FaRK 2017: Phantasten für den guten Zweck


Vom 25. bis 27. August 2017 war es endlich soweit. Die FaRK (Fantasie und Rollenspiel Konvent), die Messe für Fantastik, Cosplay und LARP, öffnete wieder ihre Tore. Als Aussteller, oder vielmehr lebendes Ausstellungsobjekt, besuchte ich mit der Endzeit-LARP-Gruppe ‘Legio Vulpes’ diese herausragende Veranstaltung, die aus einem einzigen, großartigen Gedanken entstanden ist: Jedem Besucher auf einen Ausflug in eine Welt der Fantasie einzuladen und dabei Gutes zu tun!

Das Event, das mit Sicherheit einmalig im Saarland, aber vielleicht sogar einmalig in Deutschland ist, fand auf dem Gelände des ehemaligen Steinkohlebergwerks in Landsweiler-Reden statt und zog mehr als 40.000 gewandete oder staunende Besucher an. Das Projekt, das von Benjamin Kiehn und seinem ehrgeizigen Team von fantasievollen Enthusiasten als Charity Event ins Leben gerufen wurde, bietet eine Bühne für kreative Junggebliebene, begeisterte Kinder und schräge Vögel jeder Couleur.

Wo sonst findet man schon eine waschechte Elfe hinter der Theke? (Foto: Widow FX)

Die ungewöhnlichen Flächen des ehemaligen Kohlebergwerks beheimateten während des bunten Wochenendes vorrangig sechs Themenbereiche: Steampunk, Mittelerdefantastik, Zombies, SciFi, Cosplay und Endzeit. Darüber hinaus tummelten sich Fans der unterschiedlichsten Serien, Filme, Bücher und Comics auf dem weitläufigen und doch heimeligen Gelände.

Gäste konnten jedoch nicht nur aufwändige und ideenvolle Kostüme bestaunen, darüber hinaus gaben Bands verschiedener Stilrichtungen, Themen- und Verkaufsstände, Autoren, Redner und andere Künstler ihr Bestes für den guten Zweck.

Das Außergewöhnliche an der FaRK ist aber keineswegs nur die Vielfalt des Angebots. Es ist die spezielle Atmosphäre, welche die Wohltätigkeitsveranstaltung zu etwas ganz Besonderem macht. Während sich auf anderen Messen und Conventions Cosplayer und LARPer oft skeptisch gegenüberstehen, feiern sie auf der FaRK eine freundliche Eintracht, tauschen Basteltipps aus und sprechen sich gegenseitigen Respekt aus. Wo andernorts zwischen unverkleideten Besuchern, die nicht selten mit dem abfälligen Wort “Touris” bedacht werden, und Gewandeten eine kühle Distanz und teilweise Verständnislosigkeit vorherrschen, rücken sie auf der FaRK zusammen, gehen auf Tuchfühlung und werfen sich gemeinsam für die zahlreichen Fotografen in Pose.

Die Aussteller selbst, zu großen Teilen weder professionelle Kunstschaffende noch kommerzielle Händler, verbringen ihre Zeit als lebende Ausstellungsobjekte und Entertainer für Groß und Klein. Sie stehen dabei nicht nur den Fotografen Pose, sondern halten auch immer eine Spendendose bereit. Dabei nehmen nicht wenige weite Wege auf sich, schaffen kiloweise Dekorationsmaterial und Kostüme nach Landsweiler-Reden und investieren so weit mehr als nur ihre Zeit.

Die Legion kapert fahrbare Untersätze. (Foto: Nilicious__)

Wir waren Teil des Endzeit-Themenbereichs. Unter dem klangvollen Namen ‘Lost Eden’ campierte alles, was sich den dunklen Welten von Mad Max, Waterworld oder Fallout verbunden fühlte, und schuf in einer besonders dystopischen Ecke der alten Zeche eine Momentaufnahme, die den Gast in eben jene Fiktionen entführte.

Dabei sorgte ein ganzer Fuhrpark von Geländewagen, Motorrädern und Quads (‘Rust on Wheels’) für die richtige Soundkulisse, aufwändige, nur für diesen Anlass angebrachte Stahlkonstruktionen und eine Vielzahl ambientekonformer, verstaubter Zelte und Stände für das richtige Look and Feel.

Doch neben den FaRK-Tagen sind es die Nächte, die viele der Aussteller immer wieder anziehen: Wenn die Besucher in der Dunkelheit langsam das Feld räumen, rücken die Vertreter der verschiedenen Themenbereiche zusammen. Da sitzen grimmige Endzeitkrieger neben blutrünstigen Orks, elegante Steampunk-Damen neben verwesenden Zombies und Ritter in strahlender Rüstung neben bunten Mangamädchen und teilen ihr Brot und das ein oder andere Getränk miteinander. Unter dem stetigen Rauschen und Brummen des alten Bergwerks werden Anekdoten und Geschichten ausgetauscht und neue Freundschaften geknüpft, die uns alle immer wieder in dem Wissen bestärken, dass wir uns zwar sicherlich nicht gleich bzw. uns noch nicht einmal sonderlich ähnlich sind, aber im Herzen doch von der gleichen Lust an der Kreativität, dem Verrückten, dem Phantastischen getrieben werden.

Eine anonyme Spende rundete die Spendensumme am Ende auf 55.000 € auf. (Foto: Widow FX)

Der Erlös der FaRK – dieses Jahr satte 55.000 € – werden zu 100 % wohltätigen Zwecken gespendet. Doch nicht die nackten Zahlen sind es, die uns immer wieder zu diesem bemerkenswerten Event ziehen: Es ist das Gefühl der Gemeinschaft. Denn ob du “nur” als Gast oder als Aussteller oder als Helfer (als so genannter FaRK Ranger) dabei bist, du bist Teil einer Familie, die dem einen Leitspruch folgt: “Es sind die Phantasten, die die Welt verändern.”

Die nächste FaRK findet vom 23.08.2019 bis 25.08.2019 statt… und die Familie hat noch Platz für weitere verrückte Onkel, kauzige Tanten und schräge Vögel.

 

Einen wunderbaren Eindruck von der FaRK 2017 bietet das Cosplay Close Up Video von Corpse Tree Digital. Schaut ruhig mal rein!

 

(Falls euch das Video nicht angezeigt wird: https://www.youtube.com/watch?v=qpTKWKOmVaM)

Kerstin Lohmer

Kerstin Lohmer

Wurde irgendwann mal 14 und blieb dabei. Rollenspielerin seit sie denken kann und auf beiden Seiten des Tisches anzutreffen. LARPerin und Teilzeit-Nerd.
Hauptthemen: Pen & Paper und LARP

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