Reden über Weltenbau: Mittelerde nur Mittelmaß?


J. R. R. Tolkien gilt nicht umsonst als einer der wichtigsten Autoren für die Fantasy. Aber mal ehrlich, war er im Weltenbau wirklich so gut?

In dieser Reihe unterhalte ich mich über die Grenzen dieser Website hinweg mit Michael von Weltenbau Wissen über allgemeine Fragen im Design von fiktiven Welten, was falsch lief und läuft und wie man manches vielleicht besser machen könnte. Wir wollen euch dabei zum Nachdenken anregen. Diese Beiträge sollen dabei als Diskussionsgrundlage dienen, sowohl für Michael und mich als auch für euch.

Mut zur Lücke, die Leser oder Spieler mit ihrer Fantasie auffüllen, predigte Michael nun letzte Woche. Ich denke, da sind wir uns beide einig. Ich möchte dagegen etwas aufgreifen, das wir nun häufiger schon erwähnt haben: John Ronald Reuel Tolkien. Oder besser gesagt seine erschaffene Welt Mittelerde.

Doch vorab zwei Dinge: Aufgrund von Krankheit wird dieser Beitrag nicht so sehr in die Tiefe gehen, dafür einige Fragen aufwerfen, die wir sicherlich in den nächsten Beiträgen ausführlicher behandeln werden.
Zweitens: Ich mag Mittelerde, Herr der Ringe und Der kleine Hobbit (zumindest das Buch). Tolkien hat viel für die klassische Fantasy gemacht und vermutlich hätte Fantasy ohne ihn nicht den Stellenwert, den es heute genießt.

Doch beginnen wir mit den Fragen: Ist Mittelerde eine gute Welt? Tolkien wusste, wie er die Neugier seiner Leser weckte und ihre Fantasie anregte, das steht außer Frage. Er ließ entsprechende Lücken, die noch entdeckt werden können und verlieh so seiner Welt Charakter.

Dennoch wirkt einiges in Mittelerde zu sehr der Ästhetik wegen konstruiert. Ist eine Stadt wie Minas Thirit überhaupt logisch? Ist ihr Aufbau mit den verschiedenen Verteidigungsringen wirklich militärisch durchdacht? Ebenso übrigens die Hornburg von Helms Klamm. Warum gibt es mitten in der Mauer ein Loch für den Abfluss und weshalb ist die innere Burg so einfach vom äußeren Teil erreichbar?

Doch auch andere Fragen stellen sich mir, wenn ich mir Mittelerde und seine Völker genauer anschaue. Zum Beispiel die Zwerge: Es kann ihnen nicht vollkommen egal sein, wenn Sauron wieder zurückkommt. Schließlich kämpfen sie seit vielen Jahren gegen die Orks und andere Kreaturen der (sogenannten) Finsternis.

Ihr fragt euch nun bestimmt, warum hier in “(sogenannte) Finsternis” steht? Ganz einfach: Was treibt Sauron an? Ein Bösewicht, der einfach nur böse ist, ist nur wenig glaubhaft. Ist Sauron wirklich böse oder sind es die Elben, die ständig behaupten, er sei böse? Ok, diese Diskussion verdient eine eigene Reihe, aber dennoch. Sauron hat keinen Antrieb. Macht? Gier? Rache? 

Dazu kommt noch der sehr typische Aufbau der Welt: Im Norden (oben) das gute, im Süden (unten) das Böse. Ja, Mordor liegt südlich. Ebenso die Menschenreiche, die Sauron unterstützen. Findet ihr das nicht etwas klischeehaft? Klingt sehr nach Himmel und Hölle, oder?

Wie eingangs geschrieben, ich will hier zunächst ein paar Fragen aufwerfen. Einige davon werde auch ich sicherlich in den kommenden Beiträgen beantworten. Doch denkt auch selbst einmal darüber nach, wo Mittelerde nicht unbedingt guten Weltenbau widerspiegelt.

Die Reihe bis hierhin

Reden über Weltenbau: Postapokalypse (NonPlayableCharacters)
Hat Fallout 4 ein Realismusproblem? (Weltenbau Wissen)
Reden über Weltenbau: Die Welt öffnen (NonPlayableCharacters)
„Dieser Retcon ist für mich nicht Kanon!“ (Weltenbau Wissen)
Reden über Weltenbau: Brauchen wir drumherum? (NonPlayableCharacters)
Wie viel Weltenbau braucht meine Geschichte? (Weltenbau Wissen)
Reden über Weltenbau: Kreatives Pen&Paper (NonPlayableCharacters)
Die Fantasie, mein Komplize (Weltenbau Wissen)

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper