Der Feind meines Feindes ist… nicht mein Freund


In dem jüngst bei CrossCult erschienenen Comic Predator vs. Judge Dredd vs. Aliens schickt Autor John Layman die drei titelgebenden Franchises in den Ring und verspricht dabei ein actiongeladenes Crossover der ganz besonderen Art. Doch kann es auch überzeugen? Das erfahrt ihr hier.

Der gestrandete Predator wird auf der Flucht schwer verletzt. (© Cross Cult)

In der linken Ecke haben wir den durchtrainierten Predator: Mit Vollkörperpanzerung, klassischer Schutzmaske und wirbelnden Dredlocks springt er durch den finsteren Alabama-Morast jenseits der weiten Ödnis. Doch schon bald erfahre ich, dass es offenbar schlecht um ihn steht: Mit seinem Raumschiff abgestürzt, seine Ausrüstung stark beschädigt, verwundet und orientierungslos hetzt er ins Nirgendwo. Doch bevor ihn seine großmäuligen Verfolger niederstrecken und verschleppen, kann er noch ein Notsignal absetzen. Seine Stammesgefährten machen sich auf den Weg …

In der rechten Ecke haben wir den züchtigen Judge Dredd und seine Officiers: In blauer Uniform mit goldenem Ornat bringen sie zunächst eine Gruppe flüchtiger Robo-Anhänger in einem degenerierten Mutantenschlupfloch auf, um sie gemäß geltendem Recht abzustrafen. Doch ihre eigentliche Zielperson, Robo-Priester Emoji, entkommt auf einem Speederbike. Nach einer rasanten Verfolgungsjagd quer durch die Ödnis holen sie ihn letztlich im Alabama-Morast ein. Doch bevor die Judges die finale Rechtsprechung vollführen können, werden auch sie aus dem Hinterhalt überwältigt und gefangen genommen …

In allen anderen Ecken haben wir die genetisch aufgewerteten Tierhybriden des spinnenäugigen Dr. Reinstöt. Letzterer, der selbst nach genetischer Perfektion strebt, findet im Trophäenraum des Predator-Shuttles das, wonach ihm schon immer gelüstete: hochgradig anpassungsfähige Xenomorph-DNA. Und so destilliert der verrückte Wissenschaftler aus dem Erbgut ein Mutagen zur unmittelbaren Injektion und züchtet zum Spaß auch noch einige Facehugger, erpicht darauf, alles an seinen neuen Gefangenen auszuprobieren. Schon bald stehen die überlebenden Judges und der inzwischen angereiste Predator-Trupp einer ganz neuen Bedrohung gegenüber …

 

Ring Frei!

 

Judge Dredd betritt die düstere Spelunke auf der Suche nach den Robo-Anbetern. (© Cross Cult)

Die ersten Kämpfe beginnen zunächst episodenartig an verschiedenen Schauplätzen, deren zugrunde liegende Handlungsstränge aber alsbald zusammengeführt werden und gemeinsam schnell an Fahrt gewinnen. Unterbrochen werden sie von Zeit zu Zeit von einigen Flashbacks, die mir zusätzliche Einblicke in die Geschehnisse um Judge Dredd und seine Rivalen Emoji und Reinstöt gewähren. Auf diese Weise rückt für mich vor allem Dredd zum Dreh- und Angelpunkt des Comics.

Weniger gelungen finde ich hingegen einige erzählerische Lücken, die sich mit Fortlauf der Handlung zuweilen auftun, nur um sich dann in gleichermaßen plumpen wie gekünstelten Überraschungsmomenten aufzulösen. Eine strigentere Erzählweise mit ein paar mehr Bildseiten hätten dem Comic aber keinen Abbruch getan.

 

Die zeichnerische und farbliche Inszenierung samt atmosphärischem Schattenspiel gefällt mir sehr gut. Alles entspricht dem gewohnt hohen Standard, den ich mir von den Künstlern (und dem Verlag) erhofft habe, und muss daher nicht weiter zerpflückt werden.

Ebenfalls wünschenswert empfinde ich die Bemühungen, die einzelnen Figuren mit zusätzlichen Attributen und Details stärker zu individualisieren. So tragen die einzelnen Predators beispielsweise verschiedene Rüstungen wie einen Alien- bzw. Xenomorph-Brustpanzer und verschiedene Angriffswaffen, die zum Teil auf die interne Hierarchie der Gruppe schließen lassen. Aber auch Gesichter, Haartrachten und Körperproportionen wurden bei näherem Hinsehen variiert.

Was mir bei der Jägerrasse stimmig erscheint, stößt mir allerdings bei der Gestaltung der Xenomorphs bitter auf: Zwar ist es richtig, dass sich die Physiognomie der Xenomorphs an der seines Wirts orientiert, aber eine Alien-Drohne mit Rüsselmaul und großen Stoßzähnen, weil sie aus einem Elefantenmutanten geschlüpft ist, war mir als konventioneller Alien-Fan doch etwas zu viel des Guten.

 

Fazit

Insgesamt ist Predator vs. Judge Dredd vs. Aliens ein gelungenes Crossover, wenngleich sich trotz der anfänglich unterschiedlichen Erzählstränge die Handlung zunehmend auf Judge Dredd fokussiert. Etwas schade finde ich dabei, dass die Predators im Kampf gegen Mutanten und Aliens vielmehr zu meuchellustigen Sidekicks degradiert werden. Ein paar zusätzliche Bildseiten hätten dem Comic sicherlich gut getan.

Dementsprechend eignet sich der Comic vor allem für Judge Dredd Fans, die Lust auf extraterrestrische Nuancen haben. Nichtsdestotrotz kann ich ihn auch allen anderen bedenkenlos empfehlen.

 

Was bedeutet diese Wertung? Das erfahrt ihr nach nur einem Klick.

 

Predator vs. Judge Dredd vs. Aliens

Autor: John Laymann

Zeichner: Christopher Mooneyhan

Verlag: Cross Cult

Taschenbuch: 112 Seiten

Marco Schugk

Marco Schugk

Tauscht gern Schwert und Rüstung gegen Federkiel und Tinte, um den Geschichten und Erzählungen seiner Kameraden gelehrsam Ausdruck zu verleihen.
Hauptthemen: Lektor, Games, Brettspiele.

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