Beispielgegner: Das Monster


Bis jetzt hatten wir recht humanoide Gegner, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Doch es lassen sich auch Monster als größere Gegner konzipieren, die nur eines im Sinn haben: Überleben.

Ein Monster oder eine Bestie eignet sich für verschiedene Settings und Spielgruppen. Mit einem außerirdischen Wesen eingepfercht auf einer Raumstation wie bei Alien oder eine mystische Gestalt, die des Nachts nahe der Wälder Menschen reißt wie bei Ritus (Die Bestie von Gévaudan). Die Spieler können sowohl kämpferisch veranlagt sein und die Kreatur jagen, als auch mehr die bürgerlichen oder wissensorentierten Personen mimen, die um ihr Leben bangen.

Orientierung zum Basteln

Doch wie entwirft man ein Monster? Am einfachsten ist es, sich an einem Tier zu orientieren. So wird beispielsweise aus dem Wolf der Werwolf. Der Vorteil ist dabei, dass ihr euch Hilfe in einem Biologiebuch holen und somit das Monster realistischer gestalten könnt. Gleichzeitig könnt ihr es ein wenig kreativ ausschmücken. 

Eine andere Möglichkeit ist eine völlig “neue” Schöpfung, bei der reintheoretisch keine Grenzen gesetzt sind. Nur zur Orientierung: Meist laufen sie auf vier Beinen, sind schnell, stark, besitzen spitze Krallen und/oder Zähne. Vielleicht haben sie eine besonders robuste Haut oder außergewöhnlich gute Sinne (Sehen, Riechen, Hören, etc.). Andererseits könnte es auch blind oder taub sein, wodurch interessante Schleich-Passagen entstehen können. 

Des Weiteren kann es noch mit weiteren Fähigkeiten ausgestattet werden: Feuerspucken, Säure, infizierende Bisse usw. Wichtig ist, dass das Monster zum Setting passt. Lebt es vorrangig in kalten Gebieten, in denen es viel schneit? Dann ist es vermutlich hell und hat besonders gute Augen, um zu jagen. Lebt es nahe am Wasser? Dann kann es gut schwimmen, ist vielleicht sogar reptilien- oder fischartig. 

Es muss wahrscheinlich sein, dass das Monster in dem Gebiet lebt, in dem das Ganze spielen soll.

Die richtige Atmosphäre

Wie bereits erwähnt, ist die Motivation des Monsters schlichtweg sein Überleben. Es braucht Nahrung, schützt seinen Nachwuchs oder missbraucht die Menschen zur Fortpflanzung. 

Spielt möglichst lange mit euren Spielern. Jeder gute Horrorfilm lässt sich Zeit, bis das Monster offenbart wird. Eventuell sehen sie erstmal nur ungewöhnliche Kratzspuren an einem Baum nahe des aufgeschlagenen Lagers oder stolpern über einen ungewöhnlich zugerichteten Kadaver. Nächtliche Geräusche, Fußspuren, ein verletzter NPC, der plötzlich verschwindet und noch vieles mehr ist möglich.

Bei der ersten richtigen Konfrontation wird möglicherweise eines der Gruppenmitglieder weggeschleift und der Rest muss versuchen, dieses zu retten. Solltet ihr ein übermächtiges Monster erschaffen haben, gebt der Gruppe am Ende einen Vorteil: ein Kran, Benzin und Feuer etc.

Beispiele aus Filmen

Neben diesen anfänglichen Ideen können – wie so oft – Filme als Inspirationsquelle herangezogen werden. In dem Film The Monster zum Beispiel bleiben eine Mutter und ihr Kind mit dem Auto liegen. Sie befinden sich mitten auf einer verlassenen Straßen und sind umringt vom dunklen Wald.

Warum eure Gruppe die Nacht in einem unheimlichen Wald verbringen muss, kann natürlich ganz unterschiedliche Gründe haben. Doch was der Film hier ganz geschickt einwebt, sind die ersten Hinweise: ein Tierkadaver, eine Kralle/Zahn und schattenhafte Bewegungen in der Dunkelheit. Das Design des Monsters kann natürlich auch ganz dezent abgeguckt werden, da es auf eine tierische Vorlage verzichtet und versucht, möglichst befremdlich zu wirken. 

 

Ein anderer Film, der als Ideengrundlage dienen kann, ist The Village. Ein Dorf, umringt von (schon wieder) Wald, welches bestimmte Rituale aufgebaut hat, um die im Wald lebenden monströsen Geschöpfe zu besänftigen. Hier habt ihr nun zwei Möglichkeiten. Entweder reist die Heldengruppe durch dieses Dorf und möchte den Bewohnern helfen oder die Gruppe lebt in diesem Dorf und ein Ereignis bewegt sie dazu, sich von diesen Ritualen befreien zu wollen. Ob ihr mit der gleichen Lösung wie The Village arbeiten wollt, ist natürlich euch überlassen.

 

Als abschließende Inspiration möchte ich hier The Descent anführen. In diesem Film erforscht eine Gruppe von jungen Frauen durch den Übermut eines ihrer Mitglieder ein bis dahin unbekanntes Höhlensystem und wird innerhalb dieses mit Wesenheiten konfrontiert, die sich fast perfekt an ihre Umgebung angepasst haben.

Warum eure Gruppe ein bis dahin unerforschtes Höhlensystem (oder etwas anderes) erkundet, kann wieder unterschiedliche Gründe haben. Eine Gruppe aus Helden hat sich verlaufen und ist eher unfreiwillig dort gelandet. Oder ihr arbeitet mit einer Gruppe von Forschern, die ganz bewusst etwas Neues entdecken wollen. Vielleicht handelt es sich aber auch wie im Film einfach um eine Gruppe von Freunden, die eher unfreiwillig in dem unerforschten Gebiet landen und infolgedessen gemeinsam um ihr Überleben kämpfen müssen.

 

Für wen eignet sich das Monster als Gegner?

Das Monster eignet sich sowohl für einmalige Abenteuer als auch für Gruppen, die länger zusammenarbeiten. Beachtet, dass bei Erstgenannten die Gruppenmitglieder dazu neigen könnten, zuerst ihren eigenen Hintern zu retten, anstatt der Gruppe zu helfen. Wie bereits erwähnt, eignet sich das Monster für unterschiedliche Gruppen und ist nicht auf die klassische Heldengruppen beschränkt, sondern kann auch als Gegner für völlig kampfunerfahrene Charaktere und Spielergruppen herhalten.

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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