Das Buch der Kopfgeldjäger


Der Ereignisbericht 39:3:22 gibt an, dass das Raumschiff Slave I des Kopfgeldjägers Boba Fett im geosynchronem Orbit über Tatooine geborgen wurde. Unter den persönlichen Gegenständen von Boba Fett befand sich ein Handbuch für Kopfgeldjäger. Ich weiß, ich dürfte nicht, doch ich muss die Unaufmerksamkeit meiner Kollegen ausnutzen und das gesicherte Buch für ein paar Tage mitnehmen, um einen Blick hineinzuwagen.

 

Das kleine handliche grüne Buch mit den goldenen Buchstaben hat eine ungewöhnlich glatte Oberfläche, die wohl Kratzer und andere äußere Beschädigungen vermeiden soll. Das Leben eines Kopfgeldjägers ist wohl sehr turbulent. Anscheinend hat Boba Fett das Buch selbst gebunden. Denn es handelt sich nicht um ein Handbuch, sondern um zwei. Er hat “Das Handbuch der Kopfgeldjägergilde” und “Death Watch. Ba’jurne Kyr’tsad Mando’ad” in einem Exemplar zusammengefasst. Vermutlich war es einfacher, alles in einem Buch nachschlagen zu können. Sofern er es wirklich dafür genutzt hat.

Das Handbuch der Kopfgeldjägergilde hat Boba Fett laut seiner Notiz von Dengar erhalten. Davor muss es schon durch einige Hände gegangen sein. Überall finden sich Notizen: von hilfreichen Ergänzungen bis zu Spott ist alles dabei. Dennoch handelt es sich um eine recht neue Auflage, die an die imperialen Gesetze angepasst ist.

Kopfgeldjäger werden gefürchtet, doch ebenso träumt wohl jedes Kind davon, ein Kopfgeldjäger zu werden, wenn sie diese bei der Ausführung eines Auftrags beobachten können. Vermutlich der Grund, warum das Handbuch der Gilde mit simplen Grundlagen beginnt. Was tun Kopfgeldjäger eigentlich und welche Irrtümer über sie liegen vor? Sie sehen sich nicht als Mörder, Attentäter oder Söldner. Kopfgeldjäger sind an das Gesetz gebunden und kommen tatsächlich für Schäden auf, die während der Jagd verursacht werden, vorausgesetzt, sie und nicht der Gejagte sind die Verursacher.

Zumindest, wenn die Kopfgeldjäger der Gilde angehören. Denn es ist keine Notwendigkeit, zur Gilde zugehören, um als Kopfgeldjäger tätig zu sein. Insbesondere da sich ein Jäger erst einen Namen machen muss, bevor er dieser beitreten darf – die Gebühr und die Initiationsprüfung nicht zu vergessen. Die Gilde scheint sehr darauf bedacht, nur die besten Jäger aufzunehmen. Obwohl es durch die teils einfacheren Aufnahmen in eine Partnergilde nicht immer gelingt. Gerüchten zu Folge soll sich Boba Fett trotz seines Rufes gegen die Mitgliedschaft in der Kopfgeldjägergilde  oder einer Partnergilde ausgesprochen haben. Seine Anmerkungen weisen darauf hin, dass er das System der Gilde in Frage stellt.

Trotz allem scheint die Gilde zu erwarten, dass sich jeder Kopfgeldjäger, ob Mitglied oder nicht, an das Credo hält. Es besteht aus sechs Grundsätzen. Interessant ist der vierte Grundsatz, der besagt, dass die Jäger sich bei der Jagd nicht gegenseitig behindern dürfen. Eine Regel, an die Boba Fett sich wohl nicht gehalten hat. Die nächsten Seiten sind recht trocken. Es geht um Geld, welches Gildenmitglieder für verschiedene Dinge entrichten müssen, Regeln und Verhandlungen von Fehltritten.

Spannender ist das Thema Kopfgeld. Woher bekommen die Kopfgeldjäger ihre Aufträge? Wie unterscheiden sie sich? Wie entstehen die Kopfgelder? Danach wird es wieder sehr nüchtern, wenn es um die Jagdzulassungen geht. Es wird ein Friedenshüterschein (IFHS) benötigt, damit die Arbeit als Kopfgeldjäger zulässig ist. Mit dem IFHS sind weitere Regeln verbunden, die sich zum Teil mit vorangegangenen Regeln überschneiden. Und es folgen weitere Scheine, die zum Beispiel für bestimmte Sektoren benötigt werden. Wer hätte gedacht, dass es für Kopfgeldjäger so viel Datenkram zu erledigen gibt?

Etwas deplatziert folgt die Geschichte der Gilde, bevor es richtig spannend wird: die Jagd. Wie läuft eine Jagd ab? Wie überlebt der Jäger sie? Dabei werden sehr interessante Tipps zum Entkommen, Gegner entwaffnen, Handgemenge, Transportmittel “ausleihen”, Fahrzeuge entern, halsbrecherische Stürze meistern, Tierangriffen, Bruchlandungen und Verletzungen erläutert, die zusätzlich noch durch die handschriftlichen Notizen der vorherigen Besitzer ergänzt werden. Insbesondere Boba Fetts Hinweise sind sehr genau und scheinen sich an jemanden Spezielles zu richten. 

Das darauffolgende Kapitel über Handwerkszeug listet die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände, die oft in Oberklasse und Unterklasse unterschieden werden, auf. Es ist sehr aufschlussreich und ein guter Ratgeber für die nötigen und die zusätzlichen Ausrüstungen. Die letzten Seiten des Handbuchs der Kopfgeldjägergilde lesen sich ein wenig wie ein Werbetext. Sie ist sehr bemüht, ihre Vorteile aufzulisten und bietet eine sehr umfangreiche Liste der “Angeschlossenen Kopfgeldjägergilden”. Diese werden mit Namen, Leitung, Größe, Spezialisierung, Einfluss, Wirkungsbereich, Hauptsitz, Beiträgen, Abzügen und einem kurzen Text präsentiert. 

Das Buch der Death Watch ist deutlich schmaler. Die erste Seite enthält eine Notiz von Jango Fett, die sich an seinen Sohn Boba Fett richtet. Eine zweite Notiz stammt von Boba Fett selbst und richtet sich an seine Tochter. Vielleicht hat er deswegen beide Bücher zu einem Exemplar gebunden?  

Ursprünglich war das Buch der Death Watch für “Aufmarschmeister” gedacht, die Krieger der Death Watch unterweisen und inspirieren sollten. In dem schmalen Büchlein wird ausführlich die Geschichte der Mandolorianer und der Verrat durch die Jedis dokumentiert. Das wohl interessanteste Kapitel des Buchs folgt gleich darauf. Beskar’gam, die Rüstung, wird mit allen Einzelheiten, Symbolen und Farben beschrieben. Abermals sind Boba Fetts Notizen meist sehr hilfreich. Einige scheint er jedoch in jüngeren Jahren geschrieben zu haben.

In einem Kapitel zum Thema Einsatzprofile werden nicht nur die gängigen Einsatzarten beschrieben, sondern auch Taktiken in knappen Texten, bestehend aus jeweils zwei Sätzen, präsentiert. Das letzte Kapitel berichtet über die aktuellen Feinde der Death Watch. Ein Großteil nimmt hier Herzogin Satine und ihr Gefolge ein. 

Das Buch war erhellend, auch wenn es die eine oder andere romantische Vorstellung des Kopfgeldjägerlebens zerstört hat. Doch was tue ich jetzt mit diesem recht empfehlenswerten Buch? Ich müsste es zurückbringen. Jedoch steht es eigentlich Boba Fetts Tochter oder einem anderen Familienmitglied zu. 

 

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 

Das Buch der Kopfgeldjäger. Die geheimen Schriften des Boba Fett
Autor: Daniel Wallace, Ryder Windham und Jason Frey
Illustration: Alan Brooks, Joe Corroney
Verlag: Oetinger
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Das Buch der Kopfgeldjäger

Price: EUR 19,95

4.6 von 5 Sternen (12 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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