Inspiration für Spielleiter: Szenen mit vielen NPCs


In diesem Artikel möchte ich euch Tipps an die Hand geben, wie eine Szenerie mit vielen NPCs gestaltet werden kann. Als Praxisbeispiel werde ich hier einen Plot aus der transsilvanischen Chronik heranziehen – Haceldema.

Zunächst ein kurzer Überblick über den Plot: Es handelt sich um das Pen&Paper-System Vampire: Die Maskerade. Der Plot spielt im Jahre 1493. Zuvor hatte die sogenannte Anarchenrevolte ihr Unwesen in Europa getrieben. Um das Chaos zu beseitigen, haben sich einflussreiche und mächtige Vampire zusammengefunden, um eine Organisation zu gründen und alle Kainskinder zu einen: die Camarilla.

Wie bin ich an dieses Großereignis herangegangen?

Zunächst durch Vorbereitung. Ich finde, dass solch ein Plot mit vielen NPCs einiges an Vorarbeit bedarf. Laut den Vorgaben der Story aus den transsilvanischen Chroniken sind um die 50 Vampire anwesend. Bei meiner Darstellung dieser Geschichte waren es über 60. Damit alle anwesenden Figuren nicht als platte “Pappfiguren” daherkommen, habe ich mich mit jeder einzelnen befasst. Allerdings ist es auch nötig gewesen, sich etwas zurückzunehmen und nicht jeden zu ausführlich auszuarbeiten – das würde nicht nur viel Zeit kosten, sondern am Ende stünde dann auch ein dickes Lexikon, das nur bedingt hilfreich sein würde.

Also hieß es, einen guten Mittelweg zu finden.

Zunächst habe ich mir eine Liste von den Vampiren erstellt, die ich unbedingt dabei haben muss – einige davon wurden auch vom Buch vorgegeben. Jeden einzelnen habe ich nur namentlich erfasst und mit ein bis drei Worten definiert: Welchen Status hat dieser NPC bei der Versammlung? Ein paar Beispiele: Hardestadt – Mitbegründer der Camarilla, Maltheas – Interessierter und Beobachter, Myca Vykos – Anarch und Opposition, Husayn al Fatin und Begleiter – Delegation der Assamiten.

Bevor ich nun weitere Kainskinder hinzugefügt habe, habe ich mich mit dem eigentlichen Plot befasst. Was soll geschehen? Und was möchte ich mit einbringen?

Schließlich wollte ich die ganze Szene an die Spieler anpassen und auch Hintergründe der Spielercharaktere integrieren. Dabei habe ich in einem Satz kurz beschrieben, was in den einzelnen Szenen geschehen sollte: Husayn al Fatin spricht die Spieler an, um zu erfahren, ob er mit ihrer Unterstützung rechnen kann.

Dadurch bekam ich Vorstellungen von weiteren Kainskindern. Zum einen von NPCs, welche die Spielercharaktere bereits zuvor in anderen Geschichten angetroffen hatten und zum anderen durch bestimmte Szenen. So sollte beispielsweise ein Spieler davor gewarnt werden, dass andere NPCs auf der Versammlung nach seinem Leben trachten.
In diesem Fall zieht er den Spielercharakter zur Seite, um ihn im Geheimen darüber zu informieren und ihm seine Hilfe anzubieten.

Dadurch können neue Charaktere oder Gruppierungen eingeführt werden, die das Interesse der Spieler auf sich ziehen.

Nun überflog ich meine Notizen und listete auf, welche NPCs hinzugekommen sind. Auch diese habe ich mit ein bis drei Wörtern grob umschrieben.

Jetzt hatte ich eine ansehnliche Liste von NPCs (insgesamt 47). Doch brauchte ich jetzt auch noch Figuren, die keine aktive Rolle spielten. Denn bei jeder Versammlung gibt es auch Teilnehmer, die sich eher zurücknehmen und im Hintergrund agieren. Wie zum Beispiel junge Kainskinder, welche ihre Ahnen oder Mentoren begleiten. So ließ ich meiner Kreativität freien Lauf und erstellte weitere NPCs, deren Hauptaufgabe es sein sollte, die Versammlung mit Leben zu füllen.

Als jetzt meine Liste mit allen Charakteren zusammengestellt war, machte ich mich daran, diese Figuren mit Infos zu füllen. Dabei achtete ich darauf, dass ich jedem Individuum nicht zuviel Text widmete. Meist war es auch eher eine stichwortartige Zusammenstellung als eine ausführliche Umschreibung. Es sollte als Nachschlagewerk dienen. Bei mir wurde es schlussendlich ein sechsseitiges Dokument mit allen Teilnehmern der Versammlung. Um die Übersicht zu behalten, habe ich diese alphabetisch sortiert und jedem Text ein kleines Porträt eingefügt. Hierfür war das Internet und die Bildersuche sehr hilfreich. Die Bilder sind nicht nur für mich wichtig gewesen, damit ich zu dem Text auch gleich eine Bildverknüpfung hatte, sondern auch für das spätere Spiel.

Damit waren die Vorbereitungen zu den NPCs abgeschlossen. Als ‘Goodie’ habe ich dann noch auf einen Flipchart eine Aufstellung mit allen Charakter-Bildern erstellt. Dies sollte den Spielern später helfen, den Überblick zu bewahren.

Wie stelle ich nun solch eine Versammlung mit so vielen NPCs dar?

Das ist wohl die größte Herausforderung. Als Spielleiter nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch eine gewisse Dynamik ins Spiel zu bringen, ohne dabei einen stundenlangen Monolog abzuhalten. Bei über 60 NPCs die Spieler stets darüber zu informieren, wer sich gerade wohin bewegt, kostet nicht nur Zeit, sondern unterbricht auch den Spielfluss. Ich habe mich dazu entschieden, dies auf einem Plan darzustellen.

Mit ein wenig Fleißarbeit erstellte ich am Computer die grafische Darstellung eines Anwesens. Hier achtete ich bereits auf den nötigen Maßstab.

Um die einzelnen Figuren darzustellen, griff ich auf Pokerchips zurück. Eine Sammlung Pokerchips kann heute schon recht günstig erworben werden. Auf jeden Chip klebte ich das Bild eines NPC – die Spieler erhielten jeweils einen eigenen.

Der Vorteil hierbei: Durch die unterschiedlichen Farben der Chips konnte ich bereits einige Gruppen oder Kategorie abbilden. So erhielten die Spieler zum Beispiel grüne Chips, während alle anderen rote bekamen. Natürlich können auch für Gruppierungen der NPCs unterschiedlich farbige Chips verwendet werden. Wichtig dabei: Im Auge behalten, was mit der Darstellung erzielt werden soll. In meinem Fall war mir wichtig, dass die Spieler schnell ihren eigenen Charakter wiederfinden. Es stellte sich heraus, dass bei über 60 Pokerchips die Spieler froh waren, dass es hier eine klare Trennung zwischen ihren Charakteren und den Anderen gab.

Die “Karte” des Gebäudekomplexes habe ich dann über einen Online-Drucker auf eine PVC-Matte drucken lassen. Aufgrund der hohen Zahl an NPCs ist auch ein entsprechend großer Plan notwendig gewesen. In meinem Fall wurde es eine Matte mit den Maßen 90 cm x 160 cm.

Der Spielablauf wurde dann letztlich aufgrund meiner Vorarbeit immens erleichtert. Ich verteilte die Chips abhängig der Beziehung unter den NPCs auf dem Plan. Anfangs die Gründer zentral auf dem Plan, da sie schließlich auch sich und ihre Meinung repräsentieren wollen. Die Delegation der Assamiten blieb im Hintergrund, um zunächst zu beobachten. Neben den Gründern der Camarilla und ihren Begleitern (Archonten) stellten die Anarchen die zweite größere Gruppe.

Nun konnten die Spieler ihrerseits die eigenen Chips zu den sich gebildeten Grüppchen dazu legen.

Jeder hatte einen guten Überblick von den Anwesenden und durch die Pokerchips war es einfach, die Figuren zu bewegen, ohne ein großes Wirrwarr entstehen zu lassen.  

Nachdem die einzelnen Szenen ausgespielt wurden, konnte ich als Spielleiter die Chips der NPCs leicht in eine neue Konstellation schieben und die Spieler konnten sich darauf einlassen oder selber agieren.

Durch die kurze Übersicht aller NPCs hatte ich einen guten Überblick über die Interessen der vielen Figuren in der Szene und konnte schnell auf die Gespräche der Spieler reagieren.

Klein anfangen

Ich empfehle zunächst eine kleinere Versammlung ins Spiel zu integrieren, um zu sehen, wie die Spieler es annehmen und welche Fallstricke auftauchen können. Diese Art von Praxistest habe ich zuvor auch durchgeführt und eine kleine Versammlung von rund 20 NPCs erstellt. Dafür habe ich als ‘Plan’ lediglich einen Ballsaal verwendet. Um euch die Arbeit der Gestaltung zu ersparen und weil nicht jeder auf entsprechende Software zurückgreifen kann, stelle ich meine Grafiken für private Zwecke zur freien Verfügung. Aufgrund der Größe haben diese auch eine hohe Druckqualität.

Ihr könnt den Ballsaal hier herunterladen: Ballsaal Download
Ihr könnt die Abtei hier herunterladen: Abteil Download

Thorsten Brunswieck

Rollenspieler seit dem 13. Lebensjahr. Sehr viele Systeme geleitet und zu 95 Prozent Spielleiter – und das mit Inbrunst. Dabei greift er auf vielerlei Medien zurück, um seinen Spielern das beste Erlebnis zu geben.
Hauptthemen: Pen&Paper

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