Fixe Rollenspiel-Charaktere


Heute möchte ich mich mit dem Thema Rollenspiel-Charakter auseinandersetzen. Ich meine damit nicht etwa Pen-and-Paper-Charaktere, sondern Gaming-Charaktere, denen eine gewisse individuelle Note verliehen wurde. Nach der Lektüre von Geekgeflüster machte ich mir einige knappe Gedanken zu meinen Figuren. Und ja, ich spiele – insoweit möglich – irgendwie immer die gleichen Figuren.

Das hört sich im ersten Moment womöglich etwas langweilig an, aber ich kann gar nicht anders. Es gibt drei Charaktere, die früher oder später mit mir eine Spielwelt betreten.

 

Meine Figur, die stets jede Welt als erstes erkunden darf, heißt für gewöhnlich Mali oder Curwen. Sie ist zu 90% eine dunkelhaarige, blasse Frau mit markanter Nase. Manchmal trägt sie ein Tattoo im Gesicht. Ihren Anfang nahm sie damals mit meinem ersten MMORPG (Guild Wars (1)) als Mesmerin. Noch immer ist sie häufig magisch begabt. Ihre Vorlieben sind dabei Nekromantie, Chaos oder Blutmagie. Als Heilerin oder Elementarmagierin ist sie jedoch nie anzutreffen. In World of Warcraft gehört sie zu den Verlassenen (bzw. den Untoten), in Skyrim ist sie eine Dunkelelfe und in Star Wars – The Old Republic ein Mensch. In modernen Settings tauscht sie ihre magische Begabungen gegen ein Scharfschützengewehr und nach Möglichkeit gegen eine Tarnvorrichtung. In diesem Sinne ist sie in Star Wars – The Old Republik tatsächlich eine imperiale Agentin und eben keine Nutzerin der Macht.

Und so vielfältig die Varietäten dieser Figur auch erscheinen mögen, sie alle teilen sich den selben Charakter: Die Figur ist wissbegierig bzw. gar fürchterlich neugierig. Sie stellt sogar das Aneignen von Wissen, das Bergen von Artefakten und den Fortschritt selbst über Menschenleben. Bereitwillig geht sie den Pakt mit einem Dämonen ein, wenn es ihr zum Vorteil gereicht und auch mit Feinden verhandelt sie gern. Sie investiert viel Zeit, um jedes unscheinbare Dokument zu lesen, und lauscht interessiert jedem Gespräch um sich herum. Doch sie ist bei Leibe nicht herzlos. Sie hört sich die Bitten anderer an und geht auch gerne einen Umweg, um zu helfen, sofern der richtige Ton angeschlagen wird.

Erdreistet sich jedoch ein Auftraggeber frech zu werden, schraubt sie den Preis für ihre Dienste gerne in die Höhe oder lässt den Bittsteller einfach am Wegesrand stehen. Für Gegner kann sie sowohl Mitleid empfinden und Gnade walten lassen als auch skrupellos ein hartes Urteil vollstrecken. Sympathie und Bauchgefühl sind ihr für ihr Handeln und anderweitige Verpflichtungen stets gute Ratgeber. Meine imperiale Agentin würde beispielsweise nie auf die Idee kommen, Darth Jadus in den Rücken zu fallen, noch sein Wort infrage zu stellen.

 

Ganz anders ist meine rothaarige Sutech, die aus dem Schatten heraus agiert. Als Attentäterin oder Schützin wählt sie meist den grausamsten Weg, um sich lästiger Personen zu entledigen. Loyalität ist ihr völlig fremd. Lügen, um Vertrauen zu erschleichen? Kein Problem. Jemanden opfern, um sich selbst Zeit zu verschaffen? Kein Problem. Selbst vor der Instrumentalisierung der Hilflosen schreckt sie nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Merkwürdigerweise ist sie in Star Wars – The Old Republic eine Jedi-Botschafterin geworden. Ein Rauswurf wäre im Normalfall vorprogrammiert.

Sich für andere einzusetzen oder gar zu opfern ist nicht so ihr Ding. Nur wenige Charaktere schaffen es, an sie heranzukommen. Zum Beispiel der Hund aus Dragon Age. Für die Charaktere ist sie dann auch durchaus bereit, freundschaftliche Gefälligkeiten zu tun. Mit dem Feind verhandelt sie nie und auch für ihre Auftraggeber hat sie wenig übrig. 

 

Die dritte Dame im Bunde ist Eliza, eine Ritterin, Soldatin, Kopfgeldjägerin oder Paladin. Im Prinzip alles, was gut austeilen und auch gut einstecken kann. Im Gegensatz zu den anderen beiden tritt Eliza manchmal auch in männlicher Gestalt auf. Doch im Großen und Ganzen ist sie leicht zusammenzufassen: “Wenn sie wahre Helden sind.”

Sie ist hilfsbereit, loyal und fürsorglich mit einem leichten Hauch von Sarkasmus. Jeder Person reicht sie vertrauensselig die Hand und verzeiht auch größere Fehler. 

 

Insgesamt handelt es sich um drei Charaktere, die allesamt nicht in der Lage sind, von ihrem vorbestimmten Weg abzuweichen. Während dies für mich bei Curwen kein Problem ist, da diese mir wohl noch am ähnlichsten scheint, spüre ich bei Sutech manchmal mein Gewissen und bei Eliza habe ich ein Gefühl der Abneigung. Dennoch bleibe ich, solange ich den Controller ( oder Maus und Tastatur) in der Hand halte, in der entsprechenden Rolle verankert. Ich treffe Entscheidungen mit dem Wissenshorizont des Charakters. Obwohl ich durch vorheriges Spielen manchmal weiß, dass gewisse Entscheidungen zum jeweiligen Zeitpunkt mega bescheuert wären, treffe ich diese trotzdem in der Rolle meines Charakter. Ich töte auch durchaus mal einen NPC, der mir persönlich sympathisch ist, aber meinem Charakter eben nicht. 

Wie sind eure Videospiel-Charaktere? Spielt ihr immer euch selbst? Geht es euch eher darum, die richtige Entscheidung zu treffen oder nach eurem Charakter zu agieren? Beeinflussen euch Ausrichtungssysteme wie in Star Wars, Fable oder Mass Effect

 

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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