Gibt es Gespenster?


Die obere Koje, Folge 34 des Gruselkabinetts, nach dem Werk von Francis Marion Crawford, erzählt die Geschichte der mysteriösen Kabine 105 auf dem Passagierdampfer Kamtschatka. Warum fürchten alle Besatzungsmitglieder diesen Ort und  tut Aldous Brisbane wirklich gut daran das abergläubische Gerede zu ignorieren?

Auf hoher See

Meeresrauschen. Ein Schrei. Ein Platschen. Ob es Gespenster wohl gibt? Diese Frage stellt der Erzähler und, um seine klare Antwort dem Hörer verständliche zu machen, berichtet er von seinem Erlebnis.  Wir befinden uns im Jahr 1822 an einem schönen Sommertag mit Aldous Brisbane (Axel Malzacher) am Hafen. Der See-erprobte Reisende geht dieses Mal an Bord der Kamtschatka, ein ihm noch unbekannter Dampfer.

Cover Die obere Koje

Mit einem recht schlichten Cover lädt das offene Bullauge zum gespenstischen Abenteuer auf See ein. (© Titania Medien)

Aldous wird von dem jungen und freundlichen Matrosen Robert (Tobias Nath) auf das Schiff geleitet, dessen Stimmung sich schlagartig ändert, als er Aldous Kabinennummer hört. Kaum ist die Zahl “105” ausgesprochen, lässt der Schiffsjunge die Taschen vor Schreck fallen und ist sichtlich angespannt, ja beinah hektisch und drängend. Ein kaum hörbares Klavierklimpern ertönt, als die Kabine betreten wird und Aldous einen modrig salzigen Geruch wahrnimmt.

Als wäre der unangenehme Geruch nicht schon schlimm genug, macht sein Zimmernachbar (Markus Pfeiffer), der die obere Koje bewohnt, die erste Nacht nicht gerade angenehm: Schreie, aufgeschlagene Türen, Röcheln, Stöhnen und dann auch noch ein unliebsamer Fäulnisgeruch. Als der Protagonist am Morgen erwacht, ist zwar alles ruhig, die Kabine dafür aber sichtlich ausgekühlt. Närrischerweise schien Aldous Zimmergenosse auf die Idee gekommen zu sein, trotz Seegang das Bullauge zu öffnen und einzuharken.

Der Protagonist macht an Deck seinem Ärger Luft, indem er dem kürzlich kennengelernten Schiffsarzt (Jürgen Thormann) von der unruhigen Nacht berichtet. Dieser bietet ihm freundlicherweise an, die nächsten Nächte in seiner Kabine zu schlafen, doch Aldous lehnt ab. Selbst nachdem der Schiffsarzt ein grausames Geheimnis über die Kabine 105 offenbart, lässt sich Aldous nicht beirren.

Warum?

Die obere Koje arbeitet mit sehr wenigen Charakteren und die meiste Zeit lauschte ich der angenehmen Stimme von Aldous Brisbane beziehungsweise Axel Malzacher, der in ruhigen Passagen eine eher tiefere Stimme hat, aber in emotionaleren und aufgebrachten Momenten die Tonlage spührbar hochschraubt. Der Sprachstil ist im Allgemeinen gehoben und gebildet. Das Schiffsvokabular wird teils vorausgesetzt, ist jedoch nicht zwingend notwendig, um der Handlung zu folgen.

Durchgehend sind ganz leise die Geräusche des Meeres und des Schiffes im Hintergrund zu hören. Diese sind so wunderbar in das Geschehen eingewoben, dass ich beim späten Hören der Geschichte beinah einschlief. Doch die nächtlichen bizarren Geräusche, die Aldous ertragen musste, warfen auch mich wieder ruckartig in die Handlung.

Die Musik des Hörspiels besteht meist aus sanften Klavierklängen, die jegliche Stimmung unterschwellig einfangen und zur Spannung beitragen oder ein entspanntes Gefühl der Ruhe vermitteln.

Personell ist eigentlich nur Aldous erwähnenswert. Dieser zeichnet sich durch einen rationalen, doch teils auch zynischen Charakter aus. Er lässt sich nicht so leicht ängstigen und ärgert sich mehr über die Unannehmlichkeiten in der Kabine, als dass er wirklich besorgt ist. Selbst als ihn einige Sachen merkwürdig erscheinen, weicht Aldous im Gegensatz zu der Schiffsbesatzung nicht verängstigt zurück, sondern versucht eine logische Erklärung zu finden. Dieses Zweifeln an dem Übernatürlichen und Abergläubischen macht Aldous zu einem sehr sympathischen Charakter, mit dem ich mich leicht identifizieren kann.

Doch das Hörspiel hat auch ein paar Stolpersteine. Dies mag an der Kürze der Handlung liegen, doch teils fragte ich mich an mancher Stelle: Warum? Warum wird die Kabine überhaupt vermietet? Es handelt sich anscheinend um ein Schiff der gehobenen Klasse, welches wohl auf ein wenig Geld verzichten kann. Warum wechselt Aldous trotz Angebot nicht das Zimmer? Zwar hat er keine Angst, aber die Kabine ist ihm durch deren Zustand und dem Mitreisenden recht unangenehm. Warum … ja warum … nun diese Frage werdet ihr euch im Laufe des Hörspiels und zum Ende hin vielleicht selber stellen, ohne dass ich hier zu viel verraten muss. 

Fazit

Die obere Koje ist ein solides und recht unterhaltsames Hörspiel, welches durch einen interessanten Protagonisten und das eher ungewöhnliche Setting überzeugen kann.

 

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

Die obere Koje
Autor: Francis Marion Crawford
Laufzeit: ca.54 Minuten
Verlag: Titania Medien

Gruselkabinett – Folge 34: Die obere Koje

Price: EUR 6,79

4.4 von 5 Sternen (14 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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