Frauen in Comics und Videospielen Part 1: Einleitung


Immer wieder berichten Seiten überrascht davon, dass der Anteil der weiblichen Zocker und Comicleser steigt. Damit zusammenhängend taucht immer wieder die Diskussion über Sexismus und frauenfeindlichen Darstellungen auf. Aber ist das Frauenbild in den beiden Medien wirklich so schlimm?

Um es erst mal kurzzufassen: Nein! Warum? Als ich über weibliche Comicfiguren und Videospielcharaktere nachdachte, fielen mir zu allererst positive Beispiele ein. Zumindest für mich positiv. Denn während ich mich mit der Thematik beschäftigte, wurde eines sehr schnell klar: Die Wahrnehmung ist da mehr als subjektiv.

Aufmerksamen Internetnutzern ist sicherlich die Geschichte um Anita Sarkeesian nicht entgangen. Diese setzte sich in ihrem Projekt Tropes vs Women mit der Darstellung von Frauen in Videospielen auseinander. Das Ergebnis: Viele positive Stimmen, aber auch ein gewaltiger Konter, der leider in Morddrohungen und einem Videospiel, in dem Anita Sarkeesian verprügelt werden konnte, endete.

In vielen Punkten kann ich Anita Sarkeesian auch nicht zustimmen, das rechtfertigt aber in keinster Weise das Verhalten einiger Spieler. Um mal einige Punkte zu nennen, mit den ich nicht einverstanden bin und wo der Bogen eindeutig von ihr überspannt wird: Sie kritisiert die Darstellung von Frauen in Spielen, die sich in einer historisch angesiedelten Welt befinden und sich um eine realitätsnahe Darstellung bemühen. Das schließt das dazugehörige Frauenbild mit ein und kann dem Spiel beziehungsweise den Spieleentwicklern in keinster Weise vorgeworfen werden.

Außerdem halte ich es für wenig sinnvoll auf Spielen herumzutreten, die zu Nintendo 64 Zeiten entstanden sind. Diese Spiele waren simpel gestrickt und bedienen sich im Falle von Super Mario eben des Klischees: Held erschlägt Drache und rettet Prinzessin.

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Mario und Peach von ReneFelem. Das berühmteste Paar, wenn es um die Jungfrau in Nöten geht.

Ein Topos, der seit Jahrhunderten in der Literatur funktioniert, in Filmen genutzt wird und dementsprechend seinen Weg auch in die Spielebranche gefunden hat. Der Topos ist damit ganz und gar nicht verwerflich.

In neueren Spielen erwarte ich natürlich ein bisschen mehr. Der Topos kann gerne weiter bedient werden, aber es wäre wünschenswert, wenn der Entführte (egal welchen Geschlechts) nicht aus Pech in die Fänge des Bösen gerät. Es könnte eine Konsequenz aus einer vorherigen Handlung sein. Dies führt zum einem dazu, dass der Entführte eben nicht nur Pech hat und quasi als Idiot dasteht, weil er dem Bösen offensichtlich in die Arme springt. Zum anderen wirkt es dann, als habe unser Gegner eine Motivation, die darüber hinausgeht uns eine Motivation zu liefern.

Des Weiteren empfinde ich es nicht so, dass die Frau in diesem Topos zu einem Objekt degradiert wird. Ich glaube, keiner, der früher Super Mario oder Ähnliches gespielt hat, hat es gemacht um Peach zu “gewinnen.” Dazu, aber in einem späteren Artikel mehr.

Viel schlimmer empfinde ich die Spiele, die extra für Mädchen konzipiert wurden. Das Frauenbild, das dort gezeichnet wird, ist tausendmal herabwürdigender und klischeehafter als die in den “Männerspielen”.

Davon abgesehen, dass diese Spiele alle Farbnuancen von Rosa nutzen, scheint es für Frauen nichts Wichtigeres als ihr Aussehen und ihre Liebschaften zu geben. Einige Browsergames gehen sogar so weit, dass bei virtuellem Geldmangel ein Boyfriend benötigt wird, um das nötige Kleingeld zu bekommen. Selber arbeiten? Nein liebe Mädchen, außer ihr wollt das nächste Topmodel werden.

Im Bezug auf Comics sieht es ähnlich aus. Die Werke, die insbesondere Frauen ansprechen sollen, bespucken euch mit Klischees von Schuhwahn zu Liebesdrama bis zur Magersucht.

Hinzu kommen solche Marketingstrategien wie vom Carlsenverlag, die einfach den Vogel abschießen:

Frauen stehen gar nicht auf Superhelden und krude Zeichnungen! Deswegen bieten die Comics freche und intelligente Unterhaltung von Glamour über Humor bis hin zu sozialen Themen. Alle Bände passen in jede Handtasche, haben einen praktischen Gummibandverschluss und fühlen sich gut an.

Danke für diese Erleuchtung, welche Comics Frauen wollen und brauchen.

Frauen haben irgendwie in die Welt der Videospiele und Comics gefunden und das ohne, dass diese extra für das weibliche Geschlecht aufbereitet wurden. Daher empfinde ich es als Schwachsinn, wenn mit vermehrtem Interesse der Frauen an diesen Hobbys davon geredet wird, die Spiele oder Comics für Frauen attraktiver zu gestalten. Meiner Meinung nach waren sie übrigens schon länger daran interessiert, das Internet macht es nur deutlicher.

Daher soll diese Artikelreihe gar nicht in die Richtung gehen, wie etwas für Frauen attraktiver werden kann und ob das aktuelle Frauenbild schädlich ist, so wie Anita Sarkeesian behauptet. Stereotypen mögen insbesondere für Kinder prägend sein, aber die meisten Spiele bewegen sich auf einer anderen Altersstufe und ein “Killerspiel” bildet, wie wir wissen, auch keine Amokläufer aus.

Es soll möglichst objektiv die Darstellung der Frau, aber auch des Mannes, in Comics und Videospielen betrachtet werden, ohne dabei in irgendeiner Weise über die erwähnten Medien zu urteilen.

 

Hier noch eine kleine Liste von typischen weiblichen und männlichen Klischees, die in dieser Reihe noch vorkommen werden. Ich würde mich über weitere Klischeevorschläge insbesondere auf der männlichen Seite freuen.

Frauen:

  • weibliche Helden tragen enge Anzüge aus Leder/Latex oder freizügige Rüstungen
  • Frauen sind hilflose Wesen, die des männlichen Schutz bedürfen
  • Sie bestechen durch eine Übersexualisierung, indem Brüste überdimensional ausfallen
  • Sie nehmen in Rollenspielgruppen generell die Heilerrolle ein (nicht der Spieler sondern der Charakter)
  • weibliche Charaktere verfallen früher oder später dem Protagonisten
  • Sie dienen oft nur der Dekoration

Männer:

  • muskulös, meist weiß
  • Gefahr als Kick
  • Macho oder eiskalt
  • Selbst mit Narben oder einem drei Tage Bart sehen sie attraktiv aus

 

 

Anmerkung: Das obige Bild, welches uns durch die Artikelreihe begleiten wird, wurde mir netterweise von ErementalSoul zur Verfügung gestellt.

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games