopher Golden geschrieben und ist seit dem 20. März 2017 dank dem Buchheim Verlag auf dem deutschen Markt in einer außergewöhnlich schönen Hardcover-Version erhältlich. 

Als Liebhaber des Horror-Genres und mythologischer Erzählungen war es nur eine Frage der Zeit, bis Der Fährmann meine Aufmerksamkeit erregte. So war ich gespannt, wie Charon, welcher mich bereits durch einige Kunstwerke begleitet hatte, in einem literarischen Werk dargestellt wird.

Inhalt

Janine begegnet dem Fährmann an jenem verhängnisvollen Tag, an dem sie zusammen mit ihrem ungeborenen Baby in Lebensgefahr schwebt. David, Lehrer an einer katholischen Schule und früherer Liebhaber von Janine, erfährt über die gemeinsame Freundin Anette, liebevoll Elfchen genannt, dass Janine letztlich ihr Baby verloren hat. Spencer, der Vater des verstorbenen Kindes, hat Janine schon von einiger Zeit sitzen lassen. Obwohl Janine David damals für Spencer verlassen hat, möchte David ihr in dieser schweren Zeit beistehen.

Janine freut sich über Davids Hilfe, hat jedoch noch mit alten Gefühlen zu kämpfen. Doch nicht nur ihre Gefühle für David und der Verlust des Babys setzen ihr zu. Spencer kreuzt wieder in ihrem Leben auf und quält sie. Und dann sind da noch diese Träume von einem Fluss und seinem Fährmann Charon, der sie beinah zärtlich umwerbend zu sich zurückruft. 

Doch nicht nur Janine hat mit ungewöhnlichen Ereignissen zu kämpfen. Desto näher David Janine kommt, desto mehr scheinen ihn die Geister seiner Vergangenheit einzuholen und ihm nach dem Leben zu trachten.

Leseeindruck

Der Fährmann lässt sich nach einem schaurigen Einstieg relativ viel Zeit und schenkt seine Aufmerksamkeit seinen Charakteren, ihrem alltäglichen Leben und ihren Emotionen. Das Unheimlich flackert immer nur in kurzen Momenten auf und zieht sich dann vorerst zurück.

Erst als die Charaktere realisieren, dass es sich bei vielen Ereignissen um viel mehr handelt als vorerst angenommen, zieht die Erzählung das Tempo deutlich an. Ab diesen Punkt fiel es mir schwer, das Buch trotzt fortgeschrittener Uhrzeit wieder zur Seite zu legen, und so las ich die letzten Seiten des Fährmann in den frühen Morgenstunden.

Der Text ist – sprachlich gesehen – immer angenehm zu lesen. Die Satzkonstruktionen sind nicht zu komplex, aber auch nicht zu simpel. Es wird mit der Vielfalt von Synonymen gespielt, wobei keine lästigen Wiederholungen aufkommen und ein gutes Bild vor dem inneren Auge entstehen kann. Die optische Beschreibung einiger Charaktere hätte aber dennoch prägnanter und ausführlicher sein können, denn letztlich blieb mir nur das Aussehen von Charon in Erinnerung. 

Dass mit einer Mythengestalt wie Charon der Tod nicht weit ist, scheint klar, doch überraschenderweise haben mich die Tode ausnahmsweise mal berührt. Es mag daran liegen, dass ich mich sowohl mit David als auch mit Janine auf irgendeine Weise identifizieren konnte, sodass mir ein wenig unwohl wurde, wenn ein Charakter in ihrem Umfeld den Tod fand. Vielleicht war es auch die Art, wie die Personen verstarben. Es gibt kein großes Gemetzel oder unnötige Blutfontänen wie in einem Slasher-Film, sondern handelte es sich vielmehr um sehr realistische Tode, die man selbst jeden Tag erleben könnte.

Dadurch fühlte ich mich auf einigen Seiten wie bei einem Spaziergang auf einem Friedhof, bei dem die Schritte automatischer bedächtiger werden, wenn einem jemand mit Trauermiene entgegen kommt, aber man dennoch nicht anhalten kann. Und eigentlich wäre die Story somit fast perfekt, wenn sie mir als Leserin ein Gefühl der Anteilnahme und des Schauers mitgibt. Nichtsdestotrotz gab es auch etwas, was mir selbst nach längerem Nachsinnen einfach nicht gefallen wollte: das Ende. 

Es wird mir zum Finale hin an einigen Stellen zu religiös und erklärend, wodurch der Mythos um Charon Kratzer bekommt und irgendwie hätte ich mir für den einen oder anderen Charakter einfach ein anderes Ende gewünscht.

Noch ein paar Worte zur Gestaltung

Der Fährmann gehört zu den Büchern, die Eindruck schinden, wenn sie einem in der Buchhandlung ins Auge fallen. Das Buch wurde mit sehr vielen liebevollen Details wie einem schwarzen Buchschnitt, Lesebändchen und Prägeschrift auf dem Cover ausgestattet. 

In dem Buch selbst finden sich Illustrationen von John Howe, die das Geschehen untermalen und das Leseerlebnis zu Etwas ganz besonderem machen. Es freut mich zu sehen, dass ein deutscher Verlag sich heutzutage noch so viel Mühe bei einem Buch macht und hoffe, dass der Buchheim Verlag seinen nächsten Projekten genauso viel Liebe und Aufmerksamkeit entgegen bringt.

Fazit

Der Fährmann ist ein Buch, welches sich Zeit lässt und das drohende Unheil sich nur langsam um das Geschehen legt. Ein Erzählstil, den ich persönlich gerne lese und schätze. Nur das Ende mochte sich mir letztlich nicht mit dem Gesamtwerk oder meinem persönlichen Geschmack erschließen. Dennoch halte ich Der Fährmann für ein empfehlenswertes Werk, welches alleine durch seine liebevoll gestaltete Optik jeden Bücherschrank bereichert.  

Wie bewerten wir? Lest es hier nach.

 

Der Fährmann
Autor: Christopher Golden
Verlag: Buchheim Verlag
Hardcover: 372 Seiten
 

Der Fährmann

Price: EUR 23,95

4.3 von 5 Sternen (25 customer reviews)

64 used & new available from EUR 16,57

 

© Alle Bildrechte, der hier verwendeten Bilder, gehören dem Buchheim Verlag. 

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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