Don’t say it, don’t think it


Diese Worte begleiten den amerikanischen Horrorfilm Bye Bye Man von Stacy Title. Der Film gehört zu den Horrorfilmen, die mit übernatürlichen Elementen spielen, um das Publikum zu ängstigen. Ob die mysteriöse Gestalt mit dem ungewöhnlichen Namen das auch schafft?

Bye Bye Man stand schon längere Zeit auf meiner Kinoliste. Nicht, weil er das Ereignis des Jahres werden sollte, sondern weil er einfach unglaublich oft verschoben wurde. Diese Verschiebungen hatten einen Grund: Der Film wurde unters Messer gelegt, um ihn einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen. Na danke!

Bereits darauf eingestellt, nicht das zu erhalten, was der erste Trailer mir einst versprach und gleichzeitig mit einigen englischsprachigen Kritiken im Nacken – in Amerika erschien der Film bereits im Januar –  saß ich in dem gefühlt viel zu stickigen und kleinen Kinosaal. 

Schlichte Story

Die ersten Minuten des Films überraschen mit einer warmen, gar herzlichen Farbwahl und einem offensichtlich verwirrten Mann, der ein paar Leute erschießt. Immer wieder mit der Frage bewaffnet, ob es weiter erzählt wurde. Wer die Trailer kennt, wird hier bereits wissen, worum es eigentlich geht.

Dann ein Zeitsprung und die Vorstellung der Protagonisten: der Student Elliot (Douglas Smith), seine feste Freundin Sascha (Cressida Bonas) und sein bester Freund John (Lucien Laviscount). Diese beziehen zusammen ein Haus in der Nähe des Campus. Bei einer Party in ihrem neuen Heim findet Elliot einen Nachttisch, in dessen Innerem mehrmals die Worte „Don’t say it, don’t think it“ stehen und etwas verdeckt der Name Bye Bye Man.

Kurz darauf halten sie mit Saschas Freundin Kim (Jenna Kanell) eine Séance ab, die plötzlich wie im Wahn immer wieder die bekannte Wortformel wiederholt. Im Deutschen hört sich das übrigens echt merkwürdig an: “Sag ihn nicht. Denk ihn nicht.” Von den vertrauten Worten überrascht, posaunt Elliot den Namen heraus und der Bye Bye Man (Doug Jones) beginnt sein Spiel.

Es dauert nicht lange und Sascha wird krank; Elliot sieht immer wieder Hinweise für eine intimere Beziehung zwischen Sascha und John und des Nachts bewegt sich etwas in den Schatten.

Kein Meisterwerk, aber…

Der Film erfindet das Rad nicht neu und weist so manche Mängel auf. Kim ist zum Beispiel dermaßen stereotypisch gestaltet, dass mir beinah schlecht geworden wäre. Der Bye Bye Man wirkt nicht ganz so unheimlich wie er könnte, sondern eher wie eine schlechte Halloweenverkleidung. Auch so manch blutigere Szene erinnert doch schmerzlich an eine DVD-Produktion und nicht an einen Kinofilm.

Entgegen diverser Kritiken finde ich diesen Streifen jedoch nicht schlecht. Sicher ärgere ich mich darüber, dass er ursprünglich für ein älteres Publikum gedacht war. Aber mit Hinblick auf die neue Zielgruppe finde ich das Endprodukt doch recht passabel. Bye Bye Man richtet sich nicht unbedingt an Personen, die viele Horrorfilme gesehen haben, sondern an Frischfleisch.

Der Film nutzt viele Stilmittel, die es in Horrorfilmen schon immer gab: sich bewegende Schatten, glühende Augen in der Dunkelheit, mysteriöse Spuren, nicht zu verortende Geräusche und leicht hysterische Menschen. Und da komme ich nämlich schon zu einem sehr positiven Aspekt: Douglas Smith. Ich weiß nicht, ob der junge Schauspieler immer so aussieht, aber ich habe ihm abgenommen, dass er psychisch einfach mit der Welt fertig ist. Cressida Bonas konnte mich ebenfalls überzeugen, auch wenn sie einen Großteil des Films krank in ihrem Bett verbringt. Beide Schauspieler haben ihre Stimmungen dermaßen gut in ihre Mimik gelegt, dass Worte zuweilen doch überflüssig waren.

Ein anderer positiver Aspekt des Films ist die Tatsache, dass er nicht alles um den Mythos bis ins Detail aufschlüsselt. Viele Horrorfilme machen ihren eigenen Mythos dadurch kaputt, dass sie am Ende noch eine ätzend lange Erklärung abliefern müssen, warum die Wesenheit das alles gemacht hat und was welches Symbol bedeutet etc. Bye Bye Man lässt einem hingegen Interpretationsraum, sofern einem The Bridge to Body Island von Robert Damon Schneck nicht bekannt ist.

Des Weiteren finde ich das Konzept des Bye Bye Mans trotz des gewöhnungsbedürftigen Namens gar nicht so schlecht. Zwar reicht er nicht an Genre-Ikonen wie den Candyman heran, aber die Vorgehensweise der Gestalt finde ich reizvoll. Er wird nie selber körperlich aktiv, sondern spielt mit der Psyche der Menschen. Problematisch finde ich nur, dass es erst so scheint, als ob insbesondere sensiblere Personen dem Wesen eher „verfallen“, sich dieses aber zum Ende hin ziemlich ruckartig ändert und nicht wirklich klar wird, ob das Nicht-daran-denken-Prinzip hilft oder nicht.

Die Kameraführung des Films hält sich ebenfalls an die Horrorfilm-Formel: viele Großaufnahmen und die Kamera von hinten. Nur die Sicht des Bösen wird bei Bye Bye Man nicht eingenommen, schadet dem Film aber auch nicht. Dafür wird viel mit der Dunkelheit gespielt und versucht, die Atmosphäre des bedrohlichen Unbekannten zu erzeugen.

Doch im Prinzip hat Bye Bye Man das gleiche Problem, wie die meisten Horrorfilme unserer Zeit: Das Publikum erwartet mehr. Stephen King schrieb in seinem Buch Danse Macabre: „Was hinter der Tür oder am Ende der Treppe lauert, ist niemals so schrecklich wie die Tür oder die Treppe selbst. Und deswegen haben wir folgendes Paradoxon: Ein künstlerisches Werk des Horrors ist fast immer eine Enttäuschung.“ 

Fazit

Bye Bye Man ist bei Weitem nicht so miserabel wie es einige Kritiker behaupten. Für alte Hasen mag es an der ein oder anderen Stelle wahrlich ermüdend sein, aber die Jugendlichen im Kinosaal hatten eindeutig ihren Spaß gehabt. Ich habe, nachdem ich mich auf den Film eingelassen habe, mich ebenfalls unterhalten gefühlt.

Was bedeutet diese Bewertung? Lest es hier nach.

 
Bye Bye Man
Regisseur: Stacy Title
Genre: Horror
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: 16
 

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2.9 von 5 Sternen (43 customer reviews)

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Titelbild © Paramount Pictures Germany
Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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